
5. Jänner 2013 in Österreich
Kardinal in "Heute"-Kommentar zur Situation der Asylwerber in der Votivkirche
Wien (kath.net/KAP) Der Platz der Kirche ist auf der Seite der Menschen in Not: Das betont Kardinal Christoph Schönborn (Foto) in seinem Freitag-Kommentar in der Gratiszeitung "Heute", in dem er Stellung nimmt zu den in der Votivkirche protestierenden Asylwerbern. Der Wiener Erzbischof spricht sich darin für eine ganzheitliche Problemsicht aus, die sowohl die Notwendigkeit "gesetzlich gut geregelter Asylverfahren" als auch "ein menschliches Hinschauen auf die einzelnen Situationen" und persönlichen Schicksale ernst nimmt.
Die sich in der Votivkirche aufhaltenden Flüchtlinge, von denen sich einige seit zwei Wochen im Hungerstreik befinden und die "trotz Quartierangebot von unserer Caritas die eiskalte Kirche nicht verlassen" wollen, würden mit ihrem Protest "bescheidene Anliegen" wie das Recht auf Arbeit oder ein menschenwürdiges Wohnen artikulieren, so Kardinal Schönborn. Sie "vertrauen darauf, dass wir von Seiten der Kirche keine polizeiliche Räumung verlangen".
Auch wenn kritische Stimmen zu Recht auf die mögliche Gefahr einer Erpressung und Instrumentalisierung hinweisen würden, so habe die Kirche zunächst und in erster Linie die menschliche Dimension des Protestes in den Blick zu nehmen: Es handle "sich hier zuerst einmal um Menschen; Menschen, die großteils Schlimmes erlebt haben, die Angst um ihr Leben haben und die einfach auf eine bessere Zukunft hoffen", so der Wiener Erzbischof der das Evangelium als klaren Auftrag sieht: Die Kirche müsse auf der Seite der in Not Geratenen sein.
Zugleich erteilte der Kardinal einer Simplifizierung der Problemlage eine Absage. Es brauche sowohl gute gesetzliche Rahmenbedingungen für Asylverfahren - Österreich sei da "sicher nicht das schlechteste Land in Europa" - als auch das Ernstnehmen der humanen Dimension von Einzelschicksalen.
Es sei nicht verwunderlich, "dass die Regierung mehr auf die Durchführung der Gesetze schaut, und die Kirche mehr auf die Einzelschicksale. Es geht nun darum, dass beide Seiten im Reden zueinanderfinden. Und das ist Gott sei Dank in unserem Land möglich", so der Wiener Erzbischof, der dafür der Regierung seinen Dank ausspricht, verbunden mit der Hoffnung, dass "wir im bewährten Miteinander notwendige Verbesserungen in der Flüchtlingsbetreuung und eine menschliche Lösung für die verzagten und hoffenden Flüchtlinge in der Votivkirche finden".
"Das Miteinander war immer schon der beste Weg", schließt Kardinal Schönborn.
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