Heilung von Krebs auf Fürsprache eines Paderborner Priesters?

24. April 2012 in Chronik


1997 verschwand der Magenkrebs im Endstadium bei einem 33-jährigen US-Amerikaner, der von den Ärzten zum Sterben nach Hause geschickt worden war. Familienangehörige hatten den Wehrmachtskaplan Franz Stock (1904-1948) um Fürbitte gebeten.


San Francisco (kath.net/pl) Wurde ein damals 33-jährigen US-Amerikaner 1997 durch die Fürsprache des Paderborner Priesters Franz Stock möglicherweise von Magenkrebs im Endstadium geheilt? Das untersucht jetzt die Vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, nachdem dies die Erzdiözese San Francisco hatte prüfen lassen und ihren Bericht nach Rom weitergeschickt hat. Falls das Wunder anerkannt wird, könnte Franz Stock selig gesprochen werden. Darüber berichtet die Diözesanzeitung „Catholic San Francisco“.

Dem 33-Jährigen war 1997 von seinen Ärzten eröffnet worden, dass er nur noch drei Monate zu leben habe. Sein gesamter Magen war bereits entfernt worden, er hatte bereits vom Krebs befallene Lymphknoten. Doch nach diesen drei Monaten wurde er als frei von Krebs erklärt, medizinische Test konnten keine Spuren einer Krebserkrankung mehr nachweisen. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist die Krebserkrankung nicht wieder ausgebrochen. Er ist inzwischen verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von sieben und neun Jahren.

Familienmitglieder baten den 1948 verstorbenen Kaplan Franz Stock um seine Fürbitte, der Erkrankte allerdings nicht. Erst nach seiner Gesundung fing er an, sich näher mit Franz Stock zu beschäftigen und entdeckte Parallelen zwischen seinem eigenen Leben und dem Leben des Paderborner Kaplans. Der Geheilte spricht selbst davon, dass es sich „möglicherweise um einen besonderes Eingreifen“ handeln könnte: „Ich hätte da gern eine leichte Antwort, aber ich habe sie nicht“.

Der mit dem Fall betraute Kirchenrechtler der Erzdiözese, Robert Graffico, sagte: „Die Ärzte fielen aus allen Wolken. Denn er hatte Krebs im IV. Stadium und man hatte ihn nach Hause gesandt, damit er seine Angelegenheiten ordnen und sterben sollte“.

Franz Stock lebte von 1904 bis 1948. Als Militärkaplan der deutschen Wehrmacht betreute er mehrere Gefängnisse in Paris, in denen die deutsche Besatzungsmacht französische Kriegsgefangene festhielt. Stock gefährdete sein eigenes Leben, um den Kriegsgefangenen in einer Zeit der Verzweiflung, der Folter und der Drohungen gegen ihre Familien mit geistlichem Zuspruch, mit geheimer Kontaktaufnahme mit ihren Familien, mit der Versorgung mit Schreibzeug, Bekleidung und Schokolade ihr Los zu erleichtern. Er begleitete mindestens 700 Menschen seelsorgerlich direkt vor und während ihrer Hinrichtung, er war Augenzeuge von tausenden von Erschießungen durch die Nazis. Im Dezember 1941 schrieb er in sein Tagebuch: „Allein in dieser Woche habe ich 72 Männer auf ihren Tod vorbereitet, ihnen beim letzten Atemzug Beistand geleistet und sie beerdigt“ [Rückübersetzung aus dem Englischen]. In einem anderen Tagebucheintrag schrieb Kaplan Stock über einen 28-Jährigen, welcher am Tag seiner Hinrichtung noch das Sakrament der Taufe empfing: „Er hatte allen Mut verloren. Mit meiner Hilfe gewann er wieder Zuversicht… Er empfing seine Erstkommunion mit bewegendem Ernst … Seine letzten Worte im Moment des Todes waren: ‚Herr, hab Erbarmen mit mir‘“.

Nach der Befreiung Frankreichs war Stock kurzfristig selbst Kriegsgefangener der Amerikaner. Nach seiner Befreiung leitete er als Regens das mit Unterstützung des Nuntius in Frankreich, Angelo Roncalli (später Papst Johannes XXIII.), das Priesterseminar im Kriegsgefangenenlager in Chartres, ein sogenanntes „Stacheldrahtseminar“. Nuntius Roncalli sagte über Franz Stock: „Abbé Franz Stock – das ist kein Name, das ist ein Programm!“.

Im Jahr 2009 hatte der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, das Seligsprechungsverfahren für Franz Stock eröffnet.

kathTube: Franz Stock, le saint homme (französischsprachige Dokumentation über den Paderborner Priester Franz Stock)



Foto Franz Stock: © Erzbistum Paderborn


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