Vatikan: Kein islamisches Gebet in der Kathedrale von Cordoba

30. April 2004 in Aktuelles


Der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog sieht es als "problematisch" an, wenn die Kathedrale auch von Muslimen zum Gebet genutzt wird.


Vatikan (www.kath.net) In die Debatte um die Nutzung der Kathedrale von Cordoba hat sich auch der Vatikan eingemischt. Kritik an einer möglichen teilweisen Nutzung der Kathedrale als Moschee übte der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Erzbischof Michael Fitzgerald. In einem Interview mit "AsiaNews" sagte er, es sei "problematisch", wenn Kirchen von verschiedenen Religionen genutzt werden.

"Es gibt Plätze, die speziell diesem Zweck gewidmet sind, beispielsweise in Flughäfen", sagte Fitzgerald: "Aber das sind weder Kirchen noch Moscheen. Es sind interkonfessionelle Räume, die von Juden, Christen, Muslimen und Menschen anderer Religionen genutzt werden können." In Cordoba sei jedoch eine ganz andere Situation, da das Gebäude einer Glaubensgemeinschaft gehöre.

Fitzgerald sagte in dem Interview mit "AsiaNews", der Generalsekretär des spanischen Islamrates habe bei einem Treffen im März gefordert, die Kathedrale gemeinsam zu nutzen. Kritik übte der Erzbischof an den spanischen Behörden. Sie meinten, eine gemeinsame Nutzung würde den "universalen Wert" des Gebäudes verdeutlichen und außerdem die katholische Kirche als "offen und dialogbereit" zeigen.

Fitzgerald: "Die spanischen Behörden versuchen, allen Gruppen der Gesellschaft zu gefallen. Aber vielleicht haben sie nicht die nötige theologische Sensibilität, die Position der Kirche zu verstehen. Auch wir wollen in Frieden mit den Menschen anderer Religionen leben. Aber wir möchten auch nicht bedrängt oder manipuliert werden und gegen die Vorschriften unseres Glaubens handeln."

Der Islam lehrt, dass jedes Gotteshaus, in welchem ein islamisches Gebet gesprochen wird, zur Moschee wird. Gefragt, ob ein Ort, an dem Muslime beten, also nicht automatisch ein "Dar al-Islam" werde, ein islamischer "Besitz" im Sinne eines islamischen Gotteshauses, antwortete der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog: "Nein, nicht immer. Muslime haben sogar im Vatikan gebetet, aber sie erheben keinen Besitz darauf. Eine Straße, auf der ein Muslim niederkniet, um zu beten, wird nicht Teil der islamischen Gemeinschaft."

Unter welchen Umständen sollte eine Kirche also nicht als Moschee genutzt werden? Fitzgerald: "Wenn es ein katholisches Gotteshaus ist mit dem Allerheiligsten Sakrament, sollte es nicht für das Gebet irgendeiner anderen Religion genutzt werden."

Der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog betonte, man müsse "die Geschichte akzeptieren und vorwärts gehen". Vor der islamischen Eroberung Andalusiens stand ein christliches Gotteshaus an jener Stelle, wo heute die Kathedrale ist. Es wurde unter islamischer Herrschaft in eine Moschee verwandelt. Nach der Reconquista wurde es erneut in eine Kathedrale umgebaut.

Es gebe Muslime, die zum Ziel hätten "Europa zu islamisieren", sagte Fitzgerald. "Für sie ist der Islam die Antwort für eine Wiederkehr der Religion. Sie sind nicht die Mehrheit, aber sie existieren." Auf der anderen Seite gebe es Muslime, die ein friedliches Miteinander mit Andersgläubigen suchen.

Foto: (c) www.korazym.org


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