
11. November 2012 in Österreich
Eisenstädter Bischof resümiert im Kanzelwort zum Martinsfest die Bischofssynode - Vorbild des Heiligen Martins von "hoher Aktualität".
Eisenstadt (www.kath.net/ KAP)
Neuevangelisierung wird vor allem durch den persönlichen Einsatz und den gelebten Glauben der einzelnen Christen ermöglicht. Das betont der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics in seinem "Kanzelwort" zum Fest des Diözesan- und Landespatron des Burgenlandes, dem Heiligen Martin, am 11. November. In dem Schreiben, das in den burgenländischen Pfarren verlesen wird, fasst Zsifkovics die Ergebnisse der im Oktober in Rom abgehaltene Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung zusammen, bei der er die Österreichische Bischofskonferenz vertrat.
Das Jahr 2012 bezeichnet Zsifkovics in dem Bischofswort als "Moment des Neuaufbruchs und Neubeginns der Kirche". Ziel sei, den Glauben wieder als Lebensentscheidung zu vermitteln. "Unser Glaube ist keine Ansammlung von Lehrsätzen, sondern eine lebendige Beziehung zu Christus", betont der Eisenstädter Bischof.
"Weltkirchliche Atmosphäre und Geist des Konzils" sowie auch "Aufbruchsstimmung" hätten alle Beratungen und Begegnungen der Synode geprägt, berichtet der Bischof. "Ein Geist so groß und strahlend, dass er der Kirche auf ihrem Weg in die Zukunft noch für Jahrzehnte vorausleuchten wird." Übermitteln möchte Zsifkovics den Gläubigen die "Gewissheit, dass es bei aller sprachlicher und kultureller Vielfalt eine große und großartige Einheit unserer Kirche gibt, in der der Geist Gottes lebendig am Wirken ist", zudem auch die "Sicherheit", dass Papst Benedikt XVI. mit den Sorgen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Kirche in Österreich genau kenne.
Kirche muss persönlich und emotional ansprechen
Für die Neuevangelisierung gebe es "keine Zauberformel oder Strategie", denn sie werde erst "durch persönlichen Einsatz und durch persönliche Lebensdimension möglich", betont Zsifkovics. Sie beziehe sich auf ein Tun und Reden der Kirche, das die Menschen "nicht nur lau erwärmen, sondern sie in ihren konkreten Lebenswirklichkeiten persönlich und emotional erreichen muss, um ihre Herzen im Glauben zu entzünden."
Der Eisenstädter Bischof beschreibt mehrere Dimensionen der Neuevangelisierung, die "das Verhältnis von Gebet, Gottesdienst und Sakramenten" betreffe. Sie stelle etwa die Frage, wie regelmäßig sich Gläubige zum Gottesdienst zusammenfinden, oder erfordere eine geeignete Katechese für die Tauf-, Firm- und Erstkommunionvorbereitung, da Glaubenswissen und -praxis immer stärker im Schwinden begriffen seien. Die Beichte, die der moderne Mensch vergessen habe, solle aufgrund ihrer heiligenden und heilenden Wirkung neu entdeckt werden, zudem geschehe Neuevangelisierung vor allem in Familien und Pfarren, da hier "der Same des Glaubens" gelegt werde.
Zsifkovics appelliert deshalb für eine Vertiefung der Beziehung zu Jesus Christus, zu einem besseren Kennenlernen der Glaubensinhalte, zu einer stärkeren Glaubenspraxis in Familien und Pfarrgemeinden und zu gelebter Solidarität, da dies die "eigentliche Neuevangelisierung" sei. Wo diese gelinge, gebe es morgen eine andere Kirche und eine andere Welt.
Geformte Laien sind Schatz der Kirche
Trotz ihrer gedanklichen Vielfalt seien sich die Bischöfe der Synode darüber einig gewesen, so Zsifkovics weiter, dass Neuevangelisierung bei geistlichen Menschen - er führt hier die Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute und die in der Verkündigung tätigen Laienchristen an - anzusetzen habe. Gemäß der "biblischen Urforderung der inneren Umkehr und Bekehrung zu Gott" gehe es darum, die Geistlichkeit und die Glaubwürdigkeit priesterlicher Existenz wieder zu finden.
Ebenso müsse die Kirche jedoch auch die "geformten Laien" stärker als ihren "großen Schatz" wahrnehmen und bekennen: Nur so könnten "alte Dünkel überwunden" und die "Würde und Verantwortung der Laien in der Kirche" erkannt und praktisch umgesetzt werden. "Die unantastbare Qualität des Weihesakramentes kann und darf jedoch nicht mit den Ermüdungserscheinungen priesterlicher Kultur gegenverrechnet werden!", betont der Bischof, der als Hauptproblem der Kirche die zivilisatorische Ermüdung des christlichen Glaubens sieht. "Weder eine Säkularisierung des Priesters noch eine Klerikalisierung der Laien" könnte diese beenden, da es am Akt des Glaubens als eigentliche Wurzel, kranke.
Sympathischer Heiliger
"Glaube" definiert Zsifkovics als "Haltung des Menschen", in der Welt auch mit einem Fixpunkt außerhalb der erfahr- und überprüfbaren Wirklichkeit zu rechen. Nicht vom Wissen her allein, sondern erst aus einer Haltung des Glaubens finde der Mensch zum Sinn des Lebens und der Welt. Christlicher Glaube sei deshalb ein "Sich-Anvertrauen an eine Wahrheit hinter den Dingen". Da Glaube nicht immer leicht falle, bräuchten Menschen stets einen "Türöffner". Beispiele dafür seien tiefgreifende Erlebnisse oder Begegnungen mit wegweisenden Menschen.
In herausragender Stellung sieht der Bischof hier das Lebensbeispiel der Heiligen. Sankt Martin sei ein "sympathischer Heiliger" und "großer Türöffner": "So einfach, so praktisch, so konkret und für jedermann verständlich ist seine christliche Tat des Teilens." Zugleich beinhalte Martins Leben Symbolik von hoher Aktualität: Er stelle angesichts der Forderung nach Gleichschritt die Sinn- und Gottesfrage und kehre um zu Gott, kämpfe mit Mitleid mit dem Geringsten gegen den Beschleunigungs- und Wohlstandswahn an und verdeutliche als "Brückenbauer zwischen Rom und dem Frankenreich" die Geschwisterlichkeit aller Menschen.
Kölner Kardinal feiert in Eisenstadt St. Martin
Mit dem Martinsfest am 11. November wird in der Diözese Eisenstadt das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr des Glaubens" eröffnet. Als prominenter Gast wird der Kölner Kardinal Joachim Meisner gemeinsam mit Diözesanbischof Zsifkovics am Sonntag um 10 Uhr im Eisenstädter Martinsdom den Festgottesdienst leiten. Ab 14 Uhr stellt Zsifkovics in der Wirtschaftskammer Eisenstadt das diözesane Programm zum "Jahr des Glaubens" vor, Kardinal Meisner hält einen Vortrag zum Thema "Die Tür des Glaubens steht offen - Gedanken zum Jahr des Glaubens".
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