
4. November 2012 in Aktuelles
ARD-Sendung Beckmann: Totschläger berichtet über seine Hinwendung zu Gott
Hamburg (kath.net/idea) Die Natur des Bösen kann jeder Mensch zum Mörder werden? Über dieses Thema wurde am 1. November in der ARD-Sendung Beckmann diskutiert. Mitwirkende waren der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), der baptistische Theologiestudent Johannes Kneifel (Elstal bei Berlin), der als 17-Jähriger einen Mann zu Tode geprügelt hatte (kath.net hatte bereits berichtet), zwei Psychologen und eine Kriegsreporterin.
Kneifel ging auf die Frage ein, warum er gemeinsam mit einem anderen Rechtsradikalen im August 1999 in Eschede einen Mann so schwer zusammenschlug, dass er einen Tag später starb. Das Opfer sei für ihn ein Feindbild gewesen, so Kneifel. Er habe ihm eigentlich nur eine Abreibung verpassen wollen, doch die Situation sei eskaliert. Er habe geglaubt, auf Seiten der Guten zu stehen.
Heute wisse er, dass es nie gut sei, wenn menschenfeindliche Ideologien das Leben bestimmten, so Kneifel, der seine Tat entsetzlich nannte. Er wurde dafür zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt.
Im Jugendgefängnis in Hameln, wo er zunächst als nicht therapierbar galt, machte er eine Gotteserfahrung, die sein Leben veränderte. Im Gefängnisgottesdienst habe er gemerkt, dass Gott zu ihm spreche und ihm eine neue Chance gebe, wenn er sein altes Leben hinter sich lasse, so Kneifel. Im Gebet habe er auch Vergebung für seine Tat erfahren.
Der EKD-Ratsvorsitzende gratulierte Kneifel zu diesem Erweckungserlebnis. Er hielt es auch nicht für anmaßend, dass der Student seinem Buch über seine Lebenswende den Titel Vom Saulus zum Paulus gegeben habe. Es handele sich um einen historischen Vergleich, er in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sei, so Schneider. Die anderen Gäste blieben skeptisch. Die Kriegsreporterin Carolin Emcke bekannte, sie werde nervös, wenn die Ermordung eines Menschen so umdefiniert werde, das sie dem Verbrecher nach einer Lebensveränderung eine besondere Glaubwürdigkeit verleihen solle. Der Psychiater Prof. Frank Urbaniok nannte Kneifel eine absolute Ausnahme.
Manche haben Spaß daran, die Macht des Bösen zu spüren
Kann man Mitgefühl antrainieren? Die Psychologin Susanne Preusker, die im Gefängnis Sexualstraftäter therapierte und 2009 von einem Häftling als Geisel genommen und vergewaltigt wurde, hält solche Konzepte für einen Irrweg. Es gebe emotional arme Menschen, die kaum empfinden könnten. Manche hätten Spaß daran, sich im Grenzbereich menschlichen Seins zu bewegen und dabei die Macht des Bösen zu spüren. Preusker kann nach eigenen Worten dem Täter nicht verzeihen. Es gebe Leute, denen macht das einfach Spaß. Das lässt sich nicht wegtherapieren.
Moderator Reinhold Beckmann wollte wissen, warum uns das Böse fasziniert ´und wir gebannt darauf schauen. Schneider unterbrach ihn: Die Theologie sagt: Lass das. Wichtiger sei es, sich nicht am Bösen, sondern am Guten zu orientieren.
kathTube-Video: Johannes Kneifel / Politik direkt![]()
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