
31. Jänner 2013 in Chronik
Nach Recherchen der britischen Historikern Patricia M. McGoldrick hat die vatikanische Vermögensverwaltung 1941 bis 1943 große Summen aus dem besetzten Europa in die USA überwiesen und teilweise dort investiert.
Vatikanstadt (kath.net/KNA) Neue Forschungen zur kirchlichen Finanzpolitik im Zweiten Weltkrieg verweisen auf eine größere Nähe des Vatikan zu den Gegnern Hitler-Deutschlands als bisher angenommen. Nach Recherchen der britischen Historikern Patricia M. McGoldrick von der Universität London hat die vatikanische Vermögensverwaltung 1941 bis 1943 große Summen aus dem besetzten Europa in die USA überwiesen und teilweise dort investiert, wie die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» (Mittwoch) berichtet. Die Rede ist von mehreren Millionen US-Dollar in Wertpapieren, Goldbeständen und anderen Besitztümern. Damit habe der Vatikan die Westalliierten in ihrem Kampf gegen die Nationalsozialisten wesentlich unterstützt.
Die Zeitung bezieht sich auf einen Artikel McGoldricks, der bereits im Dezember in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift «The Historical Journal» an der Universität Cambridge erschienen ist, aber erst jetzt größere Aufmerksamkeit erfährt. Die Historikerin wertete für ihre Untersuchung unter anderem bislang unbekannte britische Geheimdienstpapiere aus.
Demnach war der seit 1929 an die Spitze der Finanzverwaltung des Heiligen Stuhls tätige Bernardino Nogara federführend bei den Transaktionen während des Krieges. Nogara und seine Mitarbeiter hätten dafür frühzeitig enge Verbindungen zwischen der vatikanischen Vermögensbehörde und der Vatikanbank IOR zu großen US-amerikanischen und britischen Banken aufgebaut. Daraus habe sich eine bevorzugte Zusammenarbeit auch mit der US-Finanzaufsicht ergeben, die gegenüber dem Vatikan auf die üblichen Restriktionen bei Geldgeschäften während des Krieges verzichtet habe.
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