Die Weltsynode als Zirkuszelt. Zum aktuellen Dokument des vatikanischen Synodensekretariats

31. Oktober 2022 in Kommentar


„Offensichtlich hat man das Wichtigste aus den Augen verloren: Keine Synode kann den Glauben der Kirche verändern und wenn sie das versucht, ist sie schlichtweg nicht mehr katholisch.“ Von Joachim Heimerl


Vatikan-Linz (kath.net/joh) Mit der aktuellen Veröffentlichung des Arbeitsdokuments für die nächste Phase der Bischofssynode 2023/24 steht deren Ergebnis im Grunde bereits fest: Es geht um die Neuerfindung einer Kirche, die sich der eigenen Überlieferung nicht mehr bewusst ist.

„Mach den Raum Deines Zeltes weit“ ist als Titel des Dokuments trefflich gewählt: Im Mittelpunkt steht nicht mehr die endgültige Offenbarung Gottes, wie sie beispielsweise das biblische „Offenbarungszelt“ ausdrückt; im Gegenteil: Hier geht es um ein Zirkuszelt, in dem alles nebeneinander Platz haben soll und in dem absurde Vorstellungen in den heiligen Raum der Kirche aufgenommen werden: Die Wiederverheiratung Geschiedener und sogar die Vielehe, die beide im krassen Gegensatz zum Ehesakrament stehen, finden hier ebenso Platz wie gleichgeschlechtliche Verbindungen, die die Heilige Schrift ausdrücklich verdammt: „Männer, die Männer begehren (...) werden nicht das Reich Gottes besitzen“ (1. Kor. 6,10).

Selbstverständlich geht es in dieser Menagerie auch um die „Frauenfrage“: Eine „synodale“ Kirche ist im Sinne des Dokuments offensichtlich eine „Frauenkirche“, die keinerlei Verständnis dafür hat, dass Christus als  ewiger Hohepriester nur Männer zum Weiheamt berufen hat.

Doch damit nicht genug: Auch in der Feier der Heiligen Messe soll ein „synodaler“ Stil eingeführt werden: Das heißt nichts anderes, als dass es in Zukunft nach protestantischer Manier vor allem um die „Mitfeiernden“ geht. Von der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers ist keine Rede mehr, von Jesus Christus als dem einzigen Haupt seiner Kirche auch nicht. Die „alte Messe“ wird  nur als Gezänk konnotiert; an eine heilsame Rückkehr zur liturgischen Tradition wird nicht gedacht.

Insgesamt läutet das Dokument einen Paradigmenwechsel ein: Die Kirche ist keine hierarchisch auf Christus bezogene Gemeinschaft mehr, sondern eine „offene“ Gesellschaft, die sich selbst ihre zeitgeistigen Gesetze gibt. Natürlich formuliert man das gefälliger: Man spricht von einer „Kirche, die zu einer radikalen Inklusion fähig“ ist; dazu gehört neben dem Bruch mit der bisherigen Sakramentenlehre offensichtlich auch die Inklusion der Sünde im Sinne einer völlig libertinen Sexualmoral. - „Radikal“ ist dies tatsächlich: Es geht ans Eingemachte der katholischen Religion.

Selbstverständlich könnte man hier einwenden, das Dokument sei lediglich eine Zusammenfassung unterschiedlicher Positionen, und natürlich ist es das auch. Ebenso gut könnte man aber auch sagen: Es ist nichts als Geschwätz, das sich den Nimbus des „Heiligen Geistes“ gibt, um die Kirche im Inneren zu unterwandern. Kardinal Müller sprach in diesem Zusammenhang zurecht von einer „feindlichen Übernahme“ und einer „Zerstörung der Kirche“, sollte dies tatsächlich gelingen. Dazu passt es auch, dass der Vorsitzende der „deutschen Bischofskonferenz“ nun von einer „synodalen Dynamik“ fabuliert, die die ganze Kirche ergriffen habe: Dies ist – wie könnte es aus deutscher Sicht anders sein – die Dynamik der Häresie.

Natürlich gibt es in der Kirche unterschiedliche Positionen und vor allem gibt es ein breites Unwissen um den katholischen Glauben. Gerade hier aber hilft ein vatikanisches Dokument nicht weiter, das sich nicht auch nur ansatzweise die Mühe macht, die endgültige Lehre der Kirche ins Spiel zu bringen, um die divergenten Positionen vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Offensichtlich hat man das Wichtigste aus den Augen verloren: Keine Synode kann den Glauben der Kirche verändern und wenn sie das versucht, ist sie schlichtweg nicht mehr katholisch. Dann ist sie nur mehr ein Zirkuszelt, gerade so wie dieses Dokument.


© 2022 www.kath.net