
5. November 2012 in Aktuelles
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hat die Anhänger des alten Messritus aufgerufen, auch die heutige Form der Liturgie in der katholischen Kirche vorbehaltlos anzuerkennen
Vatikanstadt (kath.net/KNA/red) Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hat die Anhänger des alten Messritus in Namen des Papstes aufgerufen, auch die heutige Form der Liturgie in der katholischen Kirche vorbehaltlos anzuerkennen. Es sei eine «gute Sache, die Reichtümer, die aus dem Glauben und dem Gebet der Kirche gewachsen sind, zu bewahren und ihnen den angemessenen Raum zu geben», heißt es in einer von Bertone im Namen des Papstes unterzeichneten Botschaft. Gleichzeitig müsse jedoch «der Wert und die Heiligkeit» des ordentlichen Messritus «vollständig anerkannt» werden, zitiert der «Osservatore Romano» (Dienstag) aus der Botschaft.
Der Papst habe mit seinem Erlass «Summorum Pontificum» auf die Erwartung jener Katholiken reagiert, die den früheren Formen der Liturgie verbunden seien, heißt es weiter. Im «Jahr des Glaubens», in dem die Kirche die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren feiere, müssten alle Gläubigen in besonderer Weise ihre Einheit im Glauben zum Ausdruck bringen, so die auf französisch verfasste Botschaft. Nur so könne der Glauben überzeugend verkündet werden.
Die Botschaft wurde am Wochenende vor Anhängern des alten Ritus vorgetragen, die zu einer internationalen Pilgerfahrt nach Rom gekommen waren. Organisatoren waren mehrere katholische Gruppen und Bewegungen, die sich unter dem Titel «Coetus internationalis Summorum Pontificum» zusammengeschlossen haben. Der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation, Kardinal Antonio Canizares Llovera, hatte am Samstag am Kathedra-Altar des Petersdomes mit den Teilnehmern die Messe im "alten Ritus" gefeiert. Es war das erste Mal seit der Wiederbeheimatung des alten Ritus in der Kirche, dass ein Spitzenvertreter der römischen Kurie die Messe an einem Hauptalter des Petersdomes in der außerordentlichen Form feierte.
Mit dem Erlass «Summorum Pontificum» hatte Benedikt XVI. dem sogenannten tridentinischen Messritus, der nie abgeschafft wurde, von September 2007 an wieder volles Heimatrecht in der Kirche zuerkannt. Als "tridentinische" Messe wird geläufig die allein lateinischsprachige Liturgie im "alten" Ritus bezeichnet, wie sie nach dem Konzil von Trient (1545-1563) für die katholische Kirche in der ganzen Welt vorgeschrieben war. Die Messbücher sowie alle anderen Formen des Gottesdienstes wurden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) schrittweise durch eine erneuerte Liturgie ersetzt, die dann in der Regel in der jeweiligen Landessprache gefeiert wird. Latein blieb und bleibt aber, dem Willen des Konzils entsprechend, weiterhin die Sprache der römischen Liturgie.
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