
11. Oktober 2012 in Weltkirche
Philippinischer Erzbischof Villegas: Lebensstil "mit gut gefülltem Bauch" ist nicht solidarisch mit den Armen - Teilnehmer der Weltbischofssynode im Vatikan gedachten am Dienstag auch der Opfer in Syrien
Vatikanstadt (kath.net/KAP) Stark selbstkritische Töne zum Auftreten von Bischöfen und Priestern sind am Dienstag bei der Bischofssynode im Vatikan zu vernehmen gewesen: Das berichten die katholischen Agenturen CNS (Washington) und APIC (Fribourg) am Mittwoch unter Berufung auf das offizielle englischsprachige Pressebriefing von P. Thomas Rosica zur Arbeit der Synode.
Kardinal Christoph Schönborn habe demnach "Ängstlichkeit" vor der Kirche gegenüber feindselig eingestellten Personen konstatiert, Kardinal Zenon Grocholewski Mangel an Demut und "Eingebildetheit" und der salvatorianische Bischof Jose Rauda Gutierrez das Fehlen von Freude und Hoffnung. Der philippinische Erzbischof Socrates Villegas schließlich habe sich gegen einen Lebensstil "mit gut gefülltem Bauch" gewandt. Dieser sei unsolidarisch mit den Armen und mache unglaubwürdig. Villegas habe dafür großen Applaus erhalten, betonte Rosica.
Kardinal Grocholewski, der die römische Bildungskongregation leitet, habe sich kritisch mit der Entwicklung der kirchlichen Schulen und Universitäten auseinandergesetzt. Es gebe zwar davon mehr als je zuvor, aber gleichzeitig sei auch deren Wachstum von einer Krise des Glaubens begleitet. Auch für Priester gelte, dass "viele Jahre akademischer Studien mit brillanten Abschlüssen niemanden zu Jesus Christus führen", wenn der Lehrende nicht selbst "ein zutiefst Überzeugter" sei.
Die Teilnehmer der Weltbischofssynode gedachten am Dienstag auch der Opfer in Syrien. "Besorgt über die tragische Situation des syrischen Volkes versichern der Papst und die Synodenväter den Menschen dieses von so viel Gewalt gepeinigten Landes ihre Anteilnahme", sagte Kurienerzbischof Nikola Eterovic, wie die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Mittwoch) berichtet. Die Bischöfe beteten ständig für die "Opfer der vielen Barbareien", die hauptsächlich Arme und Kinder träfen, so der Generalsekretär der Bischofssynode. Man hoffe auf ein schnelles Ende des Krieges und auf eine gerechte Lösung.
Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, rief die Bischöfe zur Einheit untereinander und mit dem Papst auf. Für eine Neuevangelisierung sei eine Überwindung "gewisser innerkirchlicher Debatten" erforderlich, die "immer dieselben Themen" vorlegten. Vielmehr müsste der christliche Glaube in seiner Gesamtheit und Neuheit wieder Thema werden, so Müller. Darin fänden die Bischöfe die Kraft der Gemeinschaft, die nie zum Deckmantel für eine missverstandene Autonomie werden dürfe.
Man müsse von der Demut Jesu lernen, sagte der Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle. Eine demütige Kirche wäre nicht mehr so sehr mit sich selbst beschäftigt.
Für weniger Bürokratie in der Kirche sprach sich Kurienerzbischof Rino Fisichella vor den Synoden-Teilnehmern aus. Der Erzbischof von San Antonio in den USA, Gustavo Garcia-Siller, forderte eine "Weihe der Welt an den Heiligen Geist", die zu einer Neubelebung des Glaubens der Kirche führen könnte.
Der als Gast anwesende evangelische Bischof Simo Peura aus Finnland wies auf eine Notwendigkeit eines Katechese-Programms hin, das die wichtigsten Glaubenselemente vermitteln könnte. Angesichts desselben Problems habe Martin Luther vor 500 Jahren seinen "kleinen Katechismus" entworfen, den man leicht auswendig lernen könne.
Der Protestant und Vorsitzende der "American Bible Society" Lamar Vest verwies auf die gemeinsame Grundlage aller Christen, das Wort Gottes. In allen Veränderungen der Welt gebe die Bibel Hoffnung.
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