Hurra, hurra, ein Kobold, der wird 50 Jahr'

21. Februar 2012 in Familie


Was vom Pumuckl-Mythos übrig ist - eine Spurensuche. Von Veronika Wawatschek (KNA)


München (kath.net/KNA) «Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt» - mit diesen Worten bleibt der Kobold am 21. Februar 1962 im Radio am Leimtopf hängen und wird hörbar. Die Sprecher sind längst gestorben, nicht aber der Pumuckl-Mythos.

«Geburtstag ist ein schöner Tag, ich jeden Tag Geburtstag mag», dichtet der Kobold in der 72. Folge. Pumuckl-Mama Ellis Kaut hält dagegen wenig von Jubiläumsgerede. Die 91-Jährige lebt zurückgezogen in München. Im Alter habe sie zur Bildhauerei zurückgefunden, erzählt die Autorin auf ihrer Homepage. Nicht umsonst habe in der Bibel der Herr den Menschen aus Lehm geformt. «Es ist etwas Ungeheuerliches, wenn ein Stück Lehm zum Leben erwacht.» Pumuckls Geschichte als Schöpfungsgeschichte? Eine gewagte Analogie. Und doch lässt sich nicht leugnen, dass die Autorin mit dem Kobold etwas Bleibendes geschaffen hat - zumindest, wenn man Fans wie Armin Krattenmacher besucht. «Da hat mich seinerzeit ein Geistesblitz überfallen», sagt der 48-Jährige, selbst Schreinermeister im oberbayerischen Ohlstadt und Betreiber des Pumuckl-Museums. Ein Raum nur, darin aber stellt er so ziemlich alles aus, was ein Kobold mag: die Schiffschaukel, auch das Pumuckl-Bett hat er originalgetreu nachgebaut.

Allein, der Kobold ist für Normalsterbliche unsichtbar. «So wie es sich für einen echten Klabautermann eben gehört», sagt Krattenmacher. Seit dem Rechtsstreit mit der Zeichnerin hat er alle Pumuckl-Figuren aus dem Museum entfernt. Die Besucher kommen trotzdem. 5.000 bis 10.000 Leute aus allen Altersgruppen seien es im Jahr, schätzt er. «Das wichtigste am Pumuckl ist doch, dass er was für alle Generationen ist.»

Das findet auch der 27-jährige Sebastian Kuboth. Vor elf Jahren hat er den Pumuckl wiederentdeckt, alte Filme aus Kindertagen angeschaut, Kontakt zu Schauspielern und Regisseuren aufgenommen. 2004 zog er aus Unterfranken nach München. Aus anfänglichen Streifzügen entwickelte sich eine Pumuckl-Stadtführung. Auf seiner Tour zeigt Kuboth ehemalige Drehorte wie die Fassade von Meister Eders Stammtisch-Wirtshaus. Dabei gerät er ins Schwelgen über die «Werte des Kobolds": Entschleunigung als ureigene Pumuckl-Norm oder auch die Genügsamkeit des Schreinermeisters.

Dass die Geschichten «pädagogisch wertvoll» sind, da sind sich der Stadtführer und der Museumsbetreiber einig. Auch Günter Hess stimmt in das Lob mit ein. Der ehemalige Toningenieur erinnert sich besonders an die Folge mit den Silberblumen. Im Grunde ginge es da um Umweltschutz, erläutert der 73-Jährige. Schließlich ermahne Eder den Kobold, dass er «Papierl» nicht einfach wegwerfen soll.

Seit 1966 war Hess, damals Toningenieur beim Bayerischen Rundfunk, an Pumuckl-Hörspielen beteiligt. Zunächst mit Alfred Pongratz als Meister Eder, später mit Gustl Bayrhammer. Pongratz gefällt ihm als Eder besser. «Der war ein bisschen gütiger, weicher», sagt er. Bayrhammers Eder sei handfester gewesen.

Ist dies das Erfolgsrezept, dieses Gespann aus Alt und Jung, gutmütig und frech? 90 Hörspielfolgen sind seit 1962 entstanden, einige mehrfach produziert, dazu eigene Versionen auf Schallplatte, Verfilmungen für Fernsehen und Kino, sogar eigene Versionen für den WDR und auf Schweizerdeutsch.

Im Studio ging es oft turbulent zu, erinnert sich Hess. Pumuckl-Sprecher Hans Clarin hatte oft nur zwei Stunden Zeit. Späße zwischendurch gab es trotzdem. Und doch haben sie sich immer gesiezt: der Schreinermeister, der Kobold und der Toningenieur. Einmal hat Hess den Pumuckl-Sprecher gebeten, seinen sechsjährigen Sohn als Pumuckl zu grüßen. «Der Christian war ganz schön verwirrt, dass der Pumuckl ihn kennt und dass der Kobold eigentlich ein Schauspieler ist, den der Papa kennt», erinnert sich Hess.

Verwirrung soll der Kobold auch heute noch stiften, weiß Pumuckl-Führer Kuboth: in der Widenmayerstraße 2 im Münchner Lehel. Da stand Eders Werkstatt bis zum Abriss an Ostern 1985. Heute sitzt dort die Versicherungskammer Bayern. Und wenn die Computer dort mal wieder verrückt spielen, dann war's der Pumuckl, erzählt man sich.

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