Im Reich Christi: Christi Frieden!

15. Februar 2022 in Kommentar


Papst Pius XI. zum 100. Krönungstag - Ein Kommentar von Franz Norbert Otterbeck


Köln (kath.net)

Was geschah zu Frankfurt im Februar 2022? Man hat das 'Regnum Christi' ausgeknipst, es jedenfalls versucht, für den Geltungsbereich der Beschlüsse deutscher Bischöfe (GdBdB, vormals: BRD). Zahlreiche Autoren auf kath.net und anderswo haben immer wieder davor gewarnt. "Reform" der Kirche muss näher zu Christus hinführen, nicht von ihm weg. Aber im 'Mutter unser' betet der katholische Feminismus: 'Meine Reichin komme, meine Willin geschehe'! Die mehr oder weniger schwulen Elemente im Klerus empfehlen unterdessen treuherzig: mehr Homosexualität und offene Homosexualität sei das beste Mittel, um Missbrauch in der Kirche zu verhindern. Und wer das glaubt, der wird selig? Wer den breiten und bequemen Weg hinabsteigt, der sieht das Himmelreich offen? Kein geistlicher Kampf mehr, keine Askese und vor allem: kein Zölibat? Das lateinische Fremdwort hat mit dem Himmel zu tun, den keine Politik je auf die Erde zwingen kann. Aber wozu auch? Gesellschaft verändern ist gar nicht mehr nötig, wo Revolutionäre stattdessen "Kirche verändern" können. Verändern - wohin?

Die Päpste gedachten in der Vergangenheit nicht des Tages ihrer Wahl, sondern ihres Krönungstages, wenn auch "nur" mit einer Messe. Deren unschätzbarer Wert sagt den Frankfurter Scheinsynodalen nichts mehr. Eine bislang letzte Messe im Gedenken an seine Papstkrönung feierte Paul VI. am 30. Juni 1978 und gab einen Rückblick auf turbulente 15 Jahre im Amt. Wir verdanken dem wenig verehrten, gleichwohl heiliggesprochenen Konzilspapst nicht nur das "Nein zur Pille" (nach richtiger Meinung, die durch den aktuellen Genderismus voll bestätigt wird: unfehlbar wahr) und die "neue Messe", sondern auch die weitgehende Ablehnung der Beschlüsse der deutschen Bischöfe, die 1971-1975 zu Würzburg gefasst wurden. Der narzisstisch gekränkte Modernismus jener Tage blockiert DBK und ZdK bis heute, wenngleich die Enkel der Revolution im Einzelnen nicht mehr wissen, wer sie auf die falschen Wege geführt hat. Man bleibt der Verschwörung treu, mehr noch: man will sie überbieten, indem auch die letzten, noch katholisch anmutenden Aspekte der damaligen Beschlussfassung (teils gut gemeint!) über Bord geschleudert werden.

Was hat das alles mit Papst Pius XI. zu tun, der vor 100 Jahren am 12. Februar gekrönt wurde? Er fasste sein Programm in eine klare Ansage, die auch heute noch Geltung beansprucht: Pax Christi in Regno Christi! Der Friede Christi im Reich Christi wird aufblühen. Das war die rechtzeitige Antwort auf die europäische Katastrophe des Ersten Weltkriegs, von der sich das Abendland bis heute nicht wirklich erholt hat, trotz aller Anstrengungen seit 1945 und 1989. Denn Europa verleugnet seine Wurzeln in dem Frieden, den Christus gestiftet hat; und den niemand sonst "leisten" kann als unser Erlöser: den Frieden der Seele mit Gott. Wenn in diesen Tagen sichtbar wird, wie gefährdet politischer Friede auch in Europa wieder sein kann, so erleben wir darin ein Echo des alten Rufs: Suchet zuerst das Reich Gottes! Alles andere würde uns dazugegeben. Das 'Frankfurter Würstchenkonzil' unter Leitung eines intellektuell und moralisch überforderten Gernegroß-Bischofs und einer "Frau Stotter-Karg", deren Vokabular in Interviews ungefähr fünfzig Worte umfasst (Aufbruch, Reform, Reformstau, Stillstand, Veränderung ...), hatte freilich keine Zeit, um ein Wort in die Zeit auszusenden. Man ist mit sich selbst und den "Kirchenträumen" der Siebziger voll ausgelastet! Die damaligen 'Zeichen der Zeit' gelten unhinterfragt weiter. Wohl noch nie hat eine nicht-legitimierte "Räubersynode" derart autoritär argumentiert. Man folgt in Treue fest einem "Lehramt", das weder Theologie noch Kirche kennt.

