
7. Dezember 2011 in Spirituelles
Wiener Jugendbischof diskutierte mit Studenten: Priestersein heiße, 'die Lebensform Jesu anzunehmen, Jesus als Bräutigam der Kirche darzustellen' - Zölibat sei 'ein Luxus', den 'sich die Kirche bewusst leiste'
Wien (kath.net/KAP) Der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky hat den Wert des Zölibates betont. Diese Lebensform für Priester stelle nicht in erster Linie einen Mangel dar, sondern sei "ein wunderbares Abenteuer mit Gott," sagte der österreichische Jugendbischof am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung über den priesterlichen Lebensstil in der Wiener Katholischen Hochschulgemeinde. Eine bevorstehende Änderung dieses Kirchengebotes sei aktuell nicht zu sehen, so Turnovszky, der in der Erzdiözese Wien für die Begleitung der Priester zuständig ist.
Das Leben im Zölibat unterlegte der Weihbischof dabei mit den biblischen Bildern der Hochzeit. Zölibatärer Priester sein heiße, "die Lebensform Jesu anzunehmen, Jesus als Bräutigam der Kirche darzustellen". Der Jugendbischof verglich das zölibatäre Leben hinsichtlich seiner Verbindlichkeit mit der Ehe. Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen könne nur aus einer tiefen Gottesbeziehung, d.h. aus der Tiefe des Gebetes gelingen.
Stephan Turnovszky wörtlich: "Der Zölibat hilft, eine intensive Liebe zu Gott zu leben." Gleichzeitig schließe ein inniges Verhältnis zu Gott die Liebe zu einer Familie nicht aus, betonte der Bischof. Für ihn selbst bliebe im priesterlichen Leben aber zu wenig Zeit und Energie für die Anforderungen in einem familiären Umfeld.
Die römisch-katholische Kirche sehe derzeit überwiegend Vorteile im Zölibat. Vieles weise darauf hin, diesen priesterlichen Lebensstil in der lateinischen Kirche beizubehalten. Gleichzeitig wollte der Weihbischof keine Aussage darüber machen, ob das Kirchengebot des Zölibats angesichts des Priestermangels auf lange Sicht zu halten sei. Man könne es so sehen, dass dies "ein Luxus sei, den sich die Kirche bewusst leiste."
Den Verzicht auf Ehe und gelebte Sexualität sei kein bloßer Mangel: "Auf das Schönste im Leben zu verzichten, ist nur sinnvoll, wenn man eine größere Erfüllung im Himmelreich erwartet," so Turnovszky. Das Fehlen einer Familie, nannte er eine "heilige Wunde". Diese erinnere immer daran, dass es im Leben aus christlicher Sicht um mehr gehe, als man in der Welt bekommen könne. "Diese Wunde hält die Tiefe des Lebens offen", so der Jugendbischof.
Dem Einwand von Diskutanten, wie es denn möglich sei, Familien und Eheleute zu beraten, wenn man selbst deren Lebensform nicht kenne, widersprach der Bischof. Der Priester bekomme tiefe Einblicke in das Leben, vor allem in der Beichte. Ein Priester als geistlicher Begleiter könne helfen, ohne selbst diese Situation durchlebt haben zu müssen; auch ein Arzt müsste nicht alle Krankheiten durchlitten haben, um zu heilen.
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Foto: Pfarrer von Ars (c) kathpedia
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