Paraguays Präsident Lugo abgesetzt

23. Juni 2012 in Aktuelles


Das linksgerichtete Staatsoberhaupt wurde am Freitag vom Parlament des Amtes enthoben.


Asuncion (www.kath.net/ KNA)
Paraguays Parlament hat am Freitag (Ortszeit) Präsident Fernando Lugo mit deutlicher Mehrheit abgesetzt. Einen Tag zuvor hatte die Abgeordnetenkammer des südamerikanischen Landes eine Amtsenthebungsklage gegen den linksgerichteten Präsidenten beim zuständigen Senat eingereicht. Begründet wurde die Klage mit einer mangelhaften Ausübung seins Amtes in Zusammenhang mit den jüngsten Bauernprotesten bei denen nach Medienberichten 17 Menschen ums Leben kamen.

Der ehemalige katholische Bischof war vor vier Jahren ins Amt gewählt worden. Zugleich endete damit eine mehr als 60 Jahre andauernde Herrschaft der Colorado-Partei. Als Nachfolger wurde bereits der bisherige Vizepräsident Federico Franco von der „Liberal-radikal authentischen Partei“ (PLRA) vereidigt. Franco soll das Präsidentenamt bis zu den turnusmäßigen Wahlen im April 2013 ausüben. Südamerikas Staatengemeinschaft Unasur kritisierte das Vorgehen. Das Wirtschaftsbündnis Mercosur kündigten Maßnahmen gegen die neue Regierung an.

Vor der Abstimmung hatten die paraguayischen Bischöfe ihren ehemaligen Kollegen Lugo zum Rücktritt aufgefordert. „Um die Spannung im Land zu lösen“, so die Bischöfe Claudio Gimenez und Edmundo Valenzuela nach einem Treffen mit Lugo.

Lugo, geboren 1951, wurde nach einem Theologiestudium 1977 zum Priester geweiht und arbeitete für den Orden der Steyler Missionare zunächst in Ecuador, dann in seinem Heimatland Paraguay. Dabei machte er sich durch seinen Einsatz für Arme einen Namen. Wegen eines Konflikts mit dem Regime Alfredo Stroessners verbrachte Lugo die Jahre von 1983 bis 1987 in Rom. Dort studierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana Soziologie. Nach Paraguay zurückgekehrt, wurde er 1994 Bischof von San Pedro.

2006 beantragte Lugo beim Vatikan seine Rückversetzung in den Laienstand, um sich seiner politischen Karriere widmen zu können. 2008 gab Papst Benedikt XVI. dem Antrag statt. Wenig später wurden frühere sexuelle Affären Lugos bekannt. Erst vor zwei Wochen hatte Lugo die Vaterschaft eines Kindes anerkannt.

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