Debatte um Rolle der Kirche in der Krise

31. Dezember 2012 in Aktuelles


Die orthodoxe Kirche in Griechenland im Umfeld von grossen Erwartungen in der wirtschaftlichen Notlage.


Athen (www.kath.net/ KNA)
In Griechenland ist angesichts der Krise eine Debatte über die Rolle der griechisch-orthodoxen Kirche entbrannt. „Die Griechen erwarten, dass die Kirche alles tut, um der Gesellschaft durch diese Krise zu helfen“, zitiert das „Wall Street Journal“ (Sonntag) den Professor für Recht und Volkswirtschaft an der Universität von Athen, Aristides Hatzis. Während die Kirche bereits von der größten Hilfsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg spricht, bemängeln Kritiker, sie tue bei weitem nicht genug für die wachsende Zahl der Bedürftigen.

„Wir wollen die Grundbedürfnisse der Menschen decken, damit wir eine vernünftige Gesellschaft haben“, sagte der Verwalter des Wohltätigkeitsfonds bei der Erzdiözese Athen, Pfarrer Vasilios Havatzas, der Zeitung. Nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Medikamente und Gesundheitsdienstleistungen würden zur Verfügung gestellt. Die Kirche könne nicht einfach zusehen, wie die Krise ihre Unwesen treibe.

Kritiker bemängeln laut „Wall Street Journal“ hingegen, es werde zu wenig getan. „Bisher beschränkt sich die Hilfe der Kirche auf Suppenküchen und das Verteilen von Essen, das andere gespendet haben. Das ist alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Grigoris Psarianos, Mitglied der kleinen Partei der demokratischen Linken, die an der Koalitionsregierung des Landes beteiligt ist. Wie er fordern Kritiker, dass die Kirche künftig höhere Steuern zahlt und für das bislang vom Staat übernommene Gehalt der Kleriker selbst aufkommt. Den Angaben zufolge betragen die Lohnkosten für die etwa 9.000 Mitarbeiter der Kirche jährlich rund 200 Millionen Euro.

Grundsätzlich sei die Kirche bereit, die Kosten selbst zu tragen, heißt es. Dafür müsse jedoch das Einkommen der Kirche gesteigert werden. Möglich sei dies etwa durch eine bessere Ausnutzung des Immobilienbesitzes. Die griechisch-orthodoxe Kirche ist den Angaben zufolge nach dem Staat der zweitgrößte Immobilieneigner Griechenlands. Seit 2007 seien die Mieteinnahmen aus Immobilien jedoch von rund vier Millionen Euro auf unter zwei Millionen Euro gefallen.

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