Finanztransaktionssteuer: Kardinal kritisiert Camerons Haltung

29. April 2012 in Weltkirche


Vorsitzender der Schottischen Bischofskonferenz, Kardinal O'Brien, in BBC-Interview: "Nicht nur reiche Kollegen in der Finanzbranche schützen, sondern auch moralische Verpflichtung annehmen, Armen zu helfen"


London (kath.net/KAP) Keith Kardinal O'Brien (Foto) hat die britische Regierung unter David Cameron scharf angegriffen. "Schützen Sie nicht nur Ihre reichen Kollegen in der Finanzbranche - sondern erinnern Sie sich an die moralische Verpflichtung, den Armen in unserem Land zu helfen", sagte der Vorsitzende der Schottischen Bischofskonferenz am Sonntag in einem BBC-Radiointerview.

Hintergrund ist der aktuelle Sparkurs der Regierung und Camerons Weigerung, eine sogenannte "Robin-Hood-Steuer" auf nationaler Ebene einzuführen. Aktivisten schätzen, dass mit einer Abgabe von 0,05 Prozent auf Börsengeschäfte im Vereinigten Königreich jährlich rund 20 Milliarden britische Pfund (Tageskurs 24,5 Milliarden Euro) zusammenkommen, von denen die ärmeren Bevölkerungsschichten profitieren könnten. Cameron lehnt bislang eine solche Steuer mit dem Hinweis auf die angespannte Wirtschaftslage ab. Stattdessen plant er unter anderem eine Senkung der Unternehmenssteuer, um der schwächelnden Binnenkonjunktur wieder auf die Beine zu helfen.

Eine Finanztransaktionssteuer helfe den Armen "ein klein wenig von den Reichen zu nehmen", sagte der Erzbischof von Edinburgh. Dabei gehe es nicht nur um Menschen, die auf der Straße lebten, betonte der Kirchenmann. "Ich denke auch an all die Leute, die sich selbst noch bis vor kurzem als einigermaßen wohlhabend bezeichnet hätten: Menschen, die für ihre Rente Geld zurückgelegt haben und jetzt feststellen, dass ihre Altersversorgung nicht mehr existiert; Hausbesitzer, die überlegen, ihr Eigenheim aufzugeben, für das sie jahrelang gespart haben; junge Paare, die von Armut bedroht sind."

Diese Bevölkerungsschichten hätten unter den Finanzkrisen der jüngsten Vergangenheit am meisten zu leiden. "Es ist unmoralisch, diese Menschen zu ignorieren und zu sagen: 'Kämpft weiter', während die Reichen unbehelligt weitersegeln können", so O'Brien.

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Foto Keith Kardinal O'Brien: Archdiocese of St Andrews and Edinburgh


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