
26. Jänner 2013 in Österreich
Gründer der Priester-Nationalmannschaft: Viele Spitzensportler praktizieren ihren Glauben - "Beste Werbeträger für die Kirche".
Eisenstadt (www.kath.net/ KAP)
Zwischen Sport und Glauben gibt es viele Parallelen, die sowohl der Sport als auch die Kirche nutzen können. So zieht Zeljko Odobasic, Pfarrer in den burgenländischen Orten Trausdorf und Oslip, im "Kathpress"-Interview Bilanz über seine Erfahrungen mit österreichischen Spitzensportlern. Derer hat der Geistliche, der sich seit 1995 für den Priesterfußball engagiert, viele: Für sein im Dezember 2012 erschienenes Buch "Sport - eine neue Religion?" interviewte Odobasic heimische Top-Athleten aus Fußball, Ski-, Rad- und Boxsport zu ihrem persönlichen Glauben. Viele Sportler sind gläubig, einige sogar tiefgläubig, hat der aus Bosnien stammende Priester dabei festgestellt.
Im Fußball ist ein flüchtiges Kreuzzeichen vor dem Betreten des Feldes keine Seltenheit. Dass selbst Weltklassespieler wie Maradona oder Kaka auf ähnliche Weise ihren Glauben bekennen, wertet der aus Bosnien stammende Priester nicht als "Show". "Viele Sportprofis beten oder gehen in die Kirche und suchen hier Ruhe und Ausgleich. Worum sie Gott bitten, ist meist nicht der Sieg, sondern die Gesundheit, Schutz vor Verletzungen oder für ihre Familie", so Odobasic über die Gespräche mit u.a. Michaela Dorfmeister, Toni Polster, Andreas Ivanschitz, Marc Janko und Nicole Trimmel.
Sportler profitieren selbst vom Glauben, so die Einschätzung des sportbegeisterten Priesters, "auch durch bessere Ergebnisse". Zwischen sportlichen und christlichen Tugenden bestehe eine große Schnittfläche, weshalb Glaube eine Hilfe gegen unsportliches Verhalten sei. "Etwa für das Doping gilt besonders für gläubige Sportlern das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten - was auch die Schädigung des eigenen Körpers miteinschließt. Glaube schützt zwar nicht vor Doping - niemand ist perfekt - doch er lässt zuvor zumindest zweimal überlegen", so Odobasic.
Umgekehrt seien gläubige Sportler jedoch auch ein "großes Potenzial für die Kirche", zumal sie diesen zur Vermittlung eines lebendigen Glaubens helfen könnten. "Sportler sind jung, attraktiv und reich, und - trotzdem - beten sie. Speziell für Jugendliche ist das eine wichtige Botschaft, die sonst Kirche oft nur mit alten und gebrechlichen Menschen assoziieren." Zudem könnte die Kirche vom Sport in Sachen Motivation einiges lernen: "So wie der Spitzensport zum Siegen motivieren will, muss die Kirche motivieren, an Gott zu glauben - indem sie den Menschen Hoffnung, Ziel und Sinn im Leben zeigt, in Krisen unterstützt und anregt zum positiven Denken und zum Kampf für das Leben."
Priester und Sportler zugleich
Odobasics Sport-Faible liegt in seiner Biografie begründet. Vor seinem Eintritt ins Priesterseminar hatte der schon zuvor passionierte Fußballspieler das Vertragsangebot eines kroatischen Fußball-Erstligisten auf dem Tisch. Er schlug es im Hinblick auf den geplanten Eintritt ins Priesterseminar aus - "im damals kommunistischen Kroatien wäre mir beides nicht möglich gewesen", so der heutige Dechant.
Heute sei er "Priester, doch weiterhin auch Sportler und kann ohne Sport nicht leben", begründet Odobasic sein Fußball-Engagement in der Freizeit. Gab anfangs bei der Gründung der Priestermannschaft noch die sportliche Abwechslung vom Alltag für die Berufskollegen den Ausschlag, habe sich das Motiv rasch gewandelt. "Beim weltweit ersten Nationalspiel zweier Priestermannschaften 1995 gegen Kroatien kamen 10.000 Zuseher. Was wir da vielen Fans vermittelten, war auch: Priester spielen wie wir, kämpfen sportlich gegeneinander, sind Teil unserer Welt", berichtet der Fußballpfarrer.
Mittlerweile haben die Priester-Länderspiele Schule gemacht: 2005 kam in Österreich auf Odobasics Initiative die erste Priester-Europameisterschaft zustande, in den Folgejahren in Kroatien, Portugal, Bosnien, Polen und Ungarn. 2013 ist Slowenien ab dem 14. Februar Gastgeberland, Odobasic ist allerdings selbst nicht mehr aktiv dabei - "mit 43 Jahren bin ich definitiv zu alt", so der Geistliche. Trotz der Erfolgsgeschichte bleibt das nationale Priesterkader eine Herausforderung. "Waren wir in den Anfangsjahren über 30 Spieler, sind es derzeit unter 20. Während es in Kroatien, Portugal und Polen große Auswahl mit eigener Liga gibt, ist bei uns heute der Nachwuchs das größte Problem."
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