
12. September 2012 in Weltkirche
Die höchsten religiösen Würdenträger von Bosnien-Herzegowina und Serbien ermutigten in ihren Ansprachen zu einem Ende gegenseitiger Schuldzuweisungen, von Bitterkeit und Hass.
Sarajevo (kath.net/KNA) Mit einer Friedensprozession, einem Gebet und einem Aufruf aller Religionen zum Frieden ist am Dienstag ein interreligiöses Treffen in Sarajevo zu Ende gegangen. Das Thema der diesjährigen Begegnung auf Einladung der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio lautete «Zusammenleben ist die Zukunft - Religionen und Kulturen im Dialog».
Sant'Egidio veranstaltet seine jährlichen Friedenstreffen nach dem Vorbild der historischen Weltgebetstage für den Frieden in Assisi (1986 und 2010) in verschiedenen Städten, um die Friedensbotschaft von Assisi zu verbreiten. Nach München im Vorjahr war diesmal, 20 Jahre nach Beginn von Bosnien-Krieges (1992-1995), Sarajevo Schauplatz. Seit 2002 finden die Treffen immer im September statt, um auch der Opfer der Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 zu gedenken.
Papst Benedikt XVI. rief in einem Grußwort zu einer «Allianz der Religionen» zum gemeinsamen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit auf. Dieser Allianz sollten sich auch nichtreligiöse Menschen anschließen. Die höchsten religiösen Würdenträger von Bosnien-Herzegowina und Serbien ermutigten in ihren Ansprachen zu einem Ende gegenseitiger Schuldzuweisungen, von Bitterkeit und Hass.
Die Belagerung von Sarajevo im Bosnien-Krieg hatte am 5. April 1992 mit der Einnahme des internationalen Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee begonnen. Sie endete am 29. Februar 1996 und war mit 1.425 Tagen die längste Belagerung im 20. Jahrhundert. Während der Belagerung wurden etwa 11.500 Menschen aller Ethnien getötet, darunter 1.600 Kinder.
Die im Mai 1968 in Rom entstandene katholische Bewegung Sant'Egidio widmet sich der karitativen Arbeit, der Diplomatie in Bürgerkriegsgebieten sowie dem Dialog der Religionen. Sie hat nach eigenen Angaben rund 60.000 Mitglieder in 70 Ländern, davon 5.000 in Deutschland. Ihr Hauptsitz befindet sich im römischen Stadtteil Trastevere, ihr deutsches Zentrum seit 1983 Würzburg. Seit 1986 ist die ökumenisch stark engagierte Gemeinschaft von der katholischen Kirche als Laienvereinigung anerkannt.
Gründer der Gemeinschaft ist der italienische Historiker Andrea Riccardi (62), derzeit Minister im Kabinett von Ministerpräsident Mario Monti. Für seinen Einsatz für Frieden wurde Riccardi 2009 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet.
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