Ein Paukenschlag in der unsichtbaren Welt

19. Jänner 2024 in Kommentar


Gott begegnet dir in deiner Verletzlichkeit, und wenn du von seinem Wirken erzählst, dann bewegst du Welten. „Benedicta“ von Petra Knapp.


Linz (kath.net) Gott sieht mich. Das Wort ist mir ein schwacher Trost, als ich durch den zugigen Gang haste, von einer Messehalle zur anderen, auf der MEHR 2024 in Augsburg. Dort suche ich mir einen Stehplatz am Rand, um in Ruhe mitschreiben zu können. Wie durch ein Wunder vertreibt mich keiner der Ordner.

Da bin ich nun, unter zehntausend anderen, und fühle mich allein und ungesehen. Ich gebe es zu: Diese Geschichte wollte ich für mich behalten, weil sie mir zu banal schien. Ja, Gott sieht mich, aber das genügt mir nicht, hatte ich noch vorhin gedacht, und ihn gebeten, dass er mir einen Menschen schickt, der mich auch sieht, anschaut und wertschätzt.

Erzählt habe ich das keinem, denn klingt das nicht lächerlich, wenn man sich als bedürftig outet? Ich warte also und mache indessen meinen Job. Es vergehen keine zwei Minuten, da sagt einer, der sonst auf der Bühne vorne steht, „Hallo!“, lächelt, umarmt mich und fragt „Wie geht es dir? Hast du eine gute Zeit hier?“

Da weiß ich wieder, dass Gott keines meiner kleinen Gebete zu unbedeutend ist, dass er es liebt, mich bedürftig zu sehen und in Kleinigkeiten zu umsorgen und versorgen. So wie am ersten Abend des MEHR-Festivals, als wir auf der Tribüne saßen und die Jungs irgendwo herumliefen. Auch das ist eine Geschichte, die ich nie erzählen wollte.

„Sind die Buben bei dir?“, textet mir meine Schwägerin, die irgendwo vorne sitzt, unter den zehntausend Leuten. „Nein“, tippe ich zurück. „Ich kümmere mich.“ Während ich noch überlege, wo ich zu suchen anfangen soll, fällt mir ein, dass ich die Schutzengel der Kinder beauftragen könnte, sie herzubringen. Gedacht, getan. Eine Minute später tippt mir unser Sohn auf die Schulter und schaut mich fragend an.

„What?“ Ich lächle und kann es nicht glauben und schon gar nicht wem erzählen, nicht mal meinem Mann, der neben mir sitzt und gar nichts mitbekommen hat. Irgendwann später diskutieren wir darüber, und die Kinder meinen, sie wären ja schon auf dem Weg hierher gewesen, Schutzengel hin oder her. Vielleicht. Beschenkt und erhört fühle ich mich trotzdem.

Am darauffolgenden Tag erzähle ich die beiden Erlebnisse ein, zwei Leuten. Ich staune, wie beeindruckt sie sind. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Wenn Gott wirkt, ist es immer eine große Sache, egal, wie unbedeutend dir manches erscheint.

Und wenn du anderen schließlich Zeugnis gibst vom Wirken Gottes in deinem Leben, dann ist das wie ein Paukenschlag in der unsichtbaren Welt. Dein Zeugnis besiegt die Dunkelheit, es ist eine „Ohrfeige“ für den Bösen, sagt Juliana Bosma, bei der ich im „Haus David“ Seminare über Befreiung, Heilung und Wiederherstellung besuchen durfte.

Sie ermahnte uns täglich, es nicht verschweigen, wenn Gott wirkt. Das Wirken Gottes ist das eine, aber das Zeugnis ist eine ganz andere Kategorie: Im Zeugnis gibst du Gott die Ehre. Du bekennst, dass er in deinem Leben wirkt. Dein Zeugnis löst eine positive Dynamik in der geistlichen Welt aus, und es rührt Herzen an und hilft Menschen, Gott zu erkennen.

„Wollte noch sagen, ich habe das stark gefunden, das Zeugnis, das du mir erzählt hast, also die Gebetserhörung vom Gesehen- und Gekanntwerden“, textet mir meine Schwägerin später noch. „Es stimmt, dass wir über vulnerability connecten. Ich hatte eine ähnliche Situation diese Tage.“ Sei ermutigt und angespornt, Gottes Wirken wahrzunehmen, ihm zu danken und anderen davon zu erzählen!


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