
14. Juni 2013 in Weltkirche
Erzbischof von Aleppo: Menschen in Syrien leiden entsetzlich - "Weder Waren noch Treibstoff oder Strom, und oft fehlen auch Lebensmittel"
Wien-Damaskus (kath.net/KAP) In die Bemühungen um die Freilassung der vor zwei Monten im syrisch-türkischen Grenzgebiet verschleppten Erzbischöfe Mar Gregorios Yohanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi (griechisch-orthodox) sind die UNO, der Libanon, die Türkei, Russland und die USA eingeschaltet. Das berichtet die Stiftung Pro Oriente am Donnerstag unter Berufung auf die vatikanische Nachrichtenagentur "Fides".
Im "Fides"-Interview hatte der melkitische (griechisch-katholische) Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart dieser Tage den düsteren Alltag in Syrien beschrieben. Die Menschen müssten entsetzliches Leiden durchmachen. Es gebe weder Waren noch Treibstoff oder Strom, und oft fehlten auch Lebensmittel.
Jeanbart befürchtet, dass noch mehr Christen das Land "auf der Suche nach einem würdigeren Leben" verlassen werden: "Wenn die Zukunft für uns Christen und für alle Syrer nicht auf den gleichen staatsbürgerlichen Rechten, auf Freiheit und Würde und auf gegenseitiger Achtung gründet, was wird dann geschehen?"
Der Erzbischof erinnerte daran, dass Papst Franziskus jüngst die "Plage der Entführung von Personen" beklagte. Er habe für "das Land, dessen Zivilbevölkerung abgeschlachtet wird", Dialog und Aussöhnunggefordert.
Eine weltkirchlich führende Persönlichkeit in Menschenrechtsfragen, der mexikanische Bischof Raul Vera Lopez, sei unterdessen mit einer Delegation nach Syrien gereist, um dort Informationen über Menschenrechtsverstöße zu sammeln, so Pro Oriente weiter. Nach Ansicht von Beobachtern führt die extreme Not zu wachsender Radikalisierung mit barbarischen Auswüchsen.
Der 66-jährige Bischof von Saltillo im mexikanischen Bundesstaat Coahuila zählt zu den populärsten - und zugleich umstrittensten - Kirchenmännern des Landes. Bekannt wurde er vor allem durch sein Engagement für illegale Einwanderer, die versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Wiederholt klagte er die mächtigen Drogenkartelle offen an. Für seinen Einsatz erhielt er zahlreiche Menschenrechtspreise.
Die römische Nachrichtenagentur "Asia News" berichtete am Donnerstag über die Verwüstung des orthodoxen Elias-Klosters in Qusair durch Al-Nusra-Islamisten, nachdem die Mönche die von den Rebellen besetzte Stadt verlassen hatten. Die BBC-Journalistin Lyse Doucet, die nach dem Abzug der Rebellen als erste ausländische Zeugin die Stadt besuchte, schilderte, das kleine Kloster sei augenscheinlich unter Beschuss genommen worden. Ikonen, Bibeln und Messbücher lagen verstreut umher. Bei vielen Ikonen seien die Augen ausgestochen gewesen.
Laut "Fides" kam es im Zug der Kämpfe um Qusair auch zu Übergriffen
auf christliche Dörfer. Ende Mai seien Al-Nusra-Islamisten in das Dorf Douar eingefallen, wo 100 griechisch-orthodoxe Familien leben. Sie hätten die Kirche besetzt und von dort auf die fliehenden Zivilisten gefeuert. Ein 18-jähriges Mädchen und ein elfjähriger Bub wurden erschossen. Danach wurden der christliche Bürgermeister Joseph Jamil Adra und ein weiterer Mann als Geiseln verschleppt. Die Häuser der Christen wurden verwüstet und angezündet. Die traumatisierten Flüchtlinge seien in einer armenischen Pfarre nahe Homs untergekommen. Ein Überfall und Brandschatzung im Dorf Ouzm Sharshoh habe mehr als 250 christlichen Familien in die Flucht getrieben.
Eine grauenvolle "Hinrichtung" eines Buben ereignete sich vor einigen Tagen in Aleppo, die Christen wie Muslime in Schrecken versetzt. Der 15-jährige Mohammed Qataa soll vor den Augen seiner Eltern mit zwei Kopfschüssen getötet worden sein, weil er sich "blasphemisch" geäußert haben soll. Ein Milizionär habe vor versammelter Menge eine Warnung vor "Lästerungen" ausgesprochen; die Mutter habe die Mörder vergeblich angefleht, ihr Kind zu verschonen.
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