Ägypten: Koptische Lehrerin zu extrem hoher Geldstrafe verurteilt

13. Juni 2013 in Weltkirche


20 Monatsgehälter Strafe wegen angeblicher Lästerung des Islam


Luxor (kath.net/idea) Zu einer ungewöhnlich hohen Geldstrafe wegen angeblicher Lästerung des Islam ist eine christliche Grundschullehrerin in Ägypten verurteilt worden. Ein Gericht in Luxor (Oberägypten) bürdete ihr 100.000 ägyptische Pfund (rund 10.000 Euro) auf. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) protestiert gegen das Urteil. Sowohl während des Verfahrens als auch im Strafmaß habe das Gericht das ägyptische Recht grob missachtet. Dies sei ein Beispiel dafür, in welchem Ausmaß sich die regierenden Muslimbrüder die Justiz unterworfen hätten und sich über Gesetze hinweg setzen. Das ägyptische Strafrecht sehe für ein derartiges Vergehen eine Geldstrafe zwischen 100 und 500 ägyptischen Pfund oder Gefängnis vor. Ein mittleres Monatseinkommen liege bei 500 bis 1.000 Pfund. 100.000 Pfund seien eine außerordentlich hohe Summe, so IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (Frankfurt am Main).

Blasphemiegesetze abschaffen

Die 24-jährige koptisch-orthodoxe Lehrerin Demiana Ebeid Abdelnour war von drei Grundschülern beschuldigt worden, im Unterricht den Propheten Mohammed beleidigt zu haben.

Die Eltern der Schüler warfen ihr vor, den ehemaligen koptisch-orthodoxen Papst Schenuda III. (1923-2012) mit Mohammed verglichen zu haben.

Die Pädagogin wurde daraufhin suspendiert und musste sich zunächst vor drei Untersuchungsausschüssen verantworten, die sie freisprachen. Trotzdem ging der Prozess weiter. Die Lehrerin befindet sich noch gegen Kaution auf freiem Fuß. Nach Angaben eines ihrer Anwälte will sie in Berufung gehen.

Die IGFM macht darauf aufmerksam, dass in Ägypten die Zahl der Anklagen und Prozesse wegen angeblicher Gotteslästerung sprunghaft gestiegen ist.

Die Menschenrechtsorganisation plädiert für Abschaffung von Blasphemiegesetzen. Opfer seien vor allem religiöse Minderheiten, besonders Christen. In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 200.000 Katholiken, 40.000 Griechisch-Orthodoxe und 30.000 Protestanten. Die übrigen der rund 83 Millionen Einwohner sind Muslime.


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