Auch das noch...

31. Mai 2013 in Kommentar


Weder lustig noch originell. Eine Fernsehzeitung versucht mit einer abgekupferten Satire über Benedikt XVI. und Franziskus witzig zu sein. Ein Kommentar von Johannes Graf


Köln (kath.net/jg)
Benedikt XVI. hat es mit Deutschland und den deutschen Medien nie leicht gehabt. Das war schon während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation so, in der er oft als „Panzerkardinal“ gebrandmarkt wurde. Sogar nach seinem Amtsverzicht und Rückzug aus der Öffentlichkeit bleibt der emeritierte Papst Zielscheibe für Herablassung und Spott deutschsprachiger Medien. Neuestes Beispiel ist ein lustig gemeinter Beitrag der Fernsehzeitung „prisma“, die 59 deutschen Tageszeitungen beigelegt wird. „prisma“ hat eine Auflage von mehr als 4 Millionen Stück.

„Unter Päpsten“ lautet der Titel der Rubrik „Auch das noch“ in Ausgabe 21. Der Verfasser fantasiert von einem „gespenstischen Auftritt“ Benedikts XVI. Der emeritierte Papst nimmt ungebeten an einer Besprechung seines Nachfolgers Franziskus teil. Thema ist – wie kreativ – die nächste Weihnachtsmesse. „Benedikt verdrehte ständig die Augen und gab respektlose Laute von sich“, schildert der Verfasser den Verlauf der Sitzung. Schließlich habe Franziskus Benedikt gebeten, damit aufzuhören. Er habe doch nur helfen wollen, rechtfertigt sich Benedikt.

Das geschilderte Verhalten steht zum Charakter Benedikts XVI. völlig konträr. Die geschilderte Szene ist einfach nur geschmacklos und absurd. Man fragt sich, wo hier die Pointe sein soll. Benedikt als der ewige Nörgler und Besserwisser? Der den Deutschen ihren zeitgeistig-fortschrittlichen Reformkatholizismus vermiest? Der seinen – der veröffentlichten Meinung nach – reformfreudigen Nachfolger gängeln will?

Der mit dem Kürzel „tl“ angegebene Verfasser hat diesen Beitrag nicht einmal selbst erstellt, sondern ihn von einem amerikanischen Humoristen übernommen. Andy Borowitz veröffentlicht erfundene, satirische Nachrichten auf einem Blog der Internetpräsenz des amerikanischen Magazins „The New Yorker“. Die Kolumne „Auch das noch...“ ist praktisch eine leicht gekürzte Übersetzung von Borowitz’ Blogeintrag vom 2. Mai. „tl“ gibt diesen allerdings nicht als Quelle an.

Die missglückte Parodie hat bereits zu einer Reihe empörter Leserbriefe an die Chefredaktion von „prisma“ geführt.


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