
19. Mai 2013 in Aktuelles
Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, Paul Tighe: Papst spricht vor Menge genau wie vor Einzelpersonen.
Vatikanstadt (www.kath.net/ KAP)
Der Sprachstil von Papst Franziskus eignet sich laut seinem Medienbeauftragten bestens dazu, um auf Social Media verbreitet zu werden. "Er beschränkt sich auf das Wesentliche, ist unmittelbar und verwendet viele Metaphern, die bei den Menschen ankommen. Für Twitter ist das ideal", hat Paul Tighe, Sekretär des Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, im Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur SIR dargelegt.
Die Predigten und Ansprachen von Franziskus setzten sich meist aus kurzen Phrasen zusammen, die wiederum in drei Punkte untergliedert seien, beobachtete Tighe. "Es mutet fast als eigene Lehrmethode an, so als ob er sagen würde: Ich hinterlasse euch drei Wörter, drei Ratschläge, drei Gedankenimpulse", so der vatikanische Medienexperte. Sehr hilfreich für die Verwendung auf Twitter sei auch, dass der Papst selbst vor vollem Petersplatz stets so spreche, "als ob er sich an jede einzelne Person wendet. Damit dringt er ins Herz aller vor."
"Strategischer Glücksfall"
6,4 Millionen Follower verzeichnen die neun @pontifex-Konten auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mittlerweile, angeführt von der englischen und spanischen Version mit jeweils rund 2,5 Millionen, dahinter die italienische (740.000), portugiesische (325.000), französische (140.000) und deutsche (105.000). Neben Polnisch und Arabisch behauptet sich zudem die lateinische Sprachausgabe mit bereits fast 100.000 Empfängern. Für Tighe eine Überraschung: "Latein eignet sich hervorragend für die Worte des Papstes und hilft, präzise und nüchtern nachzudenken", so seine Erklärung.
Die Entwicklung der päpstlichen Twitter-Präsenz, die noch zu Benedikts XVI. Zeiten Anfang Dezember eröffnet wurde, verzeichnet ein ständiges Wachstum, das seit dem Konklave an Geschwindigkeit zugelegt hat. Der Social-Media-Manager aus dem Vatikan führte dies einerseits auf das Medieninteresse zurück, außerdem habe es - "wenig überraschend" - besonders aus dem spanischsprachigen Raum Zuwächse gegeben. "Es war strategisch ein Glücksfall, gewissermaßen eine Vorsehung, dass wir den Twitter-Account gestartet haben", so Tighe.
Mut zur Ablehnung
Beigetragen habe jedoch auch der Papst selbst, indem er persönlich entschieden habe, häufiger zu "twittern", zuletzt im Tagesrhythmus. "Man kann nicht Teilzeit-Christ sein! Versuchen wir unseren Glauben jeden Tag, immer und überall zu leben", so Franziskus etwa am Donnerstag, und tags zuvor: "Gott ist es, der das Leben schenkt. Achten und lieben wir das menschliche Leben, besonders das ungeschützte im Mutterleib!" Am Dienstag hatte der Papst an die Leser offene Fragen gestellt: "Halte ich Christus im Alltag die Treue? Bin ich bereit, meinen Glauben sichtbar zu machen - liebenswürdig, aber auch mit Mut?", hieß es da.
"Mutig" nannte Tighe den Entschluss von Franziskus und zuvor schon von Benedikt XVI. allemal, sind doch die Reaktionen im Internet - jeder Nutzer kann durch die "Antworten"-Funktion für alle ersichtlich zurückschreiben - durchaus unterschiedlich. "Von manchen wird das Papstwort enthusiastisch aufgenommen, von anderen aber auch abgelehnt. Von Mal zu Mal sind die Reaktionen jedoch positiver", beobachtete der Ratssekretär.
Brücken in die Randzonen
Bewusst wolle der Papst zudem auch Fragen bei Menschen verschiedener Länder, Sprachen und Kulturen aufwerfen und dadurch Diskussionen anregen, die allerdings von den Ortskirchen zu führen seien. "Kommunikation soll vereinen und Brücken für alle bauen, ganz besonders für jene, die in Randzonen leben. Zugleich will er aber auch wie bei einem SMS einfach mitteilen: Ich denke an dich", so Tighe.
Grundsätzlich sei die 140-Buchstaben-Vorgabe bei Twitter keine Beschränkung. Tighe: "Viele Evangelienverse wie etwa die Seligpreisungen sind kürzer." Vielmehr finde das Format neuartige Möglichkeiten, um durch kurze Gedanken zum Nachdenken oder zum Lesen eines längeren Textes anzuregen. "Twitter hilft, die Verkündigung des Evangeliums im Internet sichtbar zu machen. Es wirft Fragen auf, schürt Interesse für den Glauben und kann die erste Begegnung, ein Anfang und Türöffner sein", so der vatikanische Medienprofi.
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