Pius XI. war da anders: traditionsfest und modern zugleich. Beter und Wissenschaftler, Politiker und Seelsorger, aber immer anti-totalitär dem echt christlichen Humanismus verpflichtet. Die Leute, die heute in deutschen Diözesen das Sagen haben, wissen aus dieser Zeit nur noch, "das Konzil", habe die "pianische Epoche gebrochen". Mehr muss man nicht wissen, außer: Pius XI. stand dem italienischen Faschismus gefährlich nahe (keineswegs!) und Pius XII. habe die Bahngleise nach Auschwitz nicht bombardieren lassen. Die Päpste haben zwar keine Bataillone zur Verfügung, aber "schuld" sind sie im Rückblick immer, aus deutscher Sicht. Das sah schon Luther so: Die Juden seien der Deutschen Unglück, die Türken und die Päpste. Die ersten beiden Verdammungsurteile übernimmt der "Synodale Weg" mit guten Gründen nicht. Warum aber das dritte? Weil die "pianische Epoche" in Rom immer noch gegenwärtig ist? Über den Toren der Vatikanstadt prangt das Wappen Pius XI., des Staatsgründers von 1929, als die "Römische Frage" vertraglich geklärt wurde. Auch Pius XII. ist den Römern in guter Erinnerung, der die Stadt zu schützen vermochte und viele, viele Juden rettete. Was ist an dieser Epoche so toxisch? Dass sie keine "panische Epoche" war, wie die Ära Ackermann'scher Aufklärung von Missbrauch? Ja, die "deutsche Kirche" ist eine missbrauchte Kirche, aber ganz anders als Buchautor Rothe es meint. Mit zweifach gebrochenem Rückgrat hat man hier Chancen, zum Domkapitular aufzusteigen, dreifach gebrochen: noch höher. Aber der aktuelle Gehorsam gilt nicht mehr der katholischen Religion, sondern den fatalen Eingebungen einer "Generation Aufbruch", die tatsächlich von Katastrophe zu Katastrophe eilte. Und seit einiger Zeit siegesgewiss den Friedhöfen zustrebt, um die Kirche in Deutschland als Großfriedhof ohne Gott zurückzulassen. Macht nichts! Die Pensionen konnten noch gezahlt werden!

Wie anders, wie hoffnungsfroh, wie schön war die Religion, für die "Pius-Päpste" standen - und auch ihre Nachfolger noch. Hierzulande hatte man keinen Sinn für die "katholische Aktion", die Pius XI. zündete, für das Reich Christi und Seinen Frieden. Man verließ sich schon damals auf das Laien-Zentralkomitee. Mit Hans Küng et al. begann dann 1968 die "katholische Passion" nördlich der Alpen: Joseph Ratzinger wollte noch gegensteuern, mit seiner "Einführung in das Christentum", traditionsnah und modern zugleich, im Zeichen der Kontinuität. Der immer gleiche Hass, der ihm auch im 95. Lebensjahr noch aus dem organisierten Deutschtum entgegenschlägt, hat auch damit zu tun, dass er es einfach nicht lassen kann, das Reich Christi zu verkünden. Auch heute noch, auch den schlafenden Jüngern am Ölberg. Die deutsche Kirche hingegen will den Exodus aus dem Christentum, seit Jahrhunderten. Als ob die Kirche selber das sei, was sie der Welt als Sünde aufzeigte. Sie hat aber immer noch ein Wort an die Welt: Christus allein ist Sieger über Sünde und Tod. Also: Ihm nach! Sein Reich komme!

Hundert Jahre sind in der Kirchengeschichte eine kurze Zeit. Vielleicht erleben wir um 2025 schon, hundert Jahre nach Einführung des Christkönigsfestes, erste Anzeichen dafür, dass auch im Lande der Reformation eine Bewegung katholischer Erneuerung möglich ist. Ohne die Einsicht, dass auch das jüngste Konzil "pius" war, nämlich: fromm, wird daraus freilich wenig. Merke: XI plus XII ist XXIII. Ohne beide Pius-Vorgänger auch kein "guter Papst Johannes"; und irgendwann schlägt's dann XIII? Kann schon sein. Denn "Pius" ist der Name für Frieden.


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