Steven Spielbergs 'Lincoln' - Politik als Protagonistin

24. Jänner 2013 in Chronik


Ab 24. Januar läuft Steven Spielbergs »Lincoln«-Film, der bereits zwölf Oscar-Nominierungen erhalten hat, auch in Italien. Von Gaetano Vallini / Osservatore Romano


Rom (kath.net/Osservatore Romano)
Das jüngste Werk von Regisseur Steven Spielberg ist eher ein Film über die Politik als ein Film über einen Mann. Lincoln (der Film wird ab 24. Januar in den italienischen Kinos zu sehen sein) ist nämlich sehr viel mehr als eine Biographie, die im übrigen auf die letzten vier Lebensmonate des berühmtesten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika beschränkt ist. Der Film verherrlicht die Zentralität der Politik, die als Höhepunkt der Demokratie verstanden wird. Eine Politik, die es im Namen des Gemeinwohls und höchster Werte, die die Verteidigung der Würde des Menschen und seiner natürlichen Rechte im Auge haben, weder verschmäht, sich auf Kompromisse einzulassen, noch unorthodoxe Mittel einzusetzen.

Spielberg hat sich dafür entschieden, Abraham Lincolns wichtigste und entscheidendste Schlacht nachzuerzählen: diejenige für die definitive Abschaffung der Sklaverei unter den Afroamerikanern, die er durch die Einfügung des 13. Zusatzartikels zur Verfassung erreichte. Er zeigte damit einem Land, das durch einen vierjährigen Bürgerkrieg mit viel Blutvergießen verwüstet war, unter anderem ausgelöst auch durch das Festhalten der Südstaaten an der Sklaverei, einen Weg der Versöhnung.

Eines der Verdienste sowohl Spielbergs als auch des Drehbuchautors, des Pulitzer-Preisträgers Tony Kushner, besteht darin, auch die unterschwelligen Aspekte der Vorgehensweise des Präsidenten nicht zu verschweigen. Um sein Ziel zu erreichen, hat er keinerlei Skrupel, sogar die Schranken zu überschreiten, die der bereits ungeheuren, ihm im Krieg zugebilligten Machtbefugnis gesetzt waren. Zwischen politischen Sorgen und familiären Problemen erweist sich Spielbergs Lincoln-Bild als dasjenige eines Mannes, der durch markante Paradoxe gezeichnet ist: er ist einmal unterhaltsam und feierlich, ein betörender Redner und zäher Verhandlungsführer, ein gerissener Befehlshaber und ein verletzlicher Ehemann und Vater. Charakterzüge, die ein überdurchschnittlicher Daniel Day-Lewis – der für diese Rolle zum wiederholten Mal für den Oscar nominiert wurde – durch eine Interpretation, die geradezu perfekt ist und sich mehr durch Kargheit als durch übermäßige Beherrschung der Szene auszeichnet.

Steven Spielberg ´Lincoln´ - Der Trailer



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