Bostoner Anschläge: Zutritt für Priester verboten

29. April 2013 in Chronik


Das Wall Street Journal berichtet kritisch, dass ankommende Priester von der Polizei abgehalten wurden, zu den Verletzten zu gehen. „Priester werden nicht mehr als Nothelfer betrachtet.“


Boston (kath.net) Bei den Bombenanschlägen in Boston wurden Priester, die Verletzten oder Sterbenden beistehen oder die letzten Sakramente spenden wollten, von der Polizei nicht zugelassen. Das berichtet das Wall Street Journal. Priester der nahe gelegenen Kirche St. Clement Eucharistic Shrine, die für eine eventuelle Krankensalbung an den Unglücksort kamen, wurde der Zutritt verwehrt.

John Wykes, bis vor 10 Jahren Krankenhausseelsorger in Illinois, war einer von ihnen. „Damals durfte ich überall hingehen. In Boston habe ich diesen Zutritt nicht.” In den 40er bis 60er-Jahren konnte ein Priester mit Kollar überall hingehen. „Das hat sich geändert. Priester werden nicht mehr als Nothelfer betrachtet.“

Als „denkwürdige Ausnahme” bezeichnet das Wall Street Journal den Priester Mychal Judge, der am 11. September in New York verschüttet wurde, nachdem er Verletzten die Sterbesakramente gespendet hatte. Father Judge sei eben seit neun Jahren der Feuerwehrseelsorger der Stadt und dort sehr beliebt gewesen und habe zudem den Bürgermeister gekannt.

Natürlich hätte die Polizei die Pflicht, zu verhindern, dass es weitere Tote oder Verletzte gebe. Father Carzon, der in Boston ebenfalls abgewiesene Regens des Priesterseminars, sagte, er sei “enttäuscht” gewesen über das Zutrittsverbot, habe die Begründung aber verstanden und sei ohne Protest wieder weggegangen. Er und andere Priester gingen zur nahegelegenen Kirche zurück, stellten dort einen Tisch mit Wasser und Früchten auf, und “halfen den Leuten, wie wir konnten”. Dort sprachen sie mit geschockten Passanten. „Wir hatten ein Gefühl der Hilflosigkeit, als wir nicht näher hingehen konnten. Doch indem wir das Wenige taten, das wir tun konnten, habe ich gemerkt, wie viel das Wenige bewirkt hat.”


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