SPD-Kompetenzteam: Protestanten dominieren Schattenkabinett

13. Juni 2013 in Deutschland


Mehr als die Hälfte der Teammitglieder sind evangelisch - Kein Katholik vertreten


Berlin (kath.net/idea) Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (Foto) hat ein zwölfköpfiges Kompetenzteam berufen: Es ist nach Geschlechtern mit sechs Frauen und sechs Männern ausgewogen besetzt.

Konfessionell dominieren Protestanten: Sieben der 13 Mitglieder des Schattenkabinetts (inklusive Steinbrück) sind evangelisch.

Daneben gehören dem Team fünf Konfessionslose an. Katholiken sind nicht vertreten, dafür eine Muslimin.

Steinbrück ist Mitglied der evangelischen Kirche. Er war als 18-Jähriger aus der Kirche ausgetreten, weil sie nach seiner Ansicht zu oft auf der Seite der Mächtigen stand und außerdem die Aufklärung behinderte. Rund 40 Jahre später wurde er wieder Kirchenmitglied. Seine Begründung: „Ich habe festgestellt, dass die Kirche über die Glaubensstiftung hinaus eine enorm wichtige, nicht nur karitative, sondern auch stabilisierende Funktion in dieser Gesellschaft ausübt, und ich würde gerne eine solche Institution stützen wollen.“

Eine Pfarrerin für Entwicklungshilfe

Mit Cornelia Füllkrug-Weitzel gehört auch eine Pfarrerin zum Schattenkabinett. Die Direktorin der Hilfsaktion „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe ist zuständig für Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe. Über ihr langjähriges Engagement gegen die weltweite Armut sagte sie beim Deutschen Evangelischen Kirchentag im Mai in Hamburg: „Die Kraft hat mir der liebe Gott schon in die Wiege gelegt.“

Schwesig: Mit der Bergpredigt für Gerechtigkeit

Evangelisch ist auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig, die sich im Kompetenzteam um die Themen Frauen, Familie, Aufbau Ost, Demografie und Inklusion kümmert. Sie war in der DDR ohne Verbindung zur Kirche aufgewachsen und ließ sich 2010 mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn taufen. Christliche Basis für ihre politische Arbeit ist nach eigenen Angaben eine Aussage Jesu aus der Bergpredigt: „Selig sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie sollen satt werden (Matthäus 5,6).“

Weitere Protestanten im Kompetenzteam sind der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann (Innen- und Rechtspolitik), die Designforscherin Gesche Joost (Internet), der Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH, Oliver Scheytt (Kultur), und die frühere saarländische Wirtschaftsministerin Christiane Krajewski (Wirtschaft). Sie ist Vorsitzende der „Kirchenstiftung Zukunft Evangelisch St. Johann“ (Saarbrücken). Expertin für Bildung ist Muslimin

Für den Bereich Bildung und Wissenschaft hat Steinbrück eine Muslimin berufen: die Deutsch-Türkin Yasemin Karakasoglu. Die Professorin für Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen antwortete 2010 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf die Frage, ob sie manchmal Kopftuch trägt: „Ja, wenn ich in die Moschee gehe oder zu einem Begräbnis – also wenn ich an gemeinschaftlichen rituellen Handlungen teilnehme. Ansonsten bin ich keine praktizierende Muslimin.“ Karakasoglu war bis 2006 stellvertretende Vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland und ist Mitglied des Kuratoriums.

Pronold bezeichnete Jesus als „Latten-Gustl“ Konfessionslos in Steinbrücks Team sind der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (Gesundheit) – er trat nach Angaben seines Bundestagsbüros vor einigen Jahren aus der katholischen Kirche aus –, die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (Verbraucherpolitik), der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig (Energie- und Umweltpolitik), der bayerische SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold (Infrastruktur und bezahlbares Wohnen) und der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bau, Klaus Wiesehügel (Arbeit und Soziales). Er identifiziert sich nach eigenen Angaben aber sowohl mit der katholischen Soziallehre als auch der evangelischen Sozialethik. Pronold ist Mitglied des Bundes für Geistesfreiheit. Diese Organisation lehnt „den Glauben an persönliche und personifizierte Gottheiten als irrational und unterwürfig ab“. Der 40-jährige Pronold hatte als Jungsozialist im bayerischen Kruzifix-Streit Jesus Christus als „überflüssigen Latten-Gustl“ bezeichnet.

Foto Peer Steinbrück: (c) www.peer-steinbrueck.de


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