Vatikanzeitung kritisiert Aids-Prävention der Vereinten Nationen

12. Oktober 2011 in Aktuelles


Die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» wirft der UN-Gesundheitsorganisation WHO und dem US-Pharmakonzern Pfizer vor, in Afrika ein hormonelles Verhütungsmittel für Aids-Kranke zu vertreiben, das die Ansteckungsgefahr erheblich erhöhe.


Vatikanstadt (kath.net/KNA) Die Vatikanzeitung «Osservatore Romano» wirft der UN-Gesundheitsorganisation WHO und dem US-Pharmakonzern Pfizer vor, in Afrika ein hormonelles Verhütungsmittel für Aids-Kranke zu vertreiben, das die Ansteckungsgefahr erheblich erhöhe. Das in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara am häufigsten verwendete Kontrazeptivum «Depo-Provera» verdoppele die Wahrscheinlichkeit einer Infizierung des Lebenspartners, heißt es in einem Kommentar auf der Titelseite der Zeitung (Mittwoch) unter Berufung auf neuere Forschungen.

Ungeachtet dessen hielten die Vereinten Nationen jedoch an der Verteilung dieses Verhütungsmittels fest, kritisiert der «Osservatore». Auch der Hersteller Pfizer weigere sich, diese Forschungen zur Kenntnis zu nehmen, und lehne eine Stellungnahme ab. Leidtragende seien vor allem afrikanische Frauen.

Der «Osservatore» betont, dass eine Erziehung hin zu einer Verwendung natürlicher Methoden der Empfängnisverhütung das wirkungsvollste Mittel sei, um eine Ausbreitung des HI-Virus einzudämmen. Dies sei wissenschaftlich belegt. Zugleich weist die Zeitung darauf hin, dass eine unabhängige, von wirtschaftlichen Interessen freie Forschung unerlässlich für die Lösung der Probleme der Entwicklungsländer sei.

Der Autor des Kommentars, der italienische Sozialwissenschaftler Emanuele Rizzardi, beruft sich auf einen Beitrag in der renommierten britischen Fachzeitschrift «The Lancet». Darin werden die Ergebnisse einer von der «Bill and Melinda Gates Stiftung» finanzierten Untersuchung von knapp 3.800 Paaren in afrikanischen Ländern mit einer hohen Zahl von Aids-Kranken vorgestellt. Die Ansteckungsrate der zuvor nichtinfizierten Partner lag demnach für Paare, die das Hormonpräparat verwendeten, doppelt so hoch wie im Durchschnitt.

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