Graumann warnt vor Antisemitismus bei jungen Muslimen

30. Dezember 2012 in Deutschland


„Jude“ als Schimpfwort auf Schulhöfen sei in keinem Fall zu tolerieren.


Berlin (www.kath.net/ KNA)
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sieht bei jungen Muslimen hierzulande einen zunehmenden Antisemitismus. Es stimme, dass es unter jungen Muslimen „immer stärker werdende Tendenzen gibt, die oft noch öffentlich tabuisiert sind und über die nicht genug gesprochen wird“, sagte Graumann der Zeitung „Die Welt“ (Samstag). Wenn auf Schulhöfen und Sportplätzen „Jude“ als gängiges Schimpfwort gebraucht werde, sei das „eine brennende Wunde, ein Skandal“. Die Verantwortlichen in den muslimischen Gemeinden müssten diese Judenfeindschaft „viel offensiver bekämpfen, auch wenn oder gerade weil das nach innen unpopulär sein mag“.

Zugleich betonte Graumann: „Die allermeisten antisemitischen Straftaten kommen noch immer von Rechtsradikalen.“ Zu einem NPD-Verbot sagte Graumann, wenn man jetzt auf einen Antrag verzichten würde, „wäre dies ein enormer Triumph für die Faschisten“. Man dürfe aber nicht denken, dass sich das Problem des Rechtsextremismus mit einem NPD-Verbot erledige. „Die Demokraten, der Staat und die Zivilgesellschaft müssen dorthin gehen, wo sich der Rechtsextremismus ausbreitet - ins Internet, in Sportvereine, in die Musikszene. In Ostdeutschland sind ja ganze Landstriche von Rechtradikalen besetzt. Wir brauchen in der ganzen Gesellschaft einen anhaltenden Ruck gegen Rechts.“ Das NPD-Verbot sei dennoch die Möglichkeit, eine Struktur zu zerstören und zudem zu verhindern, dass die NPD weiterhin Steuergelder nutze, „um ihr braunes Gift zu verbreiten“.

Allgemein hält Graumann jüdisches Leben in Deutschland aber für sicher: „Jene, die im Ausland diesbezüglich Angst schüren, haben unrecht. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Ein Judentum in Hinterzimmern, gar No-Go-Areas werden wir nicht akzeptieren, wie wir es für niemanden hier akzeptieren.“ Er selbst lebe schon sein ganzes Leben in der Bundesrepublik, „ich bin bewusst und sehr gerne hier. Doch mit dem Wort 'Patriotismus' tue ich mich generell schwer.“ Er habe allerdings nichts dagegen, „wenn jemand stolz ist, ein Deutscher zu sein. Warum sollte er nicht?“

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