Immer weniger Kirchenmitglieder in Stuttgart

13. Februar 2012 in Deutschland


Zuwanderung begünstigt Katholiken und Muslime


Stuttgart (kath.net/idea) In Stuttgart wird es bald mehr Menschen geben, die keiner der beiden großen Kirchen angehören, als Protestanten und Katholiken zusammen. Auch das Verhältnis zwischen den Konfessionen verschiebt sich. Das hat das Statistische Amt der baden-württembergischen Landeshauptstadt ermittelt. Ende 2010 waren 258.734 der 561.444 Stuttgarter (46 Prozent) einer Freikirche, einer nichtchristlichen Religionsgemeinschaft oder keiner Religion zuzurechnen. 29 Prozent (162.466) waren evangelisch, und 25 Prozent (140.244) gehörten zur katholischen Kirche. Vor 35 Jahren waren die Protestanten mit 48 Prozent unangefochtene Spitzenreiter, während die Katholiken bei 33 Prozent und die anderen bei 19 Prozent lagen. Damals hatte Stuttgart 603.440 Einwohner. Diese Entwicklung lasse keine Abschwächung des Schrumpfungsprozesses beider Kirchen erkennen, heißt es in einer Analyse des Statistischen Amtes. Es erwartet, dass es 2020 etwa 129.000 Protestanten, 123.000 Katholiken und 308.000 „Sonstige“ geben wird.

72 Prozent der Kleinkinder ohne Kirchenbindung

Ein gewichtiger Grund für die Verschiebung ist der Zuzug von Ausländern. Ihre Zahl erhöhte sich von 97.000 im Jahr 1975 auf 122.458 im Jahr 2010. Darunter waren vor allem Muslime sowie zahlreiche Menschen aus katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Kroatien. Als Ergebnis haben knapp 60.000 (43 Prozent) der katholischen Stuttgarter ausländische Wurzeln, während der Anteil bei den evangelischen 12 Prozent beträgt. Das macht sich beispielsweise bei den Kirchenaustritten bemerkbar. Während die evangelische Kirche in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt jedes Jahr rund 1,5 Prozent ihrer Mitglieder durch Austritte verlor, waren es bei den Katholiken nur ein Prozent. Der Grund: Die zugewanderten Katholiken sind in der Regel kirchentreuer als Deutsche. Großen Einfluss auf die künftige religiöse Zusammensetzung in Stuttgart haben auch die Geburtenzahlen. Von den 31.400 Kindern unter sechs Jahren sind nur 15 Prozent evangelisch und 13 Prozent katholisch; die meisten anderen wachsen in einem muslimischen oder atheistischen Elternhaus auf.

Kirche reagiert „mit langem Atem und fröhlichem Christsein“

Der Evangelische Stadtdekan von Stuttgart, Hans-Peter Ehrlich, sagte gegenüber idea, dass die Kirche „mit langem Atem und fröhlichem Christsein“ reagiere. Spektakuläre Aktionen, etwa Wiedereintrittskampagnen, reichten nicht aus, den Mitgliederrückgang auszugleichen. Stattdessen setze man mit besonderen Gottesdiensten, Glaubens- und Theologiekursen, Bildungsangeboten und guter Kirchenmusik auf eine „attraktive Verkündigung“. Langfristig plane man eine Verringerung der kirchlichen Immobilien mit dem Ziel, wenige, aber einladende Gebäude zu haben. Außerdem sollten gute Dienste für die Stadt weitergeführt werden, beispielsweise Vesperkirche, Diakoniestation, Kindergärten und Schulen. Man sei zuversichtlich, dass diese Dienste auch künftig finanzierbar seien. Sie trügen zum gesellschaftlichen Frieden in der Stadt bei.


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