
15. Februar 2013 in Kommentar
Der Weltbild-Verlag gehört zu den ersten, die ein Erinnerungsbuch über das Pontifikat Benedikts XVI. herausbringen. Herausgeber ist ausgerechnet P. Hans Langendörfer, eine der Schlüsselfiguren im Weltbild-Skandal. Ein Kommentar von Johannes Graf
Augsburg (kath.net/jg)
Nach dem überraschend angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. lassen die ersten Bücher über das Pontifikat nicht lange auf sich warten. Den Anfang macht der zu hundert Prozent in Besitz der Katholischen Kirche in Deutschland befindliche Weltbild-Verlag.
Auf der Internetpräsenz des Verlages wird ein reich bebilderter Prachtband mit dem Titel Danke Benedikt angekündigt. Er sei als großer Erinnerungsband konzipiert. Eindrucksvolle Fotos, Reportagen sowie die Gedanken und Worte von Papst Benedikt XVI. lassen die großen Ereignisse und Themen lebendig werden. Man darf eine positive Würdigung des Heiligen Vaters erwarten, in der das beeindruckende Leben eines Mannes auf der Suche nach Gott, der sich selbst zurücknahm hinter seinen Dienst, die Menschen über den Glauben ins Gespräch zu bringen nachgezeichnet wird.
Einigermaßen überraschend ist dann der Name des Herausgebers: P. Hans Langendörfer SJ, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz und einer der Verantwortlichen für den Weltbild-Skandal. Er war vom größten Gesellschafter des Verlages, dem Verband der Diözesen Deutschlands, in den Aufsichtsrat entsandt. Trotz vieler Bitten engagierter Katholiken über zehn Jahre hinweg hatten weder die deutschen Bischöfe noch der Aufsichtsrat die Produktion und den Vertrieb kirchenkritischer, esoterischer und sogar erotischer Literatur verhindert. Erst nachdem der Skandal 2011 medial aufgegriffen wurde, kam Bewegung in die Angelegenheit. Im Jahr 2012 beschlossen die deutschen Bischöfe, die kirchlichen Anteile in eine Stiftung einzubringen eine Lösung, mit der Papst Benedikt XVI. nicht einverstanden sein dürfte, wenn man den Vati-Leaks Dokumenten glauben kann. Kath.net hat berichtet.
Langendörfer sitzt übrigens bis heute im Aufsichtsrat von Weltbild. Ihm wurde von den Bischöfen 2011 das uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochen. Den päpstlichen Aufruf zu einem Neuanfang des Verlages hat man ignoriert, das gute Geschäft mit der Erinnerung an den Papst will man sich aber offenbar nicht entgehen lassen.
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