
10. Oktober 2011 in Deutschland
"Für viele Katholiken in Deutschland ist an die Stelle des soliden Glaubenswissens ein oft eher vages religiöses Gefühl getreten, das man bei den kultischen Handlungen der Kirche auszuleben versucht"
Würzburg (kath.net/KNA) Kardinal Walter Kasper hält es nach dem Deutschlandbesuch des Papstes für geboten, dass die Kirche ihren Umgang mit Geld überdenkt. Die Kirche in Deutschland tue im eigenen Land und weltweit viel Gutes, sagte der Kardinal in einem Interview mit der in Würzburg erscheinenden «Tagespost» (Dienstag). «Aber es lässt sich nicht bestreiten, dass Geld auch in der Kirche zur Versuchung werden und korrumpieren kann.» Wenn kirchlicher Dienst zu einer «beamtenähnlich gesicherten Position» werde, könne das zu einer «Versorgungs- und Anspruchsmentalität» führen, die einen glaubwürdigen einfachen Lebensstil des Klerus vergessen lasse.
Das von Benedikt XVI. in Freiburg gebrauchte Wort von der «Entweltlichung» deutete Kasper als Auftrag zur Selbstprüfung am die Kirche, nicht nur in Deutschland. Es gehe dabei «ganz und gar nicht um einen Rückzug aus der Welt», die Kirche sei zur Erfüllung ihres Auftrags auch auf weltliche Mittel angewiesen. Diese dürften aber nicht zum Selbstzweck werden. Insofern müsse sich die Kirche fragen lassen, ob sie in manchem nicht zu sehr weltlichen Institutionen gleiche und sich deren Logik zu eigen mache. Manche ihrer Strukturen dienten möglicherweise nicht mehr ihrem ursprünglichen Auftrag und seien heute ein Ballast. Darüber sollten wir ernsthaft neu nachdenken. Sie und ich wir kennen die Inhalte des katholischen Glaubens. Für viele Katholiken in Deutschland aber, auch für Kirchgänger, ist an die Stelle des soliden Glaubenswissens ein oft eher vages religiöses Gefühl getreten, das man bei den kultischen Handlungen der Kirche auszuleben versucht., erklärte Kasper wörtlich.
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