USA: Drei Jahre Haft für 84jährige Nonne wegen Einbruchs in Atomanlage

19. Februar 2014 in Weltkirche


Wegen Einbruchs in eine Kernwaffenanlage wurde Megan Rice zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Sie war mit zwei Komplizen in eine staatliche Urananreicherungsanlage eingedrungen und hatte pazifistische Parolen auf ein Uran-Lager gesprüht


Knoxville (kath.net/KNA) Die 84-jährige US-Ordensfrau Megan Rice muss wegen Einbruchs in eine Kernwaffenanlage knapp drei Jahre ins Gefängnis. Ein Distriktgericht in Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee verurteilte die Friedensaktivistin zu 35 Monaten, ihre beiden Komplizen Michael Walli (64) und Greg Boertje-Obed (58) zu je 62 Monaten, wie US-Medien am Dienstagabend (Ortszeit) meldeten. Rice, Mitglied der «Schwestern vom Heiligen Kinde Jesu», war im Juli 2012 mit ihren Mitstreitern in die staatliche Urananreicherungsanlage Y-12 in Oak Ridge eingedrungen und hatte pazifistische Parolen auf ein Uran-Lager gesprüht.

Ein Gericht hatte die Ordensfrau und die beiden Männern bereits vergangenen Mai der Sabotage für schuldig befunden. Jedem der drei drohten damit laut Gesetz bis zu 20 Jahre Freiheitsentzug. Richter Amul Thapar vom Distriktgericht Knoxville hielt der Ordensfrau zugute, sie habe «nicht das umfangreiche Vorstrafenregister wie die anderen».

Die Staatsanwaltschaft hatte für Rice und ihre Komplizen zwischen sechs und neun Jahre Haft gefordert. Wegen der Schwere der Tat verbrachten die Aktivisten die acht Monate zwischen dem Urteil und der Straffestsetzung bereits hinter Gittern.

Der Einbruch in die Uran-Anreicherungsanlage Y-12 ist laut nationalen Medien beispiellos in der US- Militärgeschichte. Die betagte Ordensfrau und die beiden Männer hatten sich mit Taschenlampen und Bolzenschneidern den Weg in die Anlage gebahnt, die als bestgesicherte Produktions- und Lagerstätte für Uran in den USA gilt. Dabei durchtrennten sie vier Zäune, legten eine Meile zu Fuß zurück und hielten sich mehrere Stunden auf dem Gelände auf, bis sie von einer Wache aufgegriffen wurden.

Der Vorfall führte zu mehreren Anhörungen der US-Energie- und Atombehörde, die für insgesamt acht Standorte von Nuklearwaffen verantwortlich ist. Die Sicherheitsfirma für Y-12 wurde Berichten zufolge gewechselt.

Die aus Manhattan stammende Rice trat mit 18 Jahren in den Orden der «Schwestern vom Heiligen Kinde Jesu» ein. Nach einem Biologiestudium unterrichtete sie von 1962 bis 2004 als Lehrerin in Nigeria und Ghana. Seit den 80er Jahren engagiert sie sich in der Friedensbewegung. Bei Protestaktionen wurde sie Dutzende Male festgenommen; zweimal erhielt sie eine sechsmonatige Haftstrafe.

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