Rekordbeteiligung beim 9. 'Marsch für das Leben' in Berlin

21. September 2013 in Deutschland


4.500 Christen demonstrierten für das Lebensrecht Ungeborener


Berlin (kath.net/idea) Eine Rekordbeteiligung erlebte der 9. „Marsch für das Leben“ am 21. September in Berlin. Nach Polizeiangaben nahmen daran 4.500 Demonstranten teil, 1.500 mehr als im Vorjahr. Dazu eingeladen hatte der Bundesverband Lebensrecht, in dem 14 Organisationen zusammengeschlossen sind. Der Marsch stand unter dem Motto „Für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“. Er begann mit einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt. Anschließend zogen die Teilnehmer schweigend am Deutschen Bundestag vorbei, am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas und am Bundesrat. Die Demonstranten trugen weiße Kreuze, um ihre Trauer über die im Mutterleib getöteten Kinder auszudrücken. Den Abschluss bildete ein ökumenischer Freiluftgottesdienst vor dem Berliner Dom. Ursprünglich hatte man geplant, den Gottesdienst im Berliner Dom stattfinden zu lassen. Das Domkirchenkollegium hatte dies jedoch abgelehnt mit der Begründung, man sehe es als problematisch an „die ausgesprochen sensiblen und komplexen Themen menschlicher Existenz – wie zum Beispiel einen Schwangerschaftsabbruch oder die Präimplantationsdiagnostik – zum Gegenstand einer Aktion mit dem Namen ‚Marsch für das Leben’ zu machen“.

Liberale Abtreibungsregelung: Nie wurden legal so viele Menschen getötet

Der Vorsitzende des Bibelbundes, Michael Kotsch (Bad Meinberg bei Detmold), rief in seiner Predigt dazu auf, entschieden und friedvoll für das Leben einzutreten. „Wahrscheinlich sind in Deutschland bisher nie so viele Menschen legal getötet worden wie seit der Liberalisierung der Abtreibung“, sagte er. Selbst vorsichtige Schätzungen gingen von deutlich mehr als 100.000 getöteten Kindern im Mutterleib jedes Jahr aus. Seit der Jahrtausendwende hätten auf diese Weise mehr als 1,3 Millionen Kinder ihr Leben verloren. Kotsch: „Nie starben in Friedenszeiten so viele Personen durch Menschenhand wie heute.“ Das habe viel Leid ausgelöst, mit dem man verschieden umgehen könne: „Man kann es leugnen oder verschweigen, man kann es wegargumentieren oder zum Normalfall erklären. Und doch bleibt die Tötung eines ungeborenen Kindes ein Unrecht. Selbst das gegenwärtig gültige deutsche Recht bezeichnet Abtreibungen klar und deutlich als Tötungen, die aber straffrei bleiben.“ Der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Martin Lohmann (Bonn), erklärte, eine Gesellschaft, die den Lebensschutz verdränge oder leugne oder auch nur vergessen wolle, höre auf, „eine menschliche und menschengerechte Gesellschaft zu sein“. Es gehe nicht allein um das Nein zur Tötung ungeborener Menschen, sondern auch um Fragen der Präimplantationsdiagnostik, der Stammzellforschung und nicht zuletzt der Euthanasie.

Gegendemonstranten: „Deutschland stirbt aus, da klatschen wir Applaus“

Gegen den „Marsch für das Leben“ hatte ein „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ zu Protesten aufgerufen. Ihm gehören unter anderem der Humanistische Verband Deutschlands sowie der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg an. Etwa 200 Demonstranten störten den Schweigemarsch der Lebensrechtler zum Teil massiv mit Trillerpfeifen und Sprechchören, etwa „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ und „Deutschland stirbt aus, da klatschen wir Applaus“. Auf Plakaten waren Sprüche zu lesen wie „Bitte Fundis nicht füttern“, „Wenn ich euch sehe, bin ich für postnatale Abtreibung“ oder „Dein Zellhaufen gehört uns“. Außerdem waren Gesänge zu hören wie „Eure Priester sind so schwul wie wir“, „Bambule, Randale, gegen Evangelikale“ oder „Kondome, Spirale, Linksradikale“. Einige trugen Kreuze mit übergestülpten Kondomen und der Aufschrift „Religion abtreiben“. Zum Teil musste die Polizei hart durchgreifen, als etwa mehrere junge Frauen ihre Oberkörper entblößten und skandierten „My body, my choice“ (Mein Körper, meine Wahl) oder „God is a rapist“ (Gott ist ein Vergewaltiger). Mehrfach versuchten die Gegendemonstranten, den Marsch auch durch Sitzblockaden zu behindern. Sie wurden von der Polizei aufgelöst.

