Patriarch Twal: Gemeinsame Osterfeiern am 5. Mai 2013

22. Dezember 2012 in Weltkirche


Lateinischer Patriarch begrüßt Durchbruch zu gemeinsamem Osterfest aller Christen im Heiligen Land, bedauert aber in Jahresbilanz, dass trotz interreligiöser Initiativen Erstarken eines "religiösen Radikalismus" nicht verhindert werden konnte


Jerusalem (kath.net/KAP) Eine gemischte Jahresbilanz für die Christen des Heiligen Landes und des Nahen Ostens für 2012 zieht der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal (Foto). Neben guten Nachrichten gebe es auch die instabile politische Situation im gesamten Orient und die Gewalt in Syrien, sagte das Oberhaupt der lateinischen Katholiken des Heiligen Landes am Donnerstag bei der Vorstellung seiner Weihnachtsbotschaft in Jerusalem. Er berichtete von einem Ökumenedurchbruch insofern, als die Katholiken des Patriarchats nächstes Jahr "ad experimentum" das orthodoxe Osterdatum - 5. Mai - übernehmen werden. Westkirchliches Osterdatum für 2013 ist der 31. März.

Twal bedauerte, dass trotz zahlreicher interreligiöser Initiativen das Erstarken eines "religiösen Radikalismus" nicht verhindert werden konnte. Er äußerte sich bestürzt über jüngste Schändungen religiöser Stätten. Durch Bildung und Erziehung der Jugend müsse dieses "Übel an der Wurzel" bekämpft werden. Seit November 2011 wurden laut einer von Vertretern der verschiedenen Religionen erstellten Liste mehr als 30 Übergriffe auf Kirchen, Klöster, Moscheen, Synagogen und Friedhöfe verübt. Die Schuldigen würden in aller Regel nicht gefasst.

Ratlos sind die Christen nach Worten Twals auch angesichts der politischen Lage im Nahen Osten. Die Weihnachtsfreude werde durch das erschreckende Ausmaß der Gewalt in Syrien getrübt. Man hoffe, dass die Situation dort durch Beteiligung an der Aufnahme von 250.000 Syrien-Flüchtlingen in Jordanien im Gleichgewicht bleibe.

Palästinenser-Frage: "Wurzel aller Konflikte"

Als "Schritt in Richtung Frieden und Stabilisierung der Region" bezeichnete Twal die Zuerkennung eines Beobachterstatus für die Palästinenser bei der UNO. So könne Israel zum Wohl aller "auf Augenhöhe mit einem anderen Staat" verhandeln. Die Palästinenser-Frage nannte er "die Wurzel aller Konflikte" in der Region. Daher müsse "während der zweiten und letzten Amtszeit Barack Obamas" eine gerechte Zwei-Staaten-Lösung gefunden werden.

Klar verurteilte der Jordanier in seiner Weihnachtsbotschaft die israelische Blockade von Gaza, die "das alltägliche Leben von 1,6 Millionen Menschen unmenschlich macht und dauerhaft Feindseligkeiten gegenüber Israel schürt". Respekt zollte der Jerusalemer Patriarch den Medienvertretern, die unter anderem bei der Berichterstattung der jüngsten Gewalt in Gaza Mut bewiesen hätten. Auch in den verschiedenen arabischen Revolutionen hätten die Medien eine sehr große Rolle gespielt.

Mit Blick auf die Abwanderung von Christen aus dem Nahen Osten betonte Twal, diese scheine sich zu verlangsamen, nicht zuletzt durch die Unterstützung der Kirche auf dem Wohnungsmarkt sowie bei der Ausbildung der Jugend. "Bürger des Heiligen Landes zu sein, ist eine Berufung, die Opfer fordert und Herausforderungen mit sich bringt", so der Patriarch wörtlich. Als Minderheit definiere man sich nicht über die Zahl.

Zufrieden äußerte sich der Patriarch über ökumenische Fortschritte. Besonders betonte er den Entschluss der katholischen Bischöfe des Heiligen Landes, Ostern gemeinsam mit den orthodoxen Christen nach dem Julianischen Kalender zu feiern. Ausgenommen von dieser Regelung, die für die Jahre nach 2014 noch vom Heiligen Stuhl approbiert werden muss, sind nur Bethlehem und Jerusalem aufgrund der komplexen Status-quo-Regelungen in der Geburts- und der Grabeskirche.

Twal erwähnte auch den Besuch des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. im Heiligen Land und die Inthronisation des neuen Kopten-Papstes Tawadros II. in Kairo. Beide Anlässe hätten Möglichkeiten zur Annäherung gegeben.

Bischöfe ermuntern zu Pilgerreisen

Die katholischen Bischöfe des Heiligen Landes riefen unterdessen Christen weltweit zu Pilgerreisen in die Region auf. Trotz der tragischen Ereignisse im Gazastreifen und der Spannungen im Nahen Osten sollten Pilger an ihren Reiseplänen festhalten. Die Pilgerrouten seien sicher.

"Gebt das Heilige Land nicht auf. Ihr seid hier immer willkommen von allen, Juden, Christen und Muslimen", schreiben die Bischöfe der Ordinarienkonferenz (AOCTS) in ihrem Aufruf. Der Pilger sei "eine Figur des Friedens und des Gebetes". Die Bewohner der Region bedürften der Solidarität, damit sie sich nicht verlassen fühlten. Zudem seien Pilgerreisen ein Beitrag zum Frieden, betonten die katholischen Oberhirten. Die Tourismusministerien Israels und Palästinas bemühten sich um einen guten Empfang der Pilger.

Im laufenden Jahr hat Israel bislang 3,3 Millionen Besucher verzeichnet. Davon seien 60 Prozent Christen. Die Zahl der Besucher von Bethlehem, der Geburtsstadt Jesu, lag demnach 2011 bei einer Million. Die größten Kontingente christlicher Pilger stellten mittlerweile nicht mehr Italiener, Deutsche und US-Amerikaner, sondern Besucher aus Indonesien, Nigeria, Polen, Portugal, Rumänien, Indien und Brasilien.

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