Aufklärungsbroschüre: Kritik durch Familienverbände

1. Dezember 2012 in Österreich


Familienverbände: Aufklärung ja, aber nicht so - Nichteinbeziehung der Elternvertreter und Ideologie auf Kosten der Kinder bemängelt


Wien (kath.net/KAP) Die Kritik an der Aufklärungsbroschüre des Unterrichtsministeriums hält an. Auch der Katholische Familienverband Österreichs hat sich jetzt den massiven Einwänden gegen die Unterrichtsmaterialien "Ganz schön intim - Sexualerziehung für 6- bis 12-Jährige" angeschlossen und gemeinsam mit dem Freiheitlichen Familienverband und dem VP-nahen Österreichischen Familienbund einen Offenen Brief an Ministerin Claudia Schmied verfasst. Kritik erhoben weiters die katholische
Lebensschutzorganisation "Jugend für das Leben" und Eduard Habsburg-Lothringen, Medienreferent von "Familien-Bischof" Klaus Küng.

Kinder aufzuklären und "sie zu befähigen, ihren Körper zu kennen und zu schützen", sei "wichtig und richtig" stellen die Familienverbände von katholischer Kirche, Volkspartei und Freiheitlichen in ihrem Offenen Brief außer Streit. Allerdings müsse dies altersgemäß und "auf Basis der gesellschaftlichen Realität" erfolgen. Genau das sei in den kritisierten Unterrichtsmaterialien aber nicht geschehen, so die drei Organisationen, die Familieninteressen im Elternbeirat des Unterrichtsministeriums vertreten. "Es steht für uns außer Frage, dass die Materialien eingezogen und neu erarbeitet werden müssen."

Die zuletzt selbst unter "Ideologieverdacht" gestellten Verbände werfen "Ganz schön intim" ihrerseits vor, "viel zu ideologisch" ausgerichtet zu sein. Dafür sei die Schule "sicher nicht der richtige Ort".

Auch müssten die Gesetze berücksichtigt werden: Wenn beispielsweise Begriffe wie Leihmutterschaft erklärt werden, sei auf deren Verbot in Österreich hinzuweisen.

"Empörend" nannten es der Katholische Familienverband und die Mitunterzeichner, dass die Eltern bei der Erstellung der Broschüre weder einbezogen noch vorab informiert worden seien. "Bei einer so sensiblen Materie ist das Einverständnis der Eltern im Sinne der Kinder Voraussetzung!", heißt es in dem Brief. Die Verbände fordern nun von Schmied eine grundlegende Überarbeitung - "unter Einbeziehung der Mitglieder des Elternbeirats, der für genau solche Fälle eingerichtet wurde".

"'Ganz schön intim' geht ganz schön zu weit"

"Kinder haben das Recht auf eine Aufklärung, die inhaltlich ihrem Alter angepasst ist": Das hält "Jugend für das Leben" in einer Stellungnahme zur Broschüre fest. Dort sei auf genauere Altersangaben zu den einzelnen Unterrichtseinheiten "bewusst verzichtet" worden. Carina Broucek, Kindergartenpädagogin und Pressesprecherin von "Jugend für das Leben" sieht darin eine Gefahr für Sechsjährige; für diese Altersgruppe könne es "traumatische Folgen" haben, wenn sie mit denselben Inhalten konfrontiert würden wie Zwölfjährige.

Missbrauchsprävention komme - anders als behauptet - in der Broschüre "nur am Rande" vor, lautet ein weiterer Kritikpunkt von "Jugend für das Leben". Viel vordergründiger seien Ideologien rund um das Thema Sexualität nach dem Motto "Alles, was sich gut anfühlt, ist ok".

Geschlechtliche Identität werde als "ohnehin nur sozial konstruiert" dargestellt, Transsexuelle als Norm, Ausnahmeerscheinungen wie die Geschlechtsumwandlung eines Vaters, der sich als Frau fühlt, als alltäglich geschildert. Und: "Das Wunder des menschlichen Lebens wird hier einer saloppen Beliebigkeit unterworfen. Dabei wäre es gerade für Kinder in diesem Alter so wichtig zu hören, dass sie nicht nur ein Zufallsprodukt sind", so die Kritik von "Jugend für das Leben". Der Broschüre fehle zur Gänze die Stärkung der Liebesfähigkeit und Konfliktfähigkeit in einem sensiblen Thema und müsse sofort überarbeitet werden. Fazit der Lebensschutzorganisation: "'Ganz schön intim' geht ganz schön zu weit."

Ist Vater-Mutter-Kind-Familie "überholt"?

Voreingenommenheit wirft Eduard Habsburg-Lothringen der Broschüre im Blick auf die "klassische, heterosexuell ausgerichtete Form der Vater-Mutter-Kind-Familie" vor. Sie werde "praktisch total ausgeklammert" bzw. "als lästig-überholtes Bild, das sich 'hartnäckig hält'" beschrieben, so der Sprecher des St. Pöltner Bischofs in einem Gastkommentar für die Freitag-Ausgabe der Tageszeitung "Die Presse".

"Ist angesichts der Tatsache, dass immer noch 79 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Österreich in 'Erstfamilien', das heißt bei ihrem eigenen Vater und ihrer eigenen Mutter aufwachsen, diese Behandlung der Vater-Mutter-Kind-Familie wirklich angemessen?", fragt Habsburg-Lothringen. Natürlich sollten auch alle anderen Formen des Zusammenlebens respektvoll behandelt werden, "aber sicher nicht auf Kosten der weltweit bewährten und am weitesten verbreiteten Form".

Der Vater von sechs Kindern merkte mit "Irritation" an, dass kritische Anfragen an die Broschüre oft "als Zeichen von rückwärtsgewandter Prüderie abgestempelt" würden. "Wir Eltern leben im 21. Jahrhundert", so Habsburg-Lothringen. "Wir tragen Verantwortung und nehmen sie ernst. Wir schreien auch nicht 'Huch', wenn irgendwo das Wort 'Penis' steht."

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