„Berliner Erklärung“: Staat soll Abtreibungsgesetze prüfen

In einer „Berliner Erklärung“ forderte der Bundesverband Lebensrecht den Staat dazu auf, genetische Tests zum Zweck der tödlichen Selektion potenziell behinderter Menschen zu verbieten. Außerdem müsse das „schwere Unrecht“ der Tötung ungeborener Kinder beim Namen genannt und der Propagierung eines angeblichen „Menschenrechts auf Abtreibung“ entgegengetreten werden. Es sei notwendig, die geltenden Abtreibungsgesetze und ihre Praxis zu überprüfen und zu korrigieren. Mit dem „flüchtigen Blick“ auf die offizielle Abtreibungsstatistik werde der Bundesgesetzgeber seiner Beobachtungs- und Korrekturpflicht nicht gerecht. Der Bundesverband Lebensrecht tritt ferner für ein Ende der staatlichen Finanzierung von Abtreibungen ein. In Deutschland werden die Kosten für über 90 Prozent aller „beratenen“ Abtreibungen in Höhe von jährlich mehr als 40 Millionen Euro aus den Haushalten der Länder bestritten. Statt Hilfe zum Töten müssten Schwangere und Familien nachhaltige Hilfe zum Leben mit ihren Kindern erfahren, so der Verband. Das Leiden von Frauen, Männern und Familien unter den Folgen einer Abtreibung müsse enttabuisiert und vorurteilsfrei erforscht werden. Der Verband ruft ferner dazu auf, dem Aufkommen von Sterbehilfe und Euthanasie Einhalt zu gebieten. Jede organisierte Beihilfe zum Suizid – nicht nur die gewerbsmäßige – solle unter Strafe gestellt werden.

Bischof Dröge stellt sich hinter den „Marsch für das Leben“

Zum „Marsch für das Leben“ erreichten den Veranstalter eine Vielzahl an Grußworten aus Politik und Kirche. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, erinnerte in seinem Schreiben an die Euthanasie-Opfer im Nationalsozialismus. Sie seien Mahnung, „dass wir uns nicht das Recht anmaßen dürfen, Leben als unwert zu bezeichnen und daraus die Rechtfertigung ziehen, es zu beenden“. Christen verkündigten die Botschaft des Lebens und bezeugten damit, dass die Würde eines jeden Menschen von Gott gegeben sei. „Das „Ja zur Unverfügbarkeit des Lebens“ brauche öffentliches Engagement, wie es im „Marsch für das Leben“ zum Ausdruck komme. Verliere der Mensch die rechtlichen und ethischen Grenzen einer humanen Gesellschaft aus dem Blick, so laufe der „Zauberlehrling“ Mensch Gefahr, die Kontrolle über sein Tun zunehmend zu verlieren, betonte der katholische Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Kardinal Woelki.

Papst: Im Gebet mit den Teilnehmern des Marsches verbunden

Papst Franziskus dankte den Teilnehmern des Marsches in einem Brief für „den tatkräftigen Einsatz für den Schutz des Lebens in Deutschland“. Weiter heißt es: „Gerne verbindet sich Seine Heiligkeit mit den Teilnehmern am Marsch für das Leben im Gebet und bittet Gott, alle Bemühungen zur Förderung des uneingeschränkten Schutzes des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen mit seinem Segen zu begleiten.“ Bei einer Audienz für Frauenärzte der Internationalen Föderation katholischer Mediziner im Vatikan am 20. September hatte der Papst ebenfalls zum verstärkten Schutz des Lebens aufgerufen: „Jedes ungeborene, doch ungerechterweise zur Abtreibung verurteilte Kind hat das Antlitz des Herrn!“ Man könne dieses Leben nicht einfach entsorgen. Gleiches gelte für Behinderte, Kranke und alte Menschen. Ärzte sollten für eine „Kultur des Lebens“ einstehen, betonte Franziskus.

Kardinal Meisner: Christen müssen ihre Stimme erheben

Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, betonte, dass Christen ihre Stimme erheben müssten, „um den unbedingten Wert des Lebens, gerade des schutzbedürftigen Lebens am Anfang und Ende menschlicher Existenz, zu verteidigen und als unverfügbar einzufordern“. Nach Worten des Bischofs von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, geht es um einen geistlichen Kampf gegen „eine Verwässerung unseres Grundgesetzes“. Der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Hans-Jörg Voigt (Hannover), wünschte, dass die Botschaft des Marsches im ganzen Land gehört werde. Er sprach auch den Segen im Abschlussgottesdienst. Der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Präses Ansgar Hörsting (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, ermutigte die Teilnehmer, sich nicht durch Störungen vom Engagement für das ungeborene Leben abhalten zu lassen.

Kauder: Beim Lebensschutz bleiben zu viele stumm

Der Vizepräsident der interfraktionellen Arbeitsgruppe Bioethik im Europäischen Parlament, Martin Kastler, bezeichnete die jährliche Tötung von über 100.000 ungeborenen Kindern in Deutschland als einen „Skandal, mit dem wir uns niemals abfinden dürfen“. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, erklärte, viele Menschen seien zwar bereit, gegen weltweite Menschenrechtsverletzungen auf die Straße zu gehen, entsprechende Petitionen zu unterzeichnen und Betroffenen in ihrer Heimat oder im Exil beizustehen. „Beim Lebensschutz mitten unter uns, wo es um das elementarste Recht des Menschen geht, das Recht auf Leben, fehlen viel zu häufig die Stimmen, die sich gegen das Unrecht aufbäumen.“ Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, Steffen Flath, bezeichnete die Ungeborenen als „die Schwächsten im Land“. Es komme ihm so vor, „dass sich die Gesellschaft viel zu sehr an Abtreibungen gewöhnt hat“.

Video über die Kundgebung


Video vom eigentlichen Marsch


Foto vom Marsch für das Leben 2012


Foto (c) www.marsch-fuer-das-leben.de


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