Ganz verschiedene Päpste, alle hundertprozentig katholisch

2. April 2013 in Interview


„Das ist ein Geheimnis der katholischen Kirche“, sagte Kurt Kardinal Koch im kath.net-Interview, dass wir „ganz verschiedene Päpste“ haben, „alle sind hundertprozentig katholisch, aber jeder ist ganz anders“. Von Christof Zeller-Zellenberg


Vatikan (kath.net/pl) „Man sagt heute ja sehr gern: ‚Wir haben jetzt endlich einen demütigen Papst [Franziskus]‘. Ich habe Papst Benedikt als ebenso demütig und bescheiden erlebt, dem es genauso darum gegangen ist, dass nicht die Kirche im Zentrum steht, dass nicht der Papst im Zentrum steht, sondern dass Christus der Herr der Kirche ist, dem wir alle zu dienen haben.“ Darauf wies Kurt Kardinal Koch im kath.net-Interview hin. Der Schweizer Kurienkardinal, der am Konklave teilgenommen hatte, ist Präsident des Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen.

kath.net: Sie waren ja einer der Papstwähler, was sind jetzt – nach der Wahl - Ihre ersten Eindrücke von diesem neuen Papst?

Kurt Kardinal Koch: Ich bin froh, dass wir über Europa hinausgehen konnten und ein Vertreter aus der Kirche Lateinamerika bei uns ist. Ich glaube, er wird uns einige Überraschungen und Herausforderungen bringen, weil doch sein Leben der Kirche eine andere Gestalt hat als bei uns in Europa.

Auf der anderen Seite sehe ich aber gerade in der Verkündigung eine grundlegende Kontinuität mit Papst Benedikt. Er nimmt immer wieder viele Anliegen auf und zeigt so, dass die Kirche in der gleichen Weise weitergeht. Das ist ja das Schöne: Wir haben ganz verschiedene Päpste, alle sind hundertprozentig katholisch, aber jeder ist ganz anders. Und das ist irgendwo ein Geheimnis der katholischen Kirche.

kath.net: In einigen Medienberichten gerade aus Deutschland wurde von einer „verpassten Chance“ gesprochen, was Papst Benedikt betrifft. Sehen Sie das auch so? Könnte es für die deutschsprachigen Länder mit dem neuen Papst ein neuer Anfang werden?

Koch: Von einer verpassten Chance kann man überhaupt nicht reden, das Pontifikat von Papst Benedikt war großartig.

Das ist gerade in deutschsprachigen Gebieten nicht immer zur Kenntnis genommen worden.

Vielleicht nimmt man das jetzt eher zur Kenntnis, wenn Papst Franziskus das sagen wird, sogar wenn er dasselbe sagen wird wie Papst Benedikt. Heute kommt es manchmal nicht darauf an, was jemand sagt, sondern wer es sagt und wenn einer schon unter schlechten Vorzeichen steht, kann er gar nichts Gutes mehr sagen.

Ich bin der Überzeugung, dass das Pontifikat von Papst Benedikt als ein ganz großes in die Geschichte eingehen wird.

kath.net: Das glauben wir auch. Die „verpasste Chance“ hat sich ja auf die Rezeption des Papstes Benedikt in der Bevölkerung der deutschsprachigen Länder bezogen, ob hier einfach auf unserer Seite etwas versäumt wurde, natürlich nicht auf der Seite des Papstes. Ist uns da etwas entgangen?

Koch: Das Pontifikat von Papst Benedikt hat so großen Reichtum hinterlassen. Wenn ich nur seine Verkündigung anschaue, dann seine großen Reden – ich glaube, wir haben noch lange Zeit, dies auszuschöpfen und in die Zukunft fruchtbar zu machen.

kath.net: Wo sehen Sie die besondere Kontinuität von Papst Franziskus mit Papst Benedikt, jetzt nach den ersten Ansprachen des neuen Papstes?

Koch: Man sagt heute ja sehr gern: „Wir haben jetzt endlich einen demütigen Papst“. Ich habe Papst Benedikt als ebenso demütig und bescheiden erlebt, dem es genauso darum gegangen ist, dass nicht die Kirche im Zentrum steht, dass nicht der Papst im Zentrum steht, sondern dass Christus der Herr der Kirche ist, dem wir alle zu dienen haben.

Diese starke Christozentralität, die Papst Franziskus von Anfang an betont hat, ist auch ein durchgehendes Moment des Verständnisses des Petrusamtes bei Papst Benedikt gewesen.

Auch bei Papst Benedikt fand sich sehr stark die Sorge und die Hinwendung zu den Kleinen, zu den Armen.

Papst Franziskus wird das große Anliegen, das Papst Benedikt mit dem Begriff der „Entweltlichung“ in der Rede in Freiburg zum Ausdruck gebracht hat und das in Deutschland völlig missverstanden worden ist, ganz gehörig aufgreifen und vielleicht wird man es dann auch in Deutschland verstehen.

kath.net: Wir haben den Patriarchen von Konstantinopel bei der Amtseinführungsmesse von Papst Franziskus gesehen, es gab eine Audienz für die nichtkatholischen Bekenntnisse mit einer großen Ansprache des Papstes – wo sehen Sie als Präsident für die Einheit der Christen, dass hier etwas weiter geht, das schon bei Papst Benedikt oder vielleicht sogar schon bei Johannes Paul II. grundgelegt wurde, oder wo sehen Sie hier vielleicht eine neue Dynamik?

Koch: Ich glaube, dass bei Papst Franziskus das ökumenische Anliegen genauso präsent ist wie bei Papst Benedikt. Es kann andere Akzente geben, weil Papst Franziskus aus einer anderen Region kommt, wo eigentlich nicht so sehr der Dialog mit den historischen Großkirchen im Vordergrund steht, sondern die große Herausforderung der Pentekostalismus ist, das ist ja weltweit gesehen die zweitgrößte Bewegung nach der römisch-katholischen Kirche. Ich denke, dass Papst Franziskus hier schon auch ein besonderes Anliegen sehen wird.




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