
15. Februar 2013 in Chronik
Der Friedensnobelpreisträger warnte vor Proselytismus, dem Abwerben von Gläubigen. Ich mag keine Bekehrungen - Oswald Kardinal Gracias widerspricht: Zur Religionsfreiheit gehöre auch das Recht auf Glaubenswechsel
Bombay (kath.net/idea) Der Dalai Lama (Foto), Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, hat in Indien sein Nein zu Mission und Religionswechsel bekräftigt. Mit seinen Äußerungen sorge er für Verwirrung und Unmut bei vielen Christen, berichtet der katholische Informationsdienst AsiaNews. Der 77-Jährige hatte am 23. Januar eine katholische Hochschule in Bombay besucht und dabei vor Proselytismus, dem Abwerben von Gläubigen, gewarnt. Der Friedensnobelpreisträger wird mit den Worten zitiert: Ich mag keine Bekehrungen, weil sie negative Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Er erwähnte in diesem Zusammenhang die Ermordung des australischen Missionars Graham Staines und seiner beiden Söhne Philip und Timothy am 22. Januar 1999 sowie die Ausschreitungen hinduistischer Extremisten gegen Christen im Jahr 2008 im Bundesstaat Orissa. Dabei wurden nach kirchlichen Angaben 96 Christen umgebracht, etwa 50.000 wurden aus mindestens 315 Dörfern vertrieben sowie 252 Kirchen, 4.640 Häuser und 13 Schulen zerstört.
Katholischer Erzbischof widerspricht
Der katholische Erzbischof von Bombay, Kardinal Oswald Gracias, widersprach dem Dalai Lama. Der Baptist Staines habe nicht missioniert, sondern sich mehr als 30 Jahrelang um Lepra-Kranke gekümmert, und die Unruhen in Orissa hätten soziale Ursachen. Christen könnten den biblischen Missionsauftrag nicht aufgeben. Zudem schütze die indische Verfassung die Religionsfreiheit. Dazu gehöre auch das Recht, den Glauben zu wechseln. Laut AsiaNews befürchten indische Christen, dass die Worte des Dalai Lama als Unterstützung für Anti-Bekehrungsgesetze gedeutet werden, die in einigen Bundesstaaten in Kraft sind. Sie erschweren den Religionswechsel von Hindus zum Christentum oder Islam, nicht aber umgekehrt.
Kein Verzicht auf Mission
Kardinal Gracias, der den Dalai Lama persönlich kennt, hält ihn für einen aufrichtigen Mann. Vielleicht habe er sagen wollen, man solle durch Mission keine Probleme heraufbeschwören.
Doch Christen könnten deshalb nicht auf Mission verzichten. Der Dalai Lama ist unter anderem auf den Deutschen Evangelischen Kirchentagen 1993 in München und 2003 in Berlin mit großer Begeisterung empfangen worden. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. Der Rest gehört anderen Religionen an.
Foto Dalai Lama: © Wikipedia/Welt Atlas
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