Ein christlicher Künstler beschäftigt sich mit göttlichen Inhalten

9. Dezember 2012 in Interview


Und versucht andere Menschen mit seinen Mitteln dort hinzuführen – KATH.NET-Interview mit dem christlichen Künstler Heinz Knapp - HINWEIS: Für kath.net-Leser Spezialpreise bei den Kunstwerken!


St. Pölten (kath.net/rn/pk)
kath.net: Heinz Knapp, als freischaffender Künstler leben Sie seit Anfang der 80iger Jahre hauptberuflich von der Kunst, sehr bald haben Sie auch begonnen sich mit christlicher Kunst zu beschäftigen. Wie wird man ein christlicher Künstler und was ist das Spezifikum eines christlichen Künstlers?

Heinz Knapp: Wenn ein Künstler gleichzeitig Christ ist, dann stellt er sich unweigerlich die Frage, wie er christliche Inhalte den Menschen bildhaft näher bringen kann. Es ist eine Herausforderung über den eigenen Zugang Facetten des christlichen Glaubens durch die Kunst anderen zugänglich zu machen.

Grundsätzlich bin ich sowieso der Meinung, dass das Künstlersein eine Berufung ist, weil man bereits bekannte Realitäten durch die eigene Subjektivität verfremdet und somit eine völlig neuartige Betrachtung schaffen kann. Das stimmt natürlich auch für den Künstler, der Profanes darstellt. Was einen christlichen Künstler angeht, ist die Herausforderung noch einmal um ein vielfaches größer, weil er sich mit göttlichen Inhalten beschäftigt und andere Menschen mit seinen Mitteln dort hinführen möchte.

kath.net: Wo sehen Sie die Aufgabe und Ziel von christlicher Kunst?

Heinz Knapp: Da fällt mir ein sehr gutes Beispiel ein. Wenn Sie an bestimmte Wallfahrtsorte kommen, was sehen Sie dort? Sie sehen Stände, wo Madonnen aus Plastik, Rosenkränze, die in der Nacht leuchten, kitschige Engel und Heiligenbilder oder sozusagen vielfach Ramsch um ein bisschen Geld zu bekommen sind. Zweifelsohne ist dies eine Einnahmequelle, aber ist es auch wirklich christliche Kunst?

Ich kenne ein wunderschönes spät-romanisches Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert, das auf mehr als bloße Betrachtung einlädt. Man hat Lust in Ruhe zu verweilen. Ich konnte beobachten, wie Menschen vor diesem Kreuz verharrten, in sich kehrten und beteten.

Diese Darstellung des Herrn zeigt wunderschön, was christliche Kunst in ihrem Wesen wirklich ist. Es führt hin zur Kontemplation, zur Verinnerlichung des Glaubens, zur Stille und letztlich zur Anbetung. Es weckt in uns die Sehnsucht, Gott und seine Geheimnisse ein Stück weit mehr zu entdecken. Bilder oder Skulpturen als Medium oder Mittel können zu allen Menschenallen Alters, aller Sprachen, Schichten und Kulturen sprechen.

Vergessen wir nicht, dass nicht immer in allen Zeiten alle Menschen lesen und schreiben konnten, deswegen gab es auch eine biblia pauperum (Bibel für die Armen) oder Flügelaltäre usw... Noch dazu lassen gegenüber dem Text Bilder einen individuellen Zugang und Rhythmus des Entdeckens zu.

Ich möchte keinesfalls Text und Bild gegeneinander ausspielen. Dennoch sind beide ganz unterschiedliche Medien, die verschiedenartige Annäherungen zu den Mysterien anbieten und schenken. Bilder sollen offenbarend wirken. Ich habe in zwei Jahre langer Arbeit einen Kreuzweg gemalt, der selbst in mir sehr viel bewegt und verändert hat, weil ich immer wieder in das Leiden unseres Herrn eintauchen durfte. An einem Bild malt man ja sehr lange und so habe nicht nur ich daran gearbeitet, es hat wahrlich in mir gearbeitet.

kath.net: Werfen Ihre Bilder vom Kreuzweg einen neuen Blick auf den Gekreuzigten? Welchen wollen Sie da vermitteln?

