Vatikan und Ärzte weltweit fordern globale Impfgerechtigkeit

4. Juli 2021 in Weltkirche


Päpstliche Akademie für das Leben, Weltärztebund und deutsche Bundesärztekammer wollen auch gemeinsam gegen Impfskepsis vorgehen


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die Päpstliche Akademie für das Leben, der Weltärztebund und die deutsche Bundesärztekammer haben sich zu einem gemeinsamen Appell für eine gerechtere Impfstoffverteilung weltweit zusammengeschlossen. Impfungen müssten für jeden und überall verfügbar sein, unabhängig von den finanziellen Mitteln, betonte der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, am Freitag vor Journalisten im vatikanischen Pressezentrum. Aus diesem Grund brauche es eine Balance zwischen berechtigten Patentrechten der Forschenden oder Pharmaunternehmen und den Bedürfnissen der Gesellschaft als Ganzes. Patente dürften nicht als absolut angesehen werden.

Der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, beklagte, dass bislang nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung Zugang zur Covid-19-Impfung habe. "Es ist unsere moralische Verpflichtung, diese schreiende Ungerechtigkeit schnellstmöglich zu beenden", sagte Montgomery. Impfungen schützten nicht nur den Einzelnen, sondern letztlich die ganze Bevölkerung und vor allem die Schwachen und Kranken, die nicht geimpft werden könnten.

Der Leiter des Internationalen Abteilung der deutschen Bundesärztekammer, Ramin Parsa-Parsi, hob hervor, dass die Pandemie mehr als zuvor die Bedeutung von Zusammenarbeit und Austausch weltweit und zwischen verschiedenen Disziplinen offengelegt habe. Und während das Ziel eine stärkere nationale Impfstoffproduktion seien müsse, brauche es zunächst mehr Wissensaustausch, mehr Investitionen in Produktionsstätten und eine gute Qualitätskontrolle in der Herstellungen von Vakzinen weltweit. "Wir wissen sehr gut, dass nicht Impfstoffe, sondern die eigentlichen Impfungen leben retten", so Parsa-Parsi.

Die Päpstliche Akademie sowie die beiden Ärztegesellschaften wollen auch gemeinsam gegen Impfskepsis vorgehen. Diese sei teils durch negative Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem historisch bedingt, aber sei noch öfter die Folge von Fehlinformationen und Mythen, vor allem in Sozialen Netzwerken. Impfskepsis gebe es auch im Gesundheitssektor und in einigen religiösen Gemeinschaften, heißt es in der Stellungnahme. Weltärztebund-Präsident Montgomery warb für Vertrauen in Impfungen: "Es gibt vermutlich keine andere Entdeckung in der Medizin, die mehr Leben gerettet und Leid verhindert hat."

Erzbischof Paglia warnte zugleich davor, das westliche Gesundheitsverständnis anderen Gesellschaften überzustülpen. Vertrauen basiere auf fairen internationalen Beziehungen. Auch variierten die Prioritäten weltweit. So seien etwa in Afrika die Todeszahlen infolge einer Malaria- oder Tuberkulose-Infektion deutlich höher als die Zahl der Covid-19-Opfer. Und der Mangel an sanitären Anlagen und sauberem Trinkwasser sei für viele Menschen eine größere Bedrohung. Maßnahmen gegen die Pandemie sollten diese strukturellen Probleme berücksichtigen, forderte Paglia.

Am Freitagnachmittag fand eine gemeinsame Online-Konferenz von Akademie sowie den beiden Ärztegesellschaften zum Thema Impfungen statt.

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