
10. April 2013 in Aktuelles
Protest gegen Unterrichtskürzungen an EU-Schulen / Parlamentarische Anfrage gestellt / Antrag bei ZdK-Vollversammlung in Münster
München/Brüssel (kath.net/pm) Sie bezeichnen sich selbst gern als pädagogisches Vorzeigemodell: Die "Europäischen Schulen", die die EU als offenes Angebot an zahlreichen EU-Standorten - unter anderem in München, Frankfurt/Main und Karlsruhe - betreibt. Im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen soll hier aber gekürzt werden: Und zwar drastisch beim konfessionellen Religionsunterricht in Sekundarstufe würde er teilweise komplett gestrichen. Dagegen protestiert nun der Nürnberger CSU-Europaabgeordnete Martin Kastler: "Gerade in der anhaltenden Werte-Krise Europas ist es der vollkommen falsche Ansatz, am Religionsunterricht in den Europäischen Schulen zu sparen." Kastler, der auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ist, hat umgehend eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingelegt und will das Thema zudem auf die Agenda der ZdK-Vollversammlung Ende April bringen.
Eltern und Lehrkräfte hatten sich in einem Hilfegesuch an den CSU-Europaabgeordneten gewandt, aufgeschreckt durch Pläne des sogenannten "Obersten Rates" der Europäischen Schulen. Dieser ist das mit Vertretern der nationalen Bildungsministerien, der Europäischen Kommission sowie Eltern- und Lehrervertretern besetzte, höchste Entscheidungsgremium der Europäischen Schulen und als solches verantwortlich für die "Reform der Sekundarstufe".
Die dort durchgeführten Kürzungen, so Kastler, "werden vor allem auf dem Rücken des Religionsunterrichts ausgetragen" - und das, obwohl die Europäische Charta der Grundrechte in Artikel 10 jeder Person das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zuspricht, sie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung ( ) durch Gottesdienst, Unterricht, Bräuche und Riten zu bekennen garantiert und die Schüler der Europaschulen laut Satzung ein Anrecht auf Religionsunterricht in ihrer Muttersprache haben."
Schon heute könnten die einzelnen Schulen in eigenem Ermessen "den Religionsunterricht zurückstutzen", indem sie bis zu drei Jahrgänge im Unterricht zusammen ziehen und den Lernstoff entsprechend kürzen. Gehe es aber nach den Plänen des Obersten Rates, "entfallen in den Klassen 1-3 der Sekundarstufe künftig die Hälfte aller Religionsstunden, zum Teil würden Kinder einfach in anderen europäischen Sprachen unterrichtet.
In den oberen Jahrgängen kann er sogar komplett vom Lehrplan gestrichen werden, sofern die Weltreligionen im Geschichtsunterricht angeschnitten werden." Damit, so Kastler, "macht Europa an den eigenen Schulen klar, was ihm christliche Werte bedeuten - nämlich nahezu nichts!" Für Kastler ein neues, "trauriges Kapitel antichristlicher Tendenzen in den EU-Institutionen."
Kastler, der auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ist, will das aber so nicht hinnehmen: "Europas Wertefundament ist christlich - das muss auch in den Europaschulen gelehrt werden dürfen. Und wenn das auf eigens interkulturelle Verständigung ausgelegte "Europäische Abitur" wirklich ein Vorzeigemodell für Europa sein soll, dann brauchen Wertevermittlung und soziales Lernen im Religionsunterricht ihren festen Platz im Lehrplan."
Um das zu erreichen, hat Kastler sich umgehend über eine offizielle Parlamentarische Anfrage bei der Europäischen Kommission beschwert: "Wenn Europa es wirklich ernst meint mit einem erhöhten Wertebewusstsein junger Menschen, dann muss es mit gutem Beispiel vorangehen und gerade in dieser Krise die Angebote des Religions- und Ethikunterrichts im Europäischen Lehrplan erhöhen - statt wild zu kürzen."
Zudem hat er einen entsprechenden Antrag für die Tagesordnung der Ende April in Münster stattfindenden ZdK-Vollversammlung formuliert und ZdK- Präsident Alois Glück in einem Schreiben um seine Unterstützung gebeten.
Link zur findet sich online unter Parlamentarischen Anfrage Kastlers. Die Europäische Kommission hat nun sechs Wochen Zeit, um darauf schriftlich zu reagieren.
© 2013 www.kath.net