Ministranten: Lausbuben mit Tiefgang?

17. Juni 2013 in Familie


In vielen Pfarreien werden derzeit die neuen Ministranten in ihren Dienst eingeführt. Zwischen Pannen, Kicheranfällen und kleinen Lausbubereien werden ihnen in guten Momenten die Geheimnisse des Glaubens aufstrahlen. Von Petra Lorleberg


Stuttgart (kath.net/pl) In diesen Wochen werden in vielen Pfarreien neue Ministranten in ihren Dienst eingeführt. Sie haben sich seit der Erstkommunion auf ihren Dienst vorbereitet. Der Einführungsgottesdienst ist auch für die älteren Ministranten eine gern genutzte Gelegenheit, eine Art „Hochfest“ ihres Dienstes zu begehen, das Aufgebot an eifrigen Buben und Mädchen jeder Altersklasse ist außergewöhnlich, die freudige Erwartung steigt im Vorfeld. Es sei den Ministranten herzlich gegönnt!

Und wer würde keine Freude empfinden, wenn er die jungen Menschen sieht, wer würde nicht die Aufregung mitfühlen, wenn die „Neuen“ erstmals in der großen Prozession mitgehen dürfen – noch im Alltagsgewand –, wer würde nicht applaudieren, wenn sich die Kinder nach ihrer „Einkleidung“ mit frohen Gesichtern der Gemeinde präsentieren?

Diese Kinder übernehmen mit dem Ministrantenamt (vielleicht erstmals) auch eine richtige Verantwortung, sie nehmen einen verantwortlichen Platz in Vorgängen ein, die stark erwachsenengeprägt sind, die wir sogar "heilig" nennen. Und sie wissen darum, wie man an ihren gelegentlich ernst konzentrierten Gesichtern ablesen kann.

Ist es nicht erst wenige Jahre her, dass diese Kinder zur Taufe getragen wurden? Haben sie nicht erst vor kurzem erstmals ihre hellen Kinderstimmen mit der Gemeinde vereinigt, um das Vaterunser mitzubeten? Und haben die heutigen Oberministranten, die ihre Ministrantenschar nun in großen und außergewöhnlichen Liturgien souverän leiten, tatsächlich selbst erst vor wenigen Jahren so klein angefangen?

Diese Kinder werden sich in wenigen Jahren etwas erwerben, was ihnen für ein ganzes Leben lang ein unzerstörbarer Schatz werden kann. Sie werden ein Zuhause finden in der Kirche, das sogar in Zeiten der Glaubenskrise tragen mag. Vielleicht mag jemand schon längst aus der Kirche ausgetreten sein, vielleicht findet er in seinen Fragen nach Gott keine Antworten, doch wo immer er zwischen Alaska, Afrika und Australien eine katholische Kirche betreten wird, kann er ein Stück Heimat betreten, kann er zurückkehren zu den Wurzeln, zum „Haus der Kindheit“ in einem übertragenen Sinn.

Darüber hinaus werden diese Kinder durch den praktischen Mitvollzug hineinwachsen in die heilige Liturgie. Zwischen Pannen, zwischen Kicheranfällen und zwischen kleinen Lausbubereien werden ihnen in guten Momenten die Geheimnisse des Glaubens aufstrahlen. Wohl dem, der sich für sie öffnet…

Spricht man mit den Oberministranten über Einzelfragen der Liturgie, dann kann man oft schon auf junge Fachleute treffen, die interessante und interessierte Diskussionspartner sind, die ihr Wissen nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis beziehen, einfach, indem sie die vollzogene Liturgie auf sich haben wirken lassen.

Und der Ministrantendienst kann sogar zum generationenübergreifenden Gesprächsstoff werden, wenn die Oma dem Enkel erzählt, wie sie ihrem Bruder das lateinische Stufengebet gelehrt hat und augenzwinkernd hinzufügt: Ich hab´ es aber besser gekonnt als er. Oder wenn der Opa in der Erinnerung nach den prächtigsten Lausbubenstreichen kramt und man trotz des Altersunterschiedes vielleicht feststellt, dass diese Erlebnisse nicht immer nur ungleich sind.

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