Syrien-Waffenlieferungen: Kirche warnt vor 'leichten' Waffen

28. Mai 2013 in Weltkirche


Wiener Melkiten-Pfarrer Ghoneim: Westen will mit Waffen Extremisten unterstützen, die gegen Christen vorgehen


Wien-Beirut (kath.net/KAP) Der Pfarrer der Wiener katholisch-melkitischen Gemeinde, der Syrer Hanna Ghoneim, hat davor gewarnt, dass islamistische "Oppositionelle" gerade mit den sogenannten "leichten Waffen", die England, Frankreich und Deutschland möglicherweise bald an die Rebellen in Syrien liefern werden, die Christen im Land töten. Alles deute darauf hin, dass islamische Extremisten aus der ganzen Welt in Syrien die Macht für sich alleine beanspruchen und das Volk der Scharia unterwerfen wollten, so Ghoneim am Freitag bei einer Veranstaltung in der "Langen Nacht der Kirchen" bei den Wiener Franziskanern. Die westliche Welt sehe nicht nur zu, "sondern unterstützt die Extremisten auch noch mit Waffen", kritisierte der Priester.

Wie der melkitische Priester darstellte, seien ausländische Rebellen daran, im Namen des Islam die Zivilbevölkerung zu vertreiben. Christen seien in Syrien bislang nicht - anders als anderswo in der arabischen Welt - wegen ihres Glaubens verfolgt worden: weder vom Staat noch von ihren islamischen Mitbürgern. Sie befürworteten zwar nicht die Regierungsform unter Bashar Assad, sondern wollten Reformen, doch sie sähen keinen Sinn in einem Abtreten des Staatschefs vor einer Beendigung des Krieges.

EU ringt um gemeinsame Linie

Um eine gemeinsame Position gegenüber der syrischen Opposition ringen am Montag die EU-Außenminister in Brüssel. Im Zentrum der Gespräche stehen mögliche Waffenlieferungen an die Rebellen. Entsprechende Forderungen kommen vor allem von Großbritannien und Frankreich, während Österreich, Tschechien, Finnland, Niederlande und Schweden dies vehement ablehnen. Schafft es die EU nicht, sich auf eine gemeinsame Position zu einigen, laufen Ende Mai sämtliche Sanktionen gegen Syrien aus - auch jene gegen das Regime Assad.

Sollte es zu Waffenlieferungen nach Syrien kommen, wäre die österreichische Beteiligung an der UNO-Friedensmission UNDOF am Golan nur noch schwer aufrechtzuerhalten, erklärten im Vorfeld der Gespräche sowohl Bundeskanzler Werner Faymann als auch Außenminister Michael Spindelegger. Entzieht Österreich der UNDOF die Unterstützung, würde dies wohl das Ende der Mission bedeuten.

Krieg greift auf Libanon über

Unterdessen greift der Bürgerkrieg auf den Libanon über. Am Samstagabend hatte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah seine bedingungslose Unterstützung für das syrische Regime erklärt, wenig später schlugen bereits Raketen in einem Hisbollah-Vorort Beiruts ein. Die erste Rakete traf nach übereinstimmenden Angaben von Anrainern und Sicherheitsbeamten ein Autogeschäft, die zweite wenig später ein Wohnhaus. Fünf Personen wurden dabei verletzt. Wer die Raketen abgeschossen hatte war vorerst unklar.

Es handelte sich um den ersten Angriff auf ein Hochburg der Hisbollah-Miliz seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges. Dieser hatte auch innerhalb des multikonfessionellen Libanons die Spannungen zwischen den einzelnen Religionen verstärkt. Die Hisbollah hatte lange Zeit geleugnet, aktiv an Kämpfen in Syrien beteiligt zu sein. Nun scheint sie sich offensiv zur Unterstützung Assads zu bekennen.

Die oppositionelle syrische Nationale Koalition rief am Sonntag die Hisbollah-Kämpfer zum Desertieren auf. Die Hisbollah wiederhole den "schweren Fehler Assads", indem sie ihre Kämpfer zum Töten "unschuldiger Syrer" zwinge, erklärte das Oppositionsbündnis.

Abdullah fordert rasche politische Lösung

Jordaniens König Abdullah II. forderte bei einem Treffen des Weltwirtschaftsforums am Toten Meer ein sofortiges Ende der Gewalt und eine politische Lösung. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, zeigte sich pessimistisch. Er habe keine großen Hoffnungen, dass bei der geplanten internationalen Friedenskonferenz Anfang Juni in Genf der Durchbruch erzielt werde, sagte er bei der Veranstaltung.

Der Syrienkonflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 UN-Schätzungen zufolge mehr als 80.000 Menschen das Leben gekostet.

Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


© 2013 www.kath.net