Heinz Knapp: Die Bilder sind absichtlich großformatig angelegt. Außerdem ist der Kreuzweg in unsere Zeit verlegt worden. Dadurch soll dem Betrachter die Möglichkeit geschenkt werden, sich mit der Aktualität der Menschwerdung und Erlösung auseinander zu setzen. Der Kreuzweg wurde ja schon im Stift Göttweig, Stift Melk, Benedikt Beuern und anderen Orten ausgestellt. Es ergaben sich zahlreiche und tief gehende Gespräche und so freut es mich umso mehr, dass ich beitragen konnte, das Geheimnis des Leidens ein bisschen profunder zu entdecken.

kath.net: Wie stehen Sie zu moderner Kunst?

Heinz Knapp: Das ist ein sehr weitläufiger Begriff. Wenn Sie zum Beispiel abstrakte Kunst meinen, so bewegt man sich hier sicher auf einem schmalen Grat. Gegenständliche Kunst hat immer eindeutige Objekte. Licht spielt eine ganz massgebliche Rolle. Es gibt ganz klare Botschaften, die einfach zu entdecken sind. Bei abstrakten Werken kann man den Hang zum totalen Subjektivismus nicht leugnen. Es ist berechtigt, sich als Künstler selbstkritisch zu hinterfragen, ob man richtige Wege geht. Da sollte man das Ohr auch bei jenen haben, die mit unserer Kunst konfrontiert werden. Abstrakte Werke können aber auch eine Art Eigentherapie sein und wenn es einem hilft Bewusstes und Unbewusstes zu "verdauen" und anderen gefällt es noch dazu, dann profitieren beide. Es gibt aber auch Leute, die dann entlarvende Fragen stellen und meinen, dass jeder ein solches Gekritzel malen kann. Das ist vielleicht nicht ganz falsch in manchen Fällen, dennoch merkt man in Form- und Farbgebung, Materialwahl und Ästethik eindeutig die Handschrift des Profis...

kath.net: "Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir..." (Augustinus).
Christliche Kunst kann dazu beitragen, den Hunger der Menschen nach Gott zu
stillen. Sehen Sie sich in Ihrem künstlerischen Dasein auch als Missionar?

Heinz Knapp: Auf jeden Fall. Ich denke da gerne an Franz von Assisi der zu seinen Jüngern sagte: " Bringt den Leuten das Evangelium, wenn nötig, predigt!" Was mich betrifft, sehe ich natürlich in meinem Künstler Dasein eine missionarische Rolle. Bilder sind einerseits ein sehr sanfter Weg, weil jeder seinen Zugang freiwillig finden kann, andererseits können sie auch ganz unverblümt und direkt mit Botschaften konfrontieren.

kath.net: Wo kann man Ihre Werke ansehen?

Heinz Knapp: Kommen Sie mich doch einfach mal besuchen. Entweder in meiner Galerie oder ganz bequem von zu Hause aus. Es gibt jetzt Gott sei Dank eine Homepage mit einem Teil meiner Werke. Natürlich wird sie auch von Zeit zu Zeit aktualisiert, teils weil die Bilder ja gekauft werden und natürlich auch damit man sehen kann, dass ich noch immer sehr aktiv bin und die Ideen nur so in mir sprudeln.

kath.net: Herzlichen Dank für das Interview

Einige Bilder von Heinz Knapp befinden sich auf der Website www.knapp-art.com. Sie können alle Bilder auch käuflich erwerben. Preisauskünfte werden per E-mail erteilt! Für kath.net-Leser gibt es einen kleinen Rabatt auf die offiziellen Preise! Bitte dies bei der Anfrage mitteilen.




© 2012 www.kath.net