Papst-Kommission: Missbrauchsschutz als Priorität bei Weltsynode

29. September 2023 in Weltkirche


Komission: Dieses Thema durchdringt Diskussionen über Führungsmodelle, Dienstrollen, professionelle Verhaltensnormen und das rechte Verhältnis zueinander


Vatikanstadt/Rom (kath.net/KAP) Der Schutz vor sexuellem Missbrauch im Bereich der Kirche soll Priorität bei der kommenden Synodenversammlung im Vatikan haben. Das fordert die Päpstliche Kinderschutzkommission in einem kurz vor Beginn der Bischofssynode veröffentlichten Aufruf. Zudem verlangt sie von der Kirchenleitung ein stärkeres Engagement für den Schutz von Betroffenen - auch finanziell. Ab kommendem Mittwoch (4. Oktober) werden internationale Kirchenverantwortliche für einen Monat im Vatikan tagen. Dabei soll es um eine zukunftsfähige Kirche gehen.

Jeder Tag scheine neue Beweise für Missbrauch sowie für Vertuschung und Misshandlung durch die Kirchenleitung in der ganzen Welt zu bringen, schreibt die Kommission unter Leitung des Bostoner Erzbischofs Kardinal Sean Patrick O'Malley. Verantwortlich für das Leid der Betroffenen sei dabei auch die Kirche, "die nicht in der Lage oder sogar nicht willens ist, die Realität ihres Handelns zu erkennen".

Die Verbrechen und ihre Straflosigkeit würden bedingt auch durch Mängel in den Verfahren zur Behandlung der Fälle. Fünf Jahre nach dem vatikanischen Kinderschutzgipfel herrsche nach wie vor große Frustration, insbesondere bei denjenigen, die Gerechtigkeit für das ihnen angetane Unrecht suchten.

Sowohl bei der Ernennung der neuen Kardinäle am kommenden Samstag als auch bei der Synode ab nächstem Mittwoch sollte das Thema Priorität haben. Es durchdringe die Diskussionen über Führungsmodelle, Dienstrollen, professionelle Verhaltensnormen und das rechte Verhältnis zueinander und zur gesamten Schöpfung, erklärt die 2013 von Papst Franziskus gegründete Kommission.

Von den Synodalen fordern die Mitglieder, besonders dem Zeugnis von Betroffenen viel Zeit und Raum zu widmen. Das Thema Missbrauch, Prävention und Aufklärung sollte während des gesamten Synodenprozesses berücksichtigt werden.

Internationale Initiativen von Missbrauchsbetroffenen planen verschiedenen Aktionen während der kommenden Großereignisse im Vatikan. Am Samstag sollen etwa ein Marsch und eine Mahnwache in den Gärten der Engelsburg stattfinden.

Im offiziellen Arbeitspapier ("Instrumentum laboris") für die Synodenversammlung ist mehrfach von der Notwendigkeit einer Prävention aller Arten von Missbrauch in der Kirche die Rede. "In vielen Regionen sind die Kirchen zutiefst von der Krise betroffen, die durch verschiedene Formen des Missbrauchs verursacht wird, wie sexueller Missbrauch und Missbrauch von Macht, Gewissen und Geld", heißt es etwa schon im Vorwort des Dokuments, das die Basis für die Beratungen darstellt.

Und weiter: "Dies sind offene Wunden, deren Folgen noch nicht in der Tiefe aufgearbeitet sind. Neben der Bitte um Vergebung, die sie den Opfern und Überlebenden für das von ihr verursachte Leid schuldig ist, muss die Kirche sich verstärkt und intensiver für Umkehr und Reformen einsetzen, um zu verhindern, dass sich ähnliche Situationen in Zukunft wiederholen."

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