Schönborn in ZIB 2: 'Wir unterstützen Flüchtlinge weiterhin'

30. Jänner 2013 in Österreich


Wiener Erzbischof zur Votivkirche: "Flucht ist kein Verbrechen. Wir stehen nach wie vor voll und ganz zu den Flüchtlingen" - Kirche sagt Unterstützung bei Anliegen nach Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylwerber zu


Wien (kath.net/KAP) Die Kirche "steht weiterhin hinter den Flüchtlingen und Asylwerbern in der Wiener Votivkirche und unterstützt sie in ihrem politischen Anliegen nach einem besseren Zugang zum Arbeitsmarkt": Das hat Kardinal Christoph Schönborn (Foto) am Dienstagabend in der ZIB 2 im Gespräch mit Armin Wolf unterstrichen und dabei seine Zuversicht für eine gemeinsame Lösung mit den Betroffenen betont. Es gebe ein von gegenseitigem Vertrauen geprägtes Verhältnis, was unter anderem darin zum Ausdruck komme, dass die Flüchtlinge die Votivkirche als Gotteshaus von Beginn an respektiert hätten und es nie zu einer Störung von Gottesdiensten oder ähnlichem gekommen sei. Richtigstellen müsse man außerdem, dass die Votivkirche "nicht besetzt" ist, sondern weiterhin als Gotteshaus dient.

Ausdrücklich wehrte sich Kardinal Schönborn auch gegen Applaus, den seine jüngste Kritik an Votivkirchen-Aktivisten insbesondere von Seiten rechter Parteien bekommen hatte. "Flucht ist kein Verbrechen, Flüchtlinge sind keine Verbrecher", stellte der Wiener Erzbischof einmal mehr klar.

Seine Kritik an einzelnen Aktivisten erläuterte er unter Verweis auf eine "bereits spruchreife" Lösung in der Vorwoche, die in der Übersiedelung der Flüchtlinge aus der Votivkirche in ein Kloster bestanden hätte. Diese Lösung sei schließlich gescheitert, "weil bestimmte Kreise versuchen, politische Lösungen zu erzwingen, die auf diese Weise aber nicht zu erzwingen sind". Die Kirche unterstütze nach Möglichkeiten die Anliegen der Protestierenden, allerdings habe man immer klar dazu geraten, "nichts zu fordern, was der Gesetzgeber klar ausschließt und was auch keine österreichische Instanz aushebeln kann".

Auch habe der Wiener Caritasdirektor Michael Landau bereits vor Weihnachten darüber geklagt, dass die Absichten, die Protestierenden in qualitätsvolle, warme Quartiere zu bringen, "immer wieder von Leuten unterlaufen wurden, die den Flüchtlingen Angst machen und ihnen einflüstern, dass man uns nicht trauen darf." Die Mitarbeiter von Caritas, Diakonie, Johannitern und der Pfarre seien ausdrücklich von seiner Kritik ausgenommen gewesen, bekräftigte Schönborn.

Schließlich zeigte sich Schönborn zuversichtlich, bald eine für alle Seiten tragbare Lösung gemeinsam mit den Protestierenden finden zu können - sowohl im Blick auf "das politisch Mögliche" als auch im Blick auf die Frage des Quartiers für die von der Kälte in der Votivkirche bereits stark gezeichneten Flüchtlinge. Eine polizeiliche Räumung der Kirche, wie sie von einzelnen gefordert wurde, schloss Schönborn kategorisch aus.

Abschließend würdigte Schönborn - von Armin Wolf auf den Tod des Innsbrucker Altbischofs Reinhold Stecher angesprochen - den Verstorbenen als "großen, engagierten Mann und wunderbaren Mensch, Bischof, Künstler und Priester". Auch wenn Stecher in einzelnen Themen wie der Frage nach dem Zugang zum Priesteramt zuletzt eine kritische Position vertreten habe, die er selbst nicht teilen könne, so sei er Stecher immer mit großem Respekt und Bewunderung begegnet.

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Foto Kardinal Schönborn: (c) Erzdiözese Wien


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