'Wir brauchen die Sehnsucht nach dem, was größer ist als wir'

14. Juni 2011 in Deutschland


Kardinal Marx ruft im Pontifikalamt zum 125. Todestag von König Ludwig II. Gläubige dazu auf, Suchende zu bleiben und nach der Vollendung Ausschau zu halten


München (kath.net/pem) Bei einem Gottesdienst zum 125. Todestag König Ludwigs II. hat der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, die Gläubigen dazu aufgerufen, Suchende zu bleiben und nach der Vollendung Ausschau zu halten. „Wenn wir auf diesen König schauen, dann hat er uns durch sein Lebensbeispiel, durch sein Ringen, vielleicht besonders durch die vielen Fragen, die er aufwirft, auch heute noch etwas zu sagen (…): Wir brauchen als Christen die Sehnsucht nach dem, was größer ist als wir, nach der endgültigen Erfüllung, nach der endgültigen Schönheit, nach dem endgültigen Ziel“, sagte Kardinal Marx am Pfingstmontag, 13. Juni, in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael. In der Fürstengruft der Michaelskirche liegt König Ludwig II. begraben.

Die Menschen, die vor 125 Jahren zur Beerdigung König Ludwigs II. in großer Zahl gekommen waren, hätten begriffen, „dass hier ein besonderer Mensch gestorben ist, einer, der etwas ausdrückt, was sich in der Sehnsucht vieler Menschen widerspiegelt, wo etwas deutlich wird von dem, was in uns Menschen grundgelegt ist“, erklärte Kardinal Marx. So sei König Ludwig ein Suchender gewesen, „der nach der Vollendung Ausschau hielt“. Das habe sich „besonders gezeigt in seiner Leidenschaft für die Kunst, für das Endgültige, für das Schöne. Und genau darum geht es auch in der Dynamik, die uns der Geist eingibt: Das wir nach dem Ausschau halten, was jetzt noch nicht da ist.“ Diese Suche gehöre zum Christsein dazu. König Ludwig „war ein gläubiger Christ“ ebenso wie er „ein suchender Mensch“ gewesen sei.

In seiner Suche werde ein Christ „auch ein Leidender sein“, unterstrich Marx: Einer, „der mitleidet, aber auch der leidet an den Zuständen in der Welt, am Unvollkommenen, am Zerbrechlichen, am Tod und am Sterben“. In diesem Sinn sei auch Ludwig II. ein Leidender gewesen: „Nicht nur, dass er an der Gegenwart gelitten hat, an der Unvollkommenheit, an der Zerbrochenheit der Welt“, sondern auch an der eigenen Grenze: „Insofern dürfen wir ihn eine tragische Gestalt nennen, aber nicht im Sinne der griechischen Tragödie, in dem Sinne, dass es keinen Ausweg gibt – für Christen gibt es diesen Ausweg, deswegen glauben wir, dass er jetzt mit uns geht und mit uns Eucharistie feiert.“

Schließlich werfe das Königtum, an dem Ludwig II. festhielt, die Frage nach dem auf, „was wirklich unsere Gesellschaft prägt, was unsere Gesellschaft an Verpflichtungen übernehmen muss, die nicht einfach dem Alltagsgeschäft der Politik überantwortet werden können“. Bis heute würden Wissenschaftler und Demokratietheoretiker darüber nachdenken, „was das ist, was den Staat zusammenhält, was ihm eine Grundlage gibt, die nicht von den Menschen herkommt, die nicht einfach parlamentarische Mehrheiten verantworten können“, sagte Marx. In dieser Frage habe ein Königtum von Gottes Gnaden „die symbolische Bedeutung: Hier ragt etwas herein in die Wirklichkeit des Gemeinwesens, was nicht einfach dem Prozess des Alltags und der Mehrheit unterworfen ist“. Darin könne symbolisch etwas deutlich werden „von der Unverfügbarkeit des Rechts, von dem, was nicht vom Menschen kommt“.


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