
4. Juli 2012 in Chronik
Die Vatikanbank will transparenter werden - Von Thomas Jansen (KNA)
Vatikanstadt (kath.net/KNA) Von einer Bank, deren Einlagen etwa in der Größenordnung jener der Kreissparkasse Ludwigsburg liegen, nimmt die Weltpresse normalerweise keine Notiz. Es sei denn, sie heißt «Institut für die religiösen Werke», veröffentlicht keine Bilanzen und steht im zweifelhaften Ruf als Geldwäscheparadies für Mafiosi und andere zwielichtige Gestalten.
Nur so erklärt sich das große Interesse an den Zahlen, die jüngst von der Vatikanbank IOR einer Gruppe von rund 50 Journalisten mitgeteilt wurden. Abweichend von langjähriger Praxis gab der Verantwortliche für das operative Geschäft, Paolo Cipriani, einige Eckdaten bekannt, die bislang nicht offiziell vorlagen oder nur unter der Hand kursierten. Die Vatikanbank solle ein «Glashaus» werden, so Cipriani, gegen den die italienische Staatsanwaltschaft seit 2010 wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt.
Das IOR verwaltet nach Angaben Ciprianis gegenwärtig insgesamt 33.000 Konten mit Einlagen in Höhe von sechs Milliarden Euro. Die Zahl der Konten kursierte in der italienischen Presse schon seit längerem. Die Höhe der Einlagen war bislang in Medienberichten mit fünf Milliarden Euro angegeben worden. Nur in Ansätzen bekannt war, wie sich die Kundschaft des IOR zusammensetzt. Cipriani teilte mit, dass mit 77,3 Prozent die große Mehrheit der insgesamt 25.000 Kunden aus Europa (ohne Vatikan) stammt. Bemerkenswert ist, dass nur 7,3 Prozent der Kunden aus dem Vatikan selbst kommen. Ein nennenswerter Anteil entfällt mit 6,3 Prozent auch auf Afrika. Aufschlussreich wäre die zusätzliche Information gewesen, wie viele Konten auf Italiener oder auf Orden entfallen.
Ebenfalls nicht offiziell bekannt war auch, dass die Vatikanbank eine Goldreserve bei der US-Notenbank Fed in New York unterhält. Jedoch handele es sich nur um eine kleine Menge, so Cipriani. Offen blieb unter anderem, wie viel Gewinn das IOR zuletzt pro Jahr erwirtschaftete. Nur so viel ist bekannt: 2010 überwies sie dem Papst 55 Millionen Euro für mildtätige Zwecke. Von waghalsigen Spekulationen a la Real Estate lässt die Vatikanbank die Finger. Geld wird nur in Wertpapieren angelegt, deren Bonität mindestens mit A bewertet wird.
Und wer darf ein Konto beim IOR eröffnen? Angesichts gehäufter Medienberichte über zwielichtige Gestalten, die ihr Schwarzgeld angeblich im Schatten des Petersdoms parkten, behandelte Cipriani dieses Thema besonders ausführlich. Nach seinen Angaben dürfen Laien nur ein Konto beim IOR eröffnen, soweit sie Angestellte oder Pensionäre des Vatikan sind, zum Diplomatischen Corps oder zum Kreis der «Ehrenkammerherren Seiner Heiligkeit» zählen.
Auf diese Weise können auch italienische Politiker oder Unternehmer Kontoinhaber beim IOR sein. Insgesamt hielten Laien aber weniger als ein Prozent der insgesamt 33.000 IOR-Konten. Seit Oktober 2007 habe kein Laie mehr ein Konto bei der Vatikanbank mehr eröffnet, so Cipriani. Auch Nummernkonten, die Dunkelmännern aller Art die Möglichkeit geben könnten, sich hinter anonymen Zahlenfolgen zu verstecken, gibt es nach seinen Angaben nicht. Auf die Frage eines Journalisten, ob nicht die Möglichkeit bestehe, dass Konten von Strohmännern geführt würden, bleibt er jedoch eine erschöpfende Antwort schuldig.
Cipriani hob hervor, dass das IOR Alles tue, um Geldwäsche zu verhindern - und dass sie verdächtige Überweisungen an die vatikanische Finanzaufsichtsbehörde melde. Schon vor Inkrafttreten des Anti-Geldwäsche-Gesetzes am 1. April 2011 habe man wirksame Vorkehrungen gegen einen solchen Missbrauch der Konten getroffen. Zudem erläuterte er, dass auch eine rückwirkende Anwendung des Anti-Geldwäsche-Gesetzes möglich sei.
Wie lange das im festungsartigen Turm des Papstes Nikolaus V. untergebrachte IOR braucht, um sich zumindest im übertragenen Sinne in ein «Glashaus» zu verwandeln, bleibt einstweilen abzuwarten. Von einem Jahresbericht, wie ihn etwa die Kreissparkasse Ludwigsburg veröffentlicht, war beim Journalistenbesuch im IOR keine Rede.
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