
3. Juli 2021 in Weltkirche
"Nummer Zwei" der Russisch-orthodoxen Kirche unterstützt Verordnung der Moskauer Behörden, wonach 60 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor geimpft werden müssen - "Leider hat noch niemand einen Impfstoff gegen Dummheit entwickelt"
Moskau (kath.net/KAP) Metropolit Hilarion (Alfejew), Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, hat mit sehr drastischen Worten seine Landsleute dazu aufgerufen, sich gegen Covid impfen zu lassen. In seiner wöchentlichen TV Sendung "Kirche und Welt" sprach er von einer "Generalmobilmachung" gegen Corona. Hilarion äußerte sich, nachdem die Behörden vor einigen Tagen angekündigt hatten, dass in Moskau mindestens 60 Prozent der Angestellten in Dienstleistungsbetrieben geimpft werden müssen. Die klare Positionierung des Metropoliten - er ist in der Kirchenhierarchie nach Patriarch Kyrill die Nummer Zwei in der Russisch-orthodoxen Kirche - kam für manche Beobachter überraschend, hat sich die Kirche bislang doch immer für Freiwilligkeit im Blick auf die Impfung ausgesprochen.
Neben dem Prinzip der Freiwilligkeit müsse aber auch das Prinzip der Verantwortung gegenüber anderen beachtet werden, führte der Metropolit aus. Jeder sei auch für das Leben anderer verantwortlich. Eine Person, die sich nicht impfen lässt, füge nicht nur sich selbst, sondern auch anderen potenziell Schaden zu.
Hilarion sprach von einem "Krieg" und bediente sich eines sehr drastischen Vergleichs. Im Zweiten Weltkrieg, der in Russland als "Großer Vaterländischer Krieg" bezeichnet wird, habe es auch viele freiwillige Soldaten gegeben. "Aber wenn nur die Freiwilligen an die Front gegangen wären, hätten wir diesen Krieg nicht gewonnen, wir hätten ihn verloren. Um dieses Virus zu besiegen, müssen wir eine allgemeine Mobilmachung erklären", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den Metropoliten.
Metropolit Hilarion weiter wörtlich: "Leider hat noch niemand einen Impfstoff gegen Dummheit entwickelt, noch niemand hat ein Heilmittel gegen Egoismus geschaffen, und es gibt viele Menschen unter uns, die extrem verantwortungslos mit dem umgehen, was passiert".
In Russland sind nach Angaben des Moskauer Patriarchats bislang 167 orthodoxe Geistliche an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Seit Beginn der Pandemie seien insgesamt 4.950 Priester und Ordensbrüder erkrankt.
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