B├Ątzing, Marx + Co: Desaster mit Ansage!

1. Februar 2022 in Kommentar


Es fehlt der Mut, eine Erneuerung der Kirche aus ihren eigenen Quellen zu wagen und dies auch den Mitarbeitern und Quertreibern klarzumachen: Glaube-Hoffnung-Liebe - Ein Kommentar von Franz Nobert Otterbeck


Köln (kath.net)

Gong frei zur nächsten Runde. Auf dem Kampfplatz namens "Synodaler Weg" in Frankfurt wird die Mehrheit, über zwei Drittel der Klerokraten und ihrer Laienoffiziere, über die religiös geprägte Minderheit der Teilnehmer abermals triumphieren. Das ganze Projekt war von Anfang an so konstruiert, dass die Mehrheitler aus dem Kirchensteuerparadies nie in ihrer Mehrheit gefährdet waren. Abweichend von den Sitten in der DDR-Volkskammer dürfen die "Blockparteien" (die organisierte Minderheit) zwar ihre abweichenden, oft mit dem Katechismus der Kirche allzu konformen Ansichten, noch, devot zu Protokoll geben. Aber ohne Wirkung. Bislang ist zwar noch kein oppositioneller Abgeordneter dazu gezwungen worden, der herrschenden "Arbeiterklasse" (ZdK) und ihrer Avantgarde (DBK) öffentliche Lobeshymnen zu singen. Es genügt noch, wenn man die Reden an die Nation von Bätzing, Marx + Co. still leidend über sich ergehen lässt, ohne mit allzu frommen Zwischenrufen die "nachholende Modernisierung" der deutschen Kirche zu stören. Die jeweilige Verlängerung des 'Frankfurter Würstchenkonzils' wird aber die allgemeine Ermüdung fördern. So dass am Schluss (2026, 2027?) vielleicht dann doch die Preisgabe des Zölibats, die Priesterweihe "für alle" und die schrankenlose sexuelle Freizügigkeit ab 18 von 98% der Delegierten "zu fordern" beschlossen wird. Oder soll man gleich "Kirche im Sozialismus" fordern, auch ganz ohne Sozialismus? Oder Kirche "als" Sozialismus? Pfründen für alle? Was dann? Nuntius Gänswein könnte liebe Grüße des neuen Papstes ausrichten und das "Nein" zu alldem gleich mit.

Scherz beiseite. Denn wir haben es nicht mit Kirchen-Kabarett zu tun, sondern mit einem Desaster. Das Wort meint den "Unstern", den bösen Stern. Der nationale Synodalismus kann tatsächlich kaum als unser "guter Stern auf allen Straßen" begriffen werden. Schon deshalb nicht, weil seine Ideen keinerlei Beitrag zur Bewältigung der Vertrauenskrise leisten können, in der die (Nicht-) Aufarbeitung der Missbrauchsuntaten doch nur die "Spitze des Eisbergs" ist.

Was uns aus dem Münchner Missbrauch-Gutachten (MMG) entgegenschlägt, das ist eine Zivilisation der Ignoranz. Man vermisst nicht nur die Perspektive der Opfer, den Blick auf die Betroffenen, irgendeine Unterbrechung der Arroganz. Man vermisst die Anwesenheit des Heiligen, die Präsenz des Evangeliums, christliche oder wenigstens abendländische Tugenden im Umgang mit Menschen. Da war Klerikalismus am Werk, aber doch in der Gestalt eines klerikalen Modernismus: Gescheitert ist die "deutsche Kirche" nach Würzburger Modell. Man kann die konkurrierenden Konzepte nach Würzburg, dem fränkischen Tagungsort der "Gemeinsamen Synode" von 1971 bis 1975, einerseits benennen und andererseits nach Altötting, dem bayerischen Marienheiligtum. Das Konzept "Altötting" ist nur geschwächt, nicht gescheitert: Anbetung Gottes, Verehrung Mariä und aller Heiligen, das pilgernde Gottesvolk unterwegs zu seinem himmlischen Ziel, gestärkt mit den Gnadenmitteln der Kirche Christi. Diese katholische Religion hat übrigens immer noch die Kraft, der Welt eine Botschaft von Gerechtigkeit und Frieden, Tapferkeit und Zucht und Maß mitzugeben. Wobei es inzwischen zur Tapferkeit zählen kann, bisweilen bei kath.net zu publizieren, wie es etwa Kardinal Müller tut.

Das Modell "Würzburg" wurde von Sozialingenieuren konstruiert, für die "Anschluss" an die damalige Moderne das oberste Gebot war. Was war um 1970 denn "Fortschritt"? Allgemeine Meinung! Der CDU-Kanzlerkandidat Barzel plakatierte 1972: "Wir bauen den Fortschritt auf Stabilität." Immerhin. Andere wollten nur auf Dynamik bauen: Alles fließt. Es gibt keine Wahrheit, die in Sätze zu fassen ist, Dogma existiert nur im Fragment. Manches fließt tatsächlich. Fortschritt damals, das war: Autobahnbau, Bahnstillegung, Campus-Uni, Drogenwelle, Ehescheidung, Frauenbewegung, Gentechnik, Homo-Outing, Ideologien, Jugendwahn, Kernkraft ... Plastikmüll ... Wohnsilos u.v.a.m.; nicht zu vergessen: die sexuelle Revolution. Diese mit gut 50-jähriger Verspätung auf den Fluren der Ordinariate ausrufen zu wollen, das muss doch fast als ein lächerlicher Anachronismus erscheinen. Heißen diese Verwaltungen demnächst etwa "Generalqueeriat"? Fortschritt ist ein Begriff mit veränderlichem Inhalt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Antisemiten und Rassisten sich an der Spitze des Fortschritts sahen. Der Historiker Götz Aly (Jg. 1947) wagte es sogar, seiner Generation vorzuhalten, den 68-ern, dass sie gar nicht so weit weg von ihren Vätern und Tätern agierte, wie es die auf "links" gewendete Ideologie suggerierte ("Unser Kampf", 2008). Bätzing, Marx + Co. sind freilich bereits jünger. Da sie ihr Leben weitgehend in den modern-klerikal geprägten Schutzräumen deutscher Diözesen verbrachten, wohlumsorgt, wohlgenährt und völlig konform mit dem Kirchenmodell "Würzburg", weit entfernt von jeder Erschütterung durch die Welt draußen, wird die kritische Auseinandersetzung mit den Zeitgeiststürmen ihrer Kindheit und Jugend vermutlich zu schmal ausgefallen sein. Zu dürftig, um noch die Kraft zur Absage an die Versuchung zu haben, die Kirche durch einen Umsturz des überlieferten Kirchenrechts zugunsten eines neu modellierten Sakralverwaltungsrechts "retten" zu wollen. Tatsächlich wurde ersteres schon lange weitgehend nicht mehr befolgt in deutschen Bistümern, wie das MMG belegt. Aber welche "Besserung" soll jetzt die hochoffizielle Überwindung desselben (in wesentlichen Aspekten) erbringen? Das ist keine Umkehr, sondern Trotz.

Es fehlt der Mut, eine Erneuerung der Kirche aus ihren eigenen Quellen, auch theologischen Rechtsquellen, zu wagen und dies auch den Mitarbeitern und Quertreibern klarzumachen. Glaube-Hoffnung-Liebe. Man könnte durchaus zu den Quellen zurückkehren, anstatt sich auf die sehr vergängliche Zugkraft aktueller Modebegriffe zu stützen. Zuzubilligen ist der breiten Eminenz Marx, dass sein langer Auftritt vor der Presse, zufällig an Kaisers Geburtstag, diesmal einen Hauch von Bußgesinnung verspüren ließ. Helferlein Bätzing konstatierte seinem Förderer prompt einen authentischen und starken Auftritt. Naja. Es ist ja kein Geheimnis, dass der Küng-Jünger mit seiner verschraubten Denkungsart wenig mit Joseph Ratzinger anfangen kann. Allerdings hat viele die überlange Stellungnahme des Emeritus nicht vollends überzeugt. Redaktionsversehen dürfen da nicht passieren, Schlaumeierei auch nicht. Dazu hat Holger Doetsch schon das Notwendige gesagt. Mit Michael Hesemann ist allerdings festzuhalten, dass der objektiv fassbare Teil des MMG den Erzbischof von 1977 bis 1982 weitestgehend entlastet und nicht etwa "schwer belastet", wie die deutschen Medien titelten. Die Schlussfolgerungen der Gutachter sind alles andere als zwingend. Auch Marx räumte ein: Kein Gutachten ist je ein Urteil; und schon gar nicht "rechtskräftig". Die naheliegende Schlussfolgerung wird allerdings nicht gewagt. Das Münchner MG stützt das Kirchenmodell "Altötting". Es belastet das Kirchenmodell "Würzburg". Wer immer im deutschnationalen Kirchen-System lebte, sich davon nährte, wie etwa auch die ZdK-Dame mit dem Stotternamen, wird dieses Fazit stur ignorieren müssen.

Schon seit der von P. Mertes SJ ausgelösten Krise von 2010 vermeiden es die deutschen Bischöfe nachhaltig, die richtigen Konsequenzen aus dem Desaster zu ziehen. Denn die Axiome der Siebziger dürfen nicht angetastet werden. Benedikt XVI. hat es in Freiburg 2011 gesagt. Man wollte nicht hören. Einige Katholiken in Deutschland hatten erhofft, dass ihr Papst mit dem Saustall deutscher Nation aufräumen werde. Er war aber milde gestimmt, wollte überzeugen, mied das Machtwort. Wir lernen heute, dass es eine sinnlose Kraftanstrengung gewesen wäre, den deutschen Bischöfen mit Machtmitteln heimzuleuchten. Denn sie sind in ihrer Mehrheit mentale Gefangene eines Unsterns aus der "Ära Döpfner" (auch im MMG breit aufgearbeitet), dem sie bedingungslose Unterwerfung geschworen haben, übrigens ganz ohne ehrlichen Blick auf die Zeichen der Zeit, damals wie heute. Man will den Untergang, sehenden Auges. Man hat es damals schon stolz verkündet. 'Wir werden weiter marschieren, wenn alles in Scherben fällt. Und heute, da hört uns Würzburg und morgen die ganze Welt.' Der letzte Prophet des Großen Sieges der "Würzburger Synode" stammt heute von der Sieg, dort 1961 geboren, also ein Kommunionkind von '68. Zugegeben, nur ein kleiner Treppenwitz ... Seinen kleinen Sieg wird er zu Frankfurt zwar feiern, verliebt ins Desaster. Aber nützen wird es der Kirche hierzulande und heutzutage nichts, dort absurde Beschlüsse fassen zu lassen, ohne die "bewährten" falschen Pfade zu verlassen.

 

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