
11. März 2022 in Chronik
Damit endet auch Besonderheit der Äthiopisch-orthodoxen Kirche, die seit 2018 offiziell von zwei Patriarchen geleitet wurde
Addis Abeba (kath.net/KAP) In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ist bereits am 4. März der äthiopisch-orthodoxe Patriarch Abune Merkurios verstorben. Er stand im 84. Lebensjahr. Das Begräbnis des Patriarchen wird am 13. März in Addis Abeba stattfinden. Mit dem Tod des Patriarchen endet eine Besonderheit in der Äthiopisch-orthodoxen Kirche: Sie wurde zuletzt von zwei Patriarchen geleitet.
Merkurios (geb. 1938) war im Mai 1988 zum äthiopischen Patriarchen geweiht worden. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes in Äthiopien 1991 musste er 1992 ins Exil nach Amerika fliehen. Es folgte ein langjähriges Schisma in der Äthiopischen Kirche. In Äthiopien wurde Abune Paulos zum Patriarchen gewählt. Merkurios hatte sein Amt aber nicht aufgegeben, so kam es zur Kirchenspaltung, die erst 2018 überwunden wurde. Merkurios kehrte zurück nach Äthiopien. Die beiden Patriarchen Merkurios und Mathias, der 2013 auf Abune Paulos gefolgt war, wurden auf Lebzeiten als "gleich an Ehre" angesehen und hatten auch beide ihren Sitz in Addis Abeba.
Die Äthiopisch-orthodoxe Kirche ist mit rund 40 Millionen Gläubigen die mit Abstand größte orientalisch-orthodoxe Kirche. Die eigentliche Bezeichnung lautet "Äthiopisch-orthodoxe Tewahedo Kirche". Tewahedo bedeutet Einheit und nimmt Bezug auf die christologische Lehre der einen göttliche und menschliche Natur Christi. Schon im 4. Jahrhundert wurde das Christentum in Äthiopien zur Staatsreligion. Erst in den 1950er-Jahren wurde die Äthiopische Kirche allerdings von der Koptischen Kirche unabhängig.
In der äthiopischen Kirche finden sich viele alttestamentliche Bezüge und ein jüdisches Erbe, wie es sonst in keiner anderen christlichen Tradition zu finden ist. Liturgiesprache ist das altäthiopische Ge'ez, das heute nur mehr im Gottesdienst verwendet wird. Kaum eine Kirche hält sich so streng an Fastenvorschriften wie die äthiopische, mehr als 200 Fastentage bestimmen das Kirchenjahr.
Die Äthiopisch-orthodoxe Kirche ist für ihre besondere Art Ikonen zu malen weltberühmt, die großen Augen sind ein markantes Merkmal. Auch die in den Erdboden gegrabenen Felsenkirchen (von Lalibela) gelten als herausragendes kirchlich-kulturelles Erbe.
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Archivfoto: Äthiopisch-orthodoxe Christen
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