
10. Mai 2013 in Chronik
EKD-Medienbeauftragter vermisst Alltagsreligion in vielen Fernsehformaten: Warum kommt nie ein Kommissar zu spät, weil er seine Frau vom Kirchenchor abholen muss? Oder warum wird beim Fleischer nicht mal ein Braten für die Konfirmation gekauft?
Leipzig (kath.net/idea) Sind religiöse Themen in den Medien Pflicht oder Kür? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion während des Medientreffpunkts Mitteldeutschland am 7. Mai in Leipzig.
Nach Ansicht des Medienbeauftragten der EKD und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Oberkirchenrat Markus Bräuer (Frankfurt am Main), sind die Kirchen insgesamt gut in den Medien vertreten. So liege der Marktanteil der Fernsehgottesdienste am Sonntag bei rund acht Prozent. Da schauen also rund eine Million Menschen zu, so viele, wie sonntags auch die evangelischen Gottesdienste besuchen, erklärte Bräuer.
Allerdings vermisse er in anderen Fernsehformaten die Alltagsreligion, etwa den Notfallseelsorger im Tatort. Bräuer: Wenn nach wie vor rund 50 Millionen Deutsche zu beiden großen Kirchen gehören, warum kommt dann nie ein Kommissar zu spät, weil er seine Frau noch vom Kirchenchor abholen muss? Oder warum wird beim Fleischer nicht mal ein Braten für die Konfirmation gekauft? Auch beobachte er unter Medienvertretern ein zum Teil nur in Ansätzen vorhandenes Wissen über Religion, etwa wenn in Sendungen vom Vatertag statt von Christi Himmelfahrt gesprochen werde oder vom Ostersamstag statt vom Karsamstag.
Liebig: Glaubensinhalte so aufarbeiten, dass sie medial vermittelbar sind
Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Anhalts, Joachim Liebig (Dessau-Roßlau), hingegen warnte vor einem Journalisten-Bashing (Beschimpfung). Christen und Kirche insgesamt müssten zentrale Glaubensinhalte auch so aufarbeiten, dass sie medial vermittelbar seien. Dazu sei es wichtig, Überzeugungen auf ein allgemeinverständliches Niveau herunterzubrechen und möglichst an konkreten Personen festzumachen.
Auch beobachte er, dass es im kirchlichen Bereich kaum Leute gebe, die bei Plasberg fundiert etwa über Präimplantationsdiagnostik reden können, so Liebig. Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber (Berlin) sei diesbezüglich eine Allzweckwaffe. Aber der solide Umgang mit den Medien werde für Pfarrer insgesamt wichtiger. Deshalb rate die anhaltische Landeskirche ihrem Pfarrernachwuchs beispielsweise auch dazu, Medienpraktika zu absolvieren.
Katholischer Bischof Koch: Jesus ist ein guter Medienfachmann
Der katholische Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heiner Koch (Dresden), erklärte, er sehe das eigentliche Problem im Verschweigen Gottes, nicht in der Frage nach der Anzahl der Sendungen. Christen hätten in Jesus selbst einen guten Medienfachmann. Er habe anschauliche Geschichten erzählt und sei dennoch auf den Punkt gekommen. Insofern sei das Christentum eine Medienreligion. Da Bildung ob religiös oder nicht in den Medien heute vielfach nur noch über Kurzbeiträge von zwei Minuten Länge vermittelt werde, müssten Christen in der Lage sein, Journalisten ihre Anliegen kurz und konkret zu erklären.
Fernsehen kann keine Nachhilfe in religiöser Bildung leisten
Die ZDF-Programm-Geschäftsführerin beim Fernsehsender Phoenix, Michaela Kolster, sagte, es sei erschreckend, wie wenig viele Bürger heute noch über Religion wüssten; so würden bei Umfragen auf der Straße viele nicht einmal mehr das Vaterunser kennen. Dennoch könne das Fernsehen keine Nachhilfe in religiöser Bildung leisten. Hierfür seien Familie und Schule weitaus wichtiger. Generell beobachtet Kolster nach eigenen Worten unter Journalisten aber eine wachsende Offenheit für religiöse Fragen: Die 68er haben sich noch an der Kirche abgearbeitet.
Das sei inzwischen anders. Heute gingen viele Kollegen offen auf die Kirche zu und suchten das Gespräch mit ihr. Die Herausforderung bestehe allerdings darin, auch kirchliche Themen möglichst attraktiv umzusetzen. Denn in erster Linie wollten die Zuschauer unterhalten werden.
© 2013 www.kath.net