
11. März 2013 in Weltkirche
Milos Zemans Amtseinführung hatte unerwarteterweise auch viele religiöse Akzente
Prag (kath.net/KAP) Der neue tschechische Präsident Milos Zeman hat in einem Fernsehinterview am Sonntag die Bedeutung von Papst Johannes Paul II. für die Samtene Revolution 1989 gewürdigt. Zeman äußerte sich im Interview mit dem Privatsender "Prima TV" zur Rolle des Papsttums heute, im Blick auf das jetzige Konklave. "Das Amt bietet eine Chance als globale moralische und politische Autorität. Dabei hänge alles von der Persönlichkeit ab", sagte der Präsident.
Die moralische Autorität der tschechischen Kirche sieht Zeman als geschwächt im Vergleich zur Zeit von Kardinal Frantisek Tomasek (1899-1992). Die Kirche sollte sich seiner Meinung nach stärker auf sozialem Gebiet engagieren.
Zemans Amtseinführung am Freitag hatte unerwarteterweise auch eine große Zahl religiöser Akzente. Am meisten überraschte, dass Zeman seine große Rede als "toleranter Atheist" mit einem Gebet abschloss. Ein Gebet des heiligen Franziskus aufgreifend bat er Gott, er möge ihm "den Mut verleihen, sich um die Beeinflussung von Dingen zu bemühen, die ich beeinflussen kann". Weiters möge Gott ihm "die Demut verleihen, sich nicht um die Beeinflussung von Dingen zu bemühen, die ich nicht beeinflussen kann". Und schließlich möge Gott ihm "die Weisheit verleihen zwischen dem Ersten und dem Zweiten zu unterscheiden".
Bei der Erläuterung der "Inseln positiver Abweichung", die er als Präsident der Republik fördern möchte, zählte Zeman unter den Persönlichkeiten, die "dem Land von Nutzen sind", sozial agierende "Unternehmer, erfolgreiche Bürgermeister sowie Persönlichkeiten aus dem Schul- und Gesundheitswesen, der Wissenschaft, der Kultur und dem Sport" auf, nicht jedoch Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften. In ihrer Begrüßungsansprache hatte die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Miroslava Nemcova, die Kirchenvertreter jedoch erwähnt. Der Staatsakt im Wladislawschen Saal der Prager Burg war formal eine gemeinsame Sitzung der beiden Kammern des tschechischen Parlaments.
Bei der kurzen Andacht am Grab des Landespatrons Wenzel im Veitsdom erklärte Milos Zeman, jeder Mensch baue in seinem Leben an einer großen Kirche, "sei es nun eine Kathedrale oder nur ein Marterl", immer jedoch sei "dieser Kirchenbau ein Abbild unseres Lebenswerks". Zeman verwies auf den Bauherrn des gotischen Veitsdoms, Kaiser Karl IV., der seinem Land "Ruhe, Frieden und relativen Wohlstand" geschenkt und "eine vernünftige Übereinkunft mit der Kirche" gesucht habe - "und die Kirche mit ihm". Das Vaterunser sprach Zeman mit, wie in der Direktübertragung von CTV deutlich zu sehen war.
Einen anderen Akzent setzte Zeman bei der abschließenden Kranzniederlegung am Denkmal des Staatsgründers Tomas G. Masaryk gegenüber dem Erzbischöflichen Palais auf dem Hradschiner Platz. Masaryk habe den Übergang von der Monarchie zur republikanischen Ordnung zu bewältigen gehabt. Er habe dabei die Vorrechte des Adels und der Kirche beschnitten, gewisse "überflüssige monarchistische Elemente" wie Begnadigungen und Amnestien aber beibehalten. Er selber, so Zeman, werde auf derlei Aktionen aber verzichten